Corona-Newsblog Berlin

Kretschmer: „Berlin-Bashing“ in Corona-Krise überzogen

| Lesedauer: 116 Minuten
Rasant steigende Corona-Zahlen: Berlin beschließt neue Beschränkungen

Rasant steigende Corona-Zahlen: Berlin beschließt neue Beschränkungen

Wegen rasant steigender Corona-Infektionszahlen in der Hauptstadt hat der Berliner Senat neue Beschränkungen beschlossen.

Beschreibung anzeigen

In Berlin sind derzeit 3292 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Aktuelle Entwicklungen, Nachrichten und Zahlen im Newsblog.

Berlin. Das Coronavirus breitet sich in Berlin weiter aus. In unserem Newsblog halten wir Sie über die aktuelle Corona-Lage in Berlin und Brandenburg auf dem Laufenden. Aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie in Deutschland, Europa und der Welt finden Sie in diesem Newsblog.

11.00 Uhr: Wir schließen dieses Newsblog. Alle weiteren Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Berlin finden Sie in unserem neuen Newsblog.

10.55 Uhr: Verstöße gegen Sperrstunde und Kontaktbeschränkungen

In der vergangenen Nacht hat es erneut Verstöße gegen die Corona-Regeln in Berlin gegeben. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, hielt sich eine 50-köpfige Gruppe am Kottbusser Tor an einem Späti auf. Auch vor einer Bar in Friedrichshain versammelten sich 20 Personen. Außerdem traf die Polizei weitere Gruppen mit mehr als fünf Personen an. In Friedrichshain wurde die Polizei während der Kontrollen mit einem Ei beworfen.

Im Kampf gegen das Coronavirus verschärfte Berlin die Corona-Regeln. Lokale müssen in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr geschlossen sein. Im Freien dürfen von 23 Uhr bis 6 Uhr nur noch fünf Personen aus verschiedenen Haushalten oder Menschen aus zwei Haushalten gemeinsam unterwegs sein.

8.37 Uhr: Kretschmer - „Berlin-Bashing“ in Corona-Krise überzogen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat die Hauptstadt Berlin vor scharfer Kritik wegen ihres Vorgehens in der Corona-Krise in Schutz genommen. „Ich finde dieses Berlin-Bashing überzogen. Wer jetzt in der Corona-Krise auf andere zeigt, sollte sich klarmachen, dass schnell vier Finger zurück zeigen könnten“, sagte der CDU-Politiker der „Welt am Sonntag“.

Zwar bezeichnete es Kretschmer als „schon befremdlich, wenn etwa der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain die Hilfe der Bundeswehr bei der Nachverfolgung von Infektionsketten ablehnt.“ Der Ministerpräsident fügte hinzu: „Aber wir sollten die Zeit jetzt nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen verbringen.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte gesagt, einige Großstädte wie Berlin stünden kurz davor, die Kontrolle in der Corona-Krise zu verlieren. Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, sagte der dpa, gerade in Großstädten wie Berlin lasse die Disziplin erkennbar nach, und die Stadtpolitik mache erhebliche Fehler. „Der Berliner Senat scheint hier vollkommen neben der Spur zu sein.“

8.26 Uhr: Mehrere Personen wollten in Friedrichshain demonstrieren

Am Sonnabend gegen 23 Uhr haben sich auf der Warschauer Brücke in Friedrichshain mehrere Personen versammelt. Sie wollten gegen die Sperrstunde protestieren. Dabei soll es sich um Gegner der Corona-Politik gehandelt haben. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und hielt die Personen vorläufig fest.

4.36 Uhr: Senatorin Pop zur Sperrstunde - Schnelle Hilfen für Wirte mit Einbußen

Wirte mit Umsatzeinbußen durch die neue Sperrstunde sollen laut Berlins Wirtschaftssenatorin schnell Unterstützung bekommen. „Bereits Anfang nächster Woche soll das konkrete Programm im Senat beschlossen werden“, erklärte die Grünen-Politikerin Ramona Pop auf Anfrage. Der Senat habe verabredet, „für die Betriebe der Schankwirtschaft, die nachweislich finanzielle Umsatzeinbußen durch die neuen Schließungszeiten erleiden, Unterstützung zu leisten“.

Eckpunkte seien bereits erarbeitet. „Aktuell, auch jetzt am Wochenende, laufen die Abstimmungen mit den beteiligten Verwaltungen auf Hochtouren“, teilte Pop mit. Das Programm soll an bereits bestehende anknüpfen und es soll vermutlich einen Mietzuschuss geben. Details zu den Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Hilfen wurden zunächst nicht bekannt.

4.31 Uhr: Schärfere Corona-Regeln treten in Brandenburg in Kraft

Angesichts steigender Zahlen von Neuinfektionen mit dem Coronavirus treten an diesem Sonntag in Brandenburg wieder schärfere Regeln zur Eindämmung der Pandemie in Kraft. Allerdings gelten diese in Landkreisen und kreisfreien Städten nur, wenn dort 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen festgestellt wurden. Als erste Kommune setzte der Landkreis Oder-Spree die neuen Regeln in Kraft, nachdem dort am Samstag ein Wert von 39,1 festgestellt worden war.

Nun gilt dort eine Maskenpflicht auch in Bürogebäuden, Gaststätten und Aufzügen. Nur noch 50 Menschen dürfen an Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen teilnehmen. Bei Feiern zu Hause in der Wohnung oder im Garten liegt die Obergrenze bei 25 Teilnehmern.

+++ Sonnabend, 10. Oktober +++

22.48 Uhr: Initiative "Querdenken" ruft zu Versammlung am Brandenburger Tor auf

Für Sonntag um 11 Uhr ruft die Stuttgarter Initiative "Querdenken" zu einer Versammlung am Brandenburger Tor auf. Nach dem Schweigemarsch am Vortag lautet das Motto am Sonntag "Wir werden reden!". Geplantes Ende der Veranstaltung ist um 17 Uhr. Eingeladen seien alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags sowie der Bürgermeister der Bundeshauptstadt und deren Innensenator zum offenen Diskurs, teilt die Initiative auf ihrer Internetseite mit. "Querdenken" hat schon mehrfach Demonstrationen in Berlin organisiert. Auch an Silvester will die Initiative in Berlin gegen die Corona-Politik der Bundesregierung demonstrieren.

17.03 Uhr: 273 neue Infektionen, 3292 aktuelle Corona-Fälle

In Berlin ist keine weitere Person an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Zahl der Todesfälle liegt bleibt bei 234. 273 neue Infektionen wurden bestätigt, 443 waren es gestern. 3292 aktuelle Corona-Fälle haben wir insgesamt in Berlin, 3141 waren es gestern. 14.302 Menschen gelten inzwischen als genesen.

Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen beträgt 40, ein Patient mehr als gestern. Insgesamt liegen 159 Menschen in Krankenhäusern, sieben Personen mehr als gestern gemeldet.

Die Berliner Corona-Ampel steht für den Bereich der Reproduktionszahl mit 1,23 auf Grün. Der Wert für Neuinfektionen ist mit 58,2 weiter auf Rot, die Ampel für die freien Intensivbetten steht auf Grün. Das bedeutet: Pro 100.000 Einwohner wurden in den vergangenen sieben Tagen 58,2 Corona-Fälle erfasst. Berlin liegt damit immer deutlicher über der kritischen Schwelle von 50.

Den mit Abstand höchsten Sieben-Tage-Wert pro 100.000 Einwohner innerhalb der Hauptstadt erreicht weiter der Bezirk Neukölln mit 130,3 - vor Mitte mit 98,0. Insgesamt erreichen mittlerweile sechs Bezirke eine sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz von über 50. Steglitz-Zehlendorf liegt mit 49,3 nur noch knapp darunter.

Die Fallzahlen nach Bezirken:

15.21 Uhr: Personen missachten Corona-Regeln beim Schweigemarsch

Am Großen Stern, dem Endplatz einer Demonstration, sind von einer kleineren Personengruppe die Corona-Regeln missachtet worden, teilte die Polizei auf Twitter mit. "Wir haben die Personalien aufgenommen und Anzeigen wegen Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung geschrieben." Den kompletten Bericht über den Schweigemarsch der Corona-Gegner lesen Sie hier.

14.42 Uhr: Demo gegen Corona-Politik beendet

Die Demonstration gegen die Corona-Politik wurde um 14.39 Uhr von der Veranstalterin beendet.

14.14 Uhr: Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann festgenommen

Am Rande der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen wurden Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann und vier seiner Mitstreiter vorläufig festgenommen.

13.54 Uhr: Demonstranten am Großen Stern - Attila Hildmann vor Ort

Die Spitze der Demonstration hat mittlerweile den Endplatz am Großen Stern erreicht. Allerdings sind noch längst nicht alle Teilnehmer angekommen. Einige sind noch mehrere Kilometer entfernt in der City West. Wenn alle angekommen sind, ist eine Schweigeminute am Großen Stern geplant. Es seien mehrere Tausend Teilnehmer vor Ort, sagte eine Polizeisprecherin am Samstag. Die Polizei ist mit 200 Kräften im Einsatz.

Derweil ist auch der rechte Verschwörungstheorethiker und Corona-Leugner Attila Hildmann auf der Demonstration aufgetaucht. Hildmann weigerte sich zunächst, eine Maske aufzusetzen. Auf Personen, die ihn dazu aufgefordert haben, reagiert er ausgesprochen aggressiv.

12.27 Uhr: Ordnerin fordert zum Einhalten der Corona-Regeln auf

Der sogenannte „Schweigemarsch“, der die Corona-Pandemie für beendet erklären will, zieht sich langsam den Kurfürstendamm entlang. Die Teilnehmenden stammen aus allen Altersgruppen. Auch Familien mit kleinen Kindern sind darunter. „Haltet bitte eineinhalb Meter Abstand und setzt Masken auf“, ruft eine Ordnerin im vorderen Teil immer und immer wieder. Dafür erntet sie nicht nur Zuspruch. Einer Frau, die sagt, dass man das Volk mit den Masken „im Griff“ hätte, entgegnet die Ordnerin: „Es ist ja auch nur eine Inszinierung.“ Größtenteils wurde ein Mund-Nasen-Schutz getragen und der Abstand eingehalten.

Es gab zunächst keine politischen Bekundungen. Teilnehmer waren im Online-Aufruf zur Demo dazu angehalten worden, Schilder, Banner, Fahnen und Kleidung mit Parolen und Symbolen zu Hause zu lassen. Im ersten Block wolle man „möglichst ausschließlich Frauen laufen lassen“, hieß es. Die Teilnehmerinnen an der Spitze des Zuges hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Wir müssen reden!“.

Nach Angaben auf der Website des Marsches wird Gesprächsbedarf zum Beispiel in Hinblick darauf gesehen, „dass die Pandemie von nationaler Tragweite beendet wird - ohne Impfstoff!“. Es reiche mit „permanenten Angstkampagnen“.

12.02 Uhr: Protest gegen Corona-Politik - Demonstranten versammeln sich

Zahlreiche Menschen haben sich ab dem Adenauerplatz in Richtung Halensee auf dem Kurfürstendamm versammelt. Sie wollen unter dem Motto "Schweigemarsch gegen Rassismus und für unsere Menschenrechte" gegen die Corona-Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung demonstrieren. Viele, aber längst nicht alle tragen Masken und halten die notwendigen Abstände ein. Die Demonstration in Richtung des Großen Sterns startete gegen 12 Uhr. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz.

12 Uhr: Corona-Ansteckungen steigen stark an - Kritischer Wert in Oder-Spree

Die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus steigt in Brandenburg weiter stark an. Innerhalb eines Tages seien 97 bestätigte neue Fälle hinzugekommen, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag (Stand 11.00 Uhr) in Potsdam mit. Tags zuvor waren es landesweit 90 Neuinfektionen und am Donnerstag 55. Die weitaus meisten neuen Infektionen zählte wie am Vortag der Landkreis Oder-Spree im Südosten von Berlin mit 22.

Mit rechnerisch 39,1 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen hat der Landkreis zudem den kritischen Schwellenwert von 35 überschritten. Damit müssen dort von Sonntag an schärfere Corona-Regeln in Kraft treten. Eine Bestätigung vom Gesundheitsministerium gab es dafür zunächst nicht. Für ganz Brandenburg stieg der Wert um 2,1 auf 15,3.

Die Zahl der Menschen, die aktuell an Covid-19 erkrankt sind, stieg um 94 auf 591. Seit März wurden insgesamt 4812 Corona-Infektionen in Brandenburg gezählt. Bisher starben 174 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19, als genesen gelten geschätzt 4047 Menschen.

11.53 Uhr: Dobrindt kritisiert Berliner Senat - "Vollkommen neben der Spur"

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat Berlin wegen des Umgangs mit dem Coronavirus kritisiert. Gerade in Großstädten wie Berlin lasse die Disziplin erkennbar nach, und die Stadtpolitik mache erhebliche Fehler, so der CSU-Politiker. Dobrindt nannte die Zulassung großer Feiern und Festivals sowie fehlende Kontrollen bei der Einhaltung von Hygiene-Regeln. „Das alles trägt leider erheblich zur Verbreitung des Virus bei. Lokale Ausbrüche müssen aber gerade lokal und konsequent bekämpft werden. Bayern hat mit Garmisch und München gezeigt, wie das gelingen kann. Der Berliner Senat scheint hier vollkommen neben der Spur zu sein.“

11.47 Uhr: Hunderte Berliner Polizisten in Quarantäne laut GdP

In Berlin sind nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zur Zeit 28 Polizisten mit dem Coronavirus infiziert und an die 300 in Quarantäne. Die Zahlen stammen aus einem Begleitgremium der Berliner Sicherheitskräfte, an dem die GdP teilnehme, wie Gewerkschaftssprecher Benjamin Jendro am Samstag mitteilte. Demnach seien 87 Mitarbeiter in angeordneter Quarantäne und 184 Polizisten in vorsorglicher Isolation. Die Berliner Polizei konnte am Samstag die Zahlen zunächst nicht bestätigen.

Die Arbeitssituation der Beamten habe sich seit Beginn der Pandemie verbessert. „Es gibt jetzt flexiblere Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit zum Ausweichen ins Homeoffice - dort wo es machbar ist“, sagte Jendro der Deutschen Presse-Agentur. Schutzmasken für Mund und Nase sowie Desinfektionsmittel seien in ausreichender Menge vorhanden. „Den direkten Bürgerkontakt wird man natürlich nicht verhindern können“. Bei größeren Einsätzen müssten Hundertschaften vollzählig bereit stehen, trotz Corona.

10.36 Uhr: Bezirksamt prüft Fan-Gesänge bei Union Berlin

Dem 1. FC Union Berlin könnte nach Fan-Gesängen bei einem Fußball-Testspiel eine Strafe drohen. Wie die „Bild“-Zeitung am Samstag berichtete, beschäftigt sich das zuständige Gesundheitsamt mit einem möglichen Verstoß gegen aktuell gültige Corona-Maßnahmen, nachdem der Berliner Bundesligist vor der Partie gegen den Zweitligisten Hannover 96 auf die Unterlassung von Fan-Gesängen hingewiesen worden war. „Zurzeit befindet sich das Bezirksamt in Prüfung. Wenn Verstöße vorliegen, werden diese entsprechend geahndet“, hieß es vom Gesundheitsamt Treptow-Köpenick.

1795 Zuschauer hatten das 4:1 der Eisernen gegen die Niedersachsen am Donnerstag im Stadion An der Alten Försterei verfolgt. „Wir haben ja niemanden aufgefordert, hier zu singen“, argumentierte Unions Kommunikationschef Christian Arbeit. Unter Paragraph 5 der sechsten Corona-Infektionsschutzverordnung heißt es unter Punkt neun: „Fan-Gesänge und Sprechchöre sind zu unterlassen.“

„Die Frage ist: Bleiben eigentlich die Regeln nachvollziehbar für die Menschen oder kommen wir langsam an seltsame Grenzen“, hatte Arbeit im RBB moniert. Singen in geschlossenen Räumen sei bei Abstand nach wie vor erlaubt, Singen im Freien plötzlich nicht mehr, meinte er.

10.29 Uhr: Corona-Leugner demonstrieren heute in Berlin

In Berlin gibt es am Sonnabend eine Demonstration gegen die Corona-Politik, berichtet der RBB unter Berufung auf die Polizei. Für 11.59 Uhr ist ein Aufzug am Adenauerplatz in Charlottenburg mit 20.000 Personen angemeldet. Die Teilnehmer wollen zum Großen Stern ziehen. Eine Einzelperson habe die Demonstration unter dem Titel "Schweigemarsch gegen Rassismus und für unsere Menschenrechte" angemeldet. Laut Tagesspiegel ruft auch Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann zur Teilnahme an dem Protestzug auf. Am Alexanderplatz findet ab 16 Uhr eine Demonstration unter dem Motto "Schweigen brechen" statt.

10.12 Uhr: Soziologin: Kneipen sind wichtige Orte in Städten

Nach Meinung der Soziologin Talja Blokland unterschätzt die Politik mitunter, wie wichtig Kneipen für die Gesellschaft sind. Die Sperrstunde in Berlin sieht sie kritisch. „Es kommt rüber, als wären Bars und Cafés zum Feiern da und nichts Notwendiges“, sagte die Professorin am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität Berlin. Wenn man sich frage, wie man lerne, wie man von einer Jobmöglichkeit erfahre oder politisch etwas höre, was anders als zu Hause sei, dann passiere das dort, wo man neue Menschen treffe. „Für das soziale Gefüge der Stadt sind das wichtige Orte.“

Ihrer Einschätzung nach kann sich die Sperrstunde auch auf das Sicherheitsgefühl in der Stadt auswirken. „Wir brauchen volle U-Bahnhöfe, um abends das Gefühl zu haben, sicher nach Hause zu kommen“, sagte Blokland der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Stadt um 23.00 Uhr zumacht, ist das nicht mehr da. Man kann sagen: "Das ist es uns wert." Aber man muss es bedenken.“

9.43 Uhr: Corona-Sprechstunde im Hinterhof - Anwohner protestieren

Anwohner eines Gründerzeit-Hauses an der Eberswalder Straße haben durch eigene Erkundigungen herausgefunden, dass zwischen ihren Mülltonnen und dem Eingang zum Hinterhaus offenbar eine Corona-Teststelle eröffnet hat. „Ich finde es unmöglich, dass man hier Anwohner gefährdet und wir nicht einmal darüber informiert werden, was hier geschieht“, sagt die Frau, die eine Ansteckung mit Covid-19 befürchtet. „Wenn ich an meinen Briefkasten im Flur will, muss ich die Patienten bitten, beiseite zu treten“, erzählt sie aus ihrem Alltag.

Worum es sich hier handelt, ist die so genannte „Infektsprechstunde“ einer Hausarztpraxis, die sich an einem ganz anderen Ort in Prenzlauer Berg befindet. Am Hauptsitz an der Stargader Straße nimmt sie aber nur solche Patienten an, die „keine Symptome wie Fieber, Husten und Halsschmerz sowie in den letzten 14 Tagen keinen Kontakt zu einem positiven Corona-Fall hatten“, wie es auf der Internetseite der Praxis heißt. Alle anderen sollen ins orangefarbene Zelt im Hinterhof am Mauerpark. Mehr dazu lesen Sie hier.

8.31 Uhr: Strengere Corona-Regeln gelten - Verstöße gegen Sperrstunde in Berlin

Im Kampf gegen das Coronavirus verschärft Berlin die Regeln. In der Hauptstadt gelten seit Samstag wieder strengere Vorgaben für private Feiern. Außerdem gibt es nun eine Sperrstunde. Restaurants, Kneipen und die meisten Geschäfte müssen von 23 Uhr bis 6 Uhr geschlossen sein. Nach Angaben der Berliner Landesregierung treten die Regeln bereits in der Nacht zum Samstag in Kraft. Um Mitternacht machten beispielsweise etliche Bars im Stadtteil Neukölln dicht - einige Leute standen noch rauchend davor, dann lösten sich die Gruppen auf. Es gab aber auch Verstöße gegen die Sperrstunde.

Unser Polizeireporter berichtete, dass an der Simon-Dach-Straße an einigen Stellen weiter gefeiert wurde. Spätis, Imbisse und einige Kneipen blieben einfach offen. Die Menschen versammelten sich und kauften Alkohol. Nach einiger Zeit traf ein Einsatzwagen der Polizei ein. Drei Beamte stiegen aus und begingen Imbisse, Bars, Kneipen.

In einem Restaurant am Kreuzberger Oranienplatz feierten nach Mitternacht mehr als 80 Personen. Sie reagierten zunächst nicht auf die Anweisungen der Polizei und wollten das Geschäft nicht verlassen. Daraufhin ließ die Polizei den Laden räumen. Am Bahnhof U-Bahnhof Schlesisches Tor waren ebenfalls Beamte im Einsatz und mussten mehrere Geschäfte schließen.

1.23 Uhr: Maskenpflicht auch auf öffentlichen Plätzen in Berlin

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Metropolen haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Bürgermeister von elf deutschen Städten, darunter Berlin, auf gemeinsame Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verständigt. Dazu gehören die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und mögliche Kontaktbeschränkungen auch in der Öffentlichkeit, sofern kein Abstand eingehalten werden kann. Die verschärften Maßnahmen sollen dann greifen, wenn die Zahl der Neuinfektionen in einer Metropole binnen sieben Tagen über 50 pro 100.000 Einwohner steigt. Dies war zuletzt etwa in Berlin und Frankfurt/M. der Fall. In der Hauptstadt lag der Wert am Freitag bei 56,4. Hier gelten bereits Sperrstunde und Alkoholbeschränkungen sowie Teilnehmerbegrenzungen für Feiern.

Die Großstädte seien „der Schauplatz, wo wir sehen, ob wir die Pandemie unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet“, sagte Merkel am Freitag. Falls der Anstieg dann binnen zehn Tagen nicht zum Stillstand komme, seien „weitere gezielte Beschränkungsschritte unvermeidlich“, heißt es in dem Beschlusspapier von Bund und Kommunen. Diese „zusätzlichen regionalen Beschränkungsmaßnahmen“ sollten dann greifen, „wenn die Kontaktnachverfolgung absehbar aufgrund der hohen Inzidenz nicht mehr vollständig möglich ist“.

Kanzlerin und Bürgermeister vereinbarten auch, dass die Bundeswehr ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf Bitten der jeweiligen Stadt Bundeswehr-Experten zur Beratung und Koordinierung in die kommunalen Krisenstäbe entsendet. Auch vom Robert-Koch-Institut (RKI) sollen dann Spezialisten helfen.

+++ Freitag, 9. Oktober +++

20.35 Uhr: Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci warnt vor "dramatischer" Entwicklung

Der Lagebericht der Gesundheitsverwaltung vom Freitag ruft bei Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) Sorge hervor. Der Bericht zeige eine „dramatische Entwicklung“ insbesondere bei den Jüngeren, twitterte sie. „Allerdings erreichen die Infektionen auch wie zu erwarten alte Menschen. Unachtsamkeit beim Umgang kann ihnen die Gesundheit und das Leben kosten!“, mahnte sie.

Unter den Bezirken sticht insbesondere Neukölln mit 472 gemeldeten Corona-Fällen in der vergangenen Woche heraus; die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz liegt damit bei 143,1. Mit einigem Abstand folgen Mitte (85,8 Fälle pro 100 000/7 Tage) und Tempelhof-Schöneberg (72,9).

19.09 Uhr: Wegen Corona: Konferenz der Ministerpräsidenten als Videoschalte

Die für Ende Oktober in Berlin geplante Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) soll voraussichtlich per Videokonferenz abgehalten werden. Ursprünglich war das Rote Rathaus als Ort für das Treffen der Länderchefs vorgesehen. Grund für die geänderten Planungen seien die steigenden Corona-Fallzahlen, teilte die Berliner Senatskanzlei am Freitag mit. Am 1. Oktober hat Berlin turnusmäßig für ein Jahr den Vorsitz in der MPK übernommen.

Regierungschef Michael Müller (SPD) erklärte, er bedauere die Planänderung zutiefst. „Gleichzeitig finde ich es aber wichtig, dass wir als Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in besonderem Maße Verantwortung zeigen und deutliche Signale der Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme angesichts der steigenden Infektionszahlen senden.“ Sollte sich die Corona-Lage schneller als erwartet bessern, könne kurzfristig noch zu einem Treffen in Berlin geladen werden, hieß es. Angesetzt ist die MPK für den 28. bis 30. Oktober.

17.03 Uhr: Verluste und Aufwand in Tourismusbranche durch Berliner Corona-Werte

Die Tourismusbranche Mecklenburg-Vorpommerns erwartet großen Arbeitsaufwand und hohe finanzielle Verluste durch die besorgniserregende Corona-Entwicklung in Berlin. "Der Krisenmodus, den wir im Frühjahr hatten, kehrt so ein bisschen zurück in der Branche“, sagt Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands. Der Tourismusverband habe hochgerechnet, dass in den Berliner Herbstferien 2020 rund 150.000 Urlauber aus der Bundeshauptstadt nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen wären. Das Ausbleiben dieser Gäste bedeute für die gesamte Tourismusbranche im Land voraussichtlich einen finanziellen Verlust von bis zu 50 Millionen Euro. Die Buchungslage sei im Oktober, wie im Vormonat September, gut gewesen - die Branche habe mit einem guten Geschäft gerechnet.

Theoretisch können Touristen aus Berlin oder anderen Gebieten, die den Wert von 50 Corona-Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100. 000 Einwohner überschritten haben, nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern reicht es jedoch nicht, wenn Gäste aus Corona-Risikogebieten zur Einreise einen maximal 48 Stunden alten negativen Virus-Test vorlegen. Unabhängig davon müssen sie laut Corona-Landesverordnung auch eine 14-tägige Quarantäne antreten, die nur bei einem zweiten negativen Test nach fünf bis sieben Tagen vorzeitig beendet werden kann.

16.59 Uhr: Clubcommission schlägt Schnelltests vor Berliner Clubs vor

Die Berliner Clubs haben die vom Senat beschlossene Sperrstunde als falsch und möglicherweise kontraproduktiv kritisiert. Die Maßnahme könnte sogar zu einer Verschärfung der Lage führen, da sich bei zeitgleicher Schließung aller Bars, Restaurants und Clubs Menschenansammlungen bilden könnten, die sich dann „gegebenenfalls in Gruppen an nicht-konzessionierte Orte verlagern“, warnte der Dachverband Clubcommission am Freitag. „Ordnungsbehörden werden große Schwierigkeiten haben, die Hygieneregeln in Privatwohnungen oder in den über 2500 Parks und Gärten der Stadt zu kontrollieren.“

Auch vor dem Hintergrund der Erkenntnisse zu den Infektionsherden in den vergangenen Wochen, etwa private Veranstaltungen wie Hochzeiten, sei die Sperrstunde die falsche Maßnahme - „Symbolpolitik“, sagte Sprecher Lutz Leichsenring vom Dachverband Clubcommission. Clubs und Veranstalter hätten sich in den vergangenen Wochen und Monaten „fast ausnahmslos verantwortungsvoll verhalten“. Von der Senatsgesundheitsverwaltung fühle man sich nicht als Partner auf Augenhöhe behandelt, sagte Leichsenring. Die Pandemie sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Der Verband schlägt vor, in den nächsten Tagen Schnelltest-Bereiche vor Clubs einzurichten. Dort sollen Gäste freiwillig, auf eigene Kosten und unter Aufsicht „von angelerntem medizinischen Personal“ einen Corona-Schnelltest machen können. Die Hygieneregeln sollen bei Veranstaltungen trotzdem gelten.

16.47 Uhr: Situation an Neuköllner Schulen verschärft sich: 1854 Schüler in Quarantäne

Die Corona-Lage an Neuköllner Schulen spitzt sich zu: Mittlerweile sind 31 Schulen im Bezirk betroffen. 79 Schülerinnen und Schüler und 13 Personen aus dem Schulpersonal wurden positiv getestet. 100 Lerngruppen sind betroffen, 1854 Schülerinnen und Schüler sind in Quarantäne. Am Ernst-Abbe-Gymnasium und in der Mittel- und Oberstufe des Campus Rütli wurde auf Unterricht von zuhause umgestellt. Dies teilte Bezirksstadträtin Karin Korte in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Neukölln und der Regionalen Schulaufsicht Neukölln mit.

"Die Herbstferien geben uns jetzt eine dringend benötigte Atempause. Wir möchten Schulschließungen auch künftig möglichst vermeiden. Ich appelliere deswegen an die Schüler*innen und an das Lehrpersonal: Halten Sie sich an die Corona-Regeln! Geben Sie acht auf sich und Ihre Mitmenschen. Nur gemeinsam können wir es schaffen, dass die Verbreitung des Virus an unseren Schulen nicht mehr so rasch zunimmt", so Karin Korte.

16.32 Uhr: 443 neue Corona-Infektionen in Berlin, 3141 aktuelle Fälle

In Berlin ist eine weitere Person an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Zahl der Todesfälle liegt nun bei 234. 443 neue Infektionen wurden bestätigt, 498 waren es gestern. 3141 aktuelle Corona-Fälle haben wir insgesamt in Berlin, 2914 waren es gestern. 14.180 Menschen gelten inzwischen als genesen.

Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen beträgt 39, vier Patienten weniger als gestern. Insgesamt liegen 152 Menschen in Krankenhäusern, eine Person weniger als gestern gemeldet.

Die Berliner Corona-Ampel steht für den Bereich der Reproduktionszahl mit 1,06 auf Grün. Der Wert für Neuinfektionen ist mit 56,4 weiter auf Rot, die Ampel für die freien Intensivbetten steht auf Grün.

Die Fallzahlen nach Bezirken

12.08 Uhr: Brinkhaus - Zutiefst besorgt über Krisenmanagement des Senats

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) hat das Corona-Management des rot-rot-grünen Senats in Berlin angesichts der stark gestiegenen Infektionsza