Internet-Dienstleister

Jan Beckers Hitfox-Gruppe startet drei neue Start-ups

Der Spielevermarkter Hitfox gehört zu den schnellstwachsenden und profitablen Berliner Neugründungen. Der Umsatz wurde im laufenden Jahr nahezu versiebenfacht. Jetzt erweitert Beckers das Geschäftsfeld

Foto: Reto Klar

Der Berliner Internetdienstleister Hitfox des Seriengründers Jan Beckers stößt in neue Geschäftsfelder vor. Wie Beckers der Morgenpost sagte, werde die bislang auf die Vermarktung von Computerspielen spezialisierte Gruppe ihre Aktivitäten um Big-Data-Lösungen und die Vermarktung digitaler Inhalte außerhalb der Spielebranche erweitern. Dazu seien drei neue Unternehmen gegründet worden, die Anfang 2014 aktiv werden sollen. Details nannte Beckers nicht.

Damit löst sich Beckers zum einen aus der Abhängigkeit vom Games-Geschäft, das derzeit allerdings nur eine Entwicklung kennt: steil nach oben. Zum anderen besitzt die Gruppe mittlerweile Erfahrungen und technische Lösungen im Mobil-Geschäft, die auch in anderen Digitalbranchen wie zum Beispiel von Reise- oder Partnervermittlern nachgefragt werden. „Wir sind inzwischen der weltweit größte Spezialist für datengetriebenes Mobile und Online Game Advertising. Die hierbei gewonnenen Kompetenzen nutzen wir nun“, sagte Beckers.

Big-Data-Lösungen ermöglichen es zum Beispiel, aufgrund von in Echtzeit analysiertem Nutzerverhalten spezialisierte Werbung auf Smartphones oder Computerbildschirmen zu platzieren.

Zahl der Hitfox-Mitarbeiter soll auf 300 steigen

Zur Hitfox-Gruppe gehören der Spielvermarkter Applift, der Werbevermarkter Ad2Games und die Empfehlungsplattform Gamefinder. Die Firmen sind unter dem Holding-Dach der Hitfox gebündelt, die Beckers wiederum zu einem Inkubator für Dienstleistungs-Start-ups ausbaut. Ursprünglich hatte Beckers vor, jedes Jahr aus einer bei Hitfox geborenen Geschäftsidee eine Firma zu gründen, die einer der Mitarbeiter übernimmt. Jetzt sind es gleich drei.

Hitfox gehört zu den am schnellsten wachsenden Berliner Start-ups. Wie das 2011 gegründete Unternehmen mitteilte, hat sich der Umsatz im laufenden Jahr mehr als versechsfacht. Er dürfte bei rund 50 Millionen Euro liegen. Beckers wollte die Zahl nicht bestätigen, er selbst spricht von einem Umsatz in „mittlerer zweistelliger Millionenhöhe“.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg im laufenden Jahr auf über 150. Ende 2014 sollen es doppelt so viele sein, damit werden die Büroflächen an der Rosenstraße knapp.

Hitfox profitiert vom Wandel der Spiele-Industrie

Becker rechnet auch für das nächste Jahr mit einem starken Umsatzwachstum, eine genaue Prognose wollte er aber nicht geben. Hitfox profitiert bislang vom tiefgreifenden Wandel in der Computerspiele-Industrie. Wer heute spielen will, braucht keine hochgerüsteten Rechner oder kostspielige Konsolen für den Fernseher mehr und erst recht keine teuren DVD. Spiele werden immer seltener im Laden gekauft, stattdessen aus dem Internet geladen – oder gleich komplett Online gespielt. Und das immer öfter auf mobilen Geräten.

40 Prozent der in Deutschland verkauften Spiele wurden 2012 bereits digital vertrieben. Hitfox Spielevermarkter Applift wächst dann auch am stärksten. Das Unternehmen hilft den Games-Entwicklern dabei, die Spiele zum Kunden zu bringen und erhält dafür eine Provision.

Hitfox erwirtschaftet Gewinne

Die Gruppe arbeitet mit 180 Spiele-Entwicklern weltweit zusammen, darunter den Branchengrößen Kabam oder Wooga. Die in 100 Ländern aktive Gruppe hat ihren Sitz in Berlin, dazu Niederlassungen in San Francisco, Seoul und Paris.

Trotz des rasanten Wachstums ist die Hitfox-Gruppe nach eigenen Angaben profitabel. Die Geschäftserweiterung finanziert das Unternehmen zum großen Teil auch aus eigener Kraft. Zum Teil wird auf die Kapitalspritze des Wagnisfinanzierer Prime zurückgegriffen. Prime hat in diesem Jahr in zwei Finanzierungrunden insgesamt 15 Millionen Euro vor allem in Applift investiert.