Online-Umfragen

Jeden Tag zwei Millionen Antworten mit SurveyMonkey

Die rasant wachsende Umfrageplattform SurveyMonkey, an der Google beteiligt ist, bringt seine Firmenlösung auf den deutschen Markt und plant die Eröffnung einer Niederlassung – eventuell in Berlin.

Foto: Jeanne dePolo

Die Feedback-Plattform SurveyMonkey läutet eine neue Phase des Wachstums ein und konzentriert sich auf nationale Märkte in Europa. Das Portal für digitale Umfragen aus dem Silicon Valley bringt seine Unternehmenslösung „Enterprise“ auf den deutschen Markt und erwägt die Eröffnung einer Niederlassung in Deutschland – möglicherweise in Berlin. SurveyMonkey verweist auf einen jährlichen Kundenzuwachs von 100 Prozent auf dem deutschen Markt.

Bei SurveyMonkey lassen sich Umfragen einfach erstellen. Man wählt ein Layout-Muster aus, schreibt die Fragen und gegebenenfalls auch die Antwortoptionen auf und speichert alles auf der Plattform. Anschließend versendet man seine Umfrage mit einem Weblink, per E-Mail oder als Nachricht auf Facebook oder Twitter. Es besteht auch die Möglichkeit, die Online-Umfrage in einen Blog oder eine Website einzubinden. Der Interviewer kann die Antworten in Echtzeit analysieren.

„50 Prozent der Umfragen werden von Regierungen, Schulen und Universitäten sowie von Nichtregierungsorganisationen erhoben“, sagt Unternehmenschef Dave Goldberg. Unternehmen nutzen das Portal extern, um die Zufriedenheit ihrer Kunden zu ermitteln, und intern, um Informationen über die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhalten, wie Goldberg erläutert. Die kalifornische Firma bringt ihre Lösung, die in den USA bereits von 99 Prozent der Fortune- 500-Unternehmen eingesetzt wird, auch hierzulande an den Start, wie Goldberg ankündigte. Unter den Kunden sind bereits Volkswagen und SAP.

SurveyMonkey bietet kostenfreie Basis-Version

Das neue Enterprise-Produkt bietet Unternehmen zusätzlich die Möglichkeit, Umfragen effizienter zu steuern und einzusetzen. Dies geschieht über eine zentrale Benutzer- und Datenverwaltung sowie die Option, Umfragen und Analysen einfach und schnell abteilungsübergreifend zu teilen und miteinander zu vergleichen.

Die Basisversion von SurveyMonkey ist kostenfrei nutzbar und erlaubt Umfragen mit maximal zehn Fragen und 100 Teilnehmern. 25 Euro pro Monat beziehungsweise 300 Euro pro Jahr kosten die nächsthöheren Pakete. Für die Unternehmenslösung fallen Gebühren von 800 Euro pro Jahr und Nutzerlizenz an.

Internetfirma wirft 63 Millionen Dollar Jahresgewinn ab

SurveyMonkey wurde 1999 gegründet und generiert täglich mehr als zwei Millionen Umfrageantworten. Das mit 1,35 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen mit 280 Mitarbeitern machte im vergangenen Jahr 113 Millionen Dollar Umsatz und 63 Millionen Dollar Gewinn.

Anfang diesen Jahres sorgte SurveyMonkey in der Branche für Aufsehen, als das Unternehmen 800 Millionen Dollar einsammelte – Anleger, die früh in das Unternehmen investiert hatten, verkauften ihre Anteile im Wert von mehr als 440 Millionen Dollar an eine Gruppe neuer und bestehender Teilhaber. 350 Millionen Dollar erhielt das Unternehmen durch Fremdfinanzierung. Google wurde bei dieser Transaktion, einer der größten Kapitalbeschaffungsmaßnahmen eines US-Internetunternehmen in Privatbesitz, neuer Teilhaber. „Wir wollten nicht an die Börse gehen“, sagt Goldberg.

Zendesk, ein führender Anbieter von Software für Kundenberatung, kündigte am Dienstag die Integration von SurveyMonkey in die eigene Plattform an. Damit soll eine nachhaltigere Kommunikation mit Kunden und ihre Bindung an ein Unternehmen sichergestellt werden.

Bewusstsein eines Start-ups behalten

Goldberg, der mit der Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg verheiratet ist, kennt Berlin. In seiner Zeit als Gründer und Chef der Musikplattform „Launch“, die er 2001 an Yahoo verkaufte, und seiner anschließenden Tätigkeit als Direktor von Yahoo-Music war er geschäftlich mehrmals in der Stadt.

Für Berliner Internetgründer hat Dave Goldberg, der vor seiner Tätigkeit bei SurveyMonkey als Entrepreneur in Residence für den Wagniskapitalgeber Benchmark Capital arbeitete, einen Rat. „Das wichtigste ist, die richtigen Berater zu haben und Leute zu finden, die die Gründererfahrung schon einmal gemacht haben.“ Das eigene Unternehmen will Goldberg nicht mehr als Start-up bezeichnen. „Wir haben aber das Bewusstsein eines Start-ups behalten und handeln so, als wären wir noch eines.“