Der Weg des Widerstands endet mitunter mit einer kalten Dusche. Es ist Mittwoch, der 18. November, und keine 100 Meter vom Brandenburger Tor entfernt posiert eine Frau mit blonden Haaren für ein Foto, das sie später auf dem Messengerdienst Telegram einstellen wird. Im Hintergrund ist der Sprühregen von Wasserwerfern zu sehen, am linken Bildrand lugt eine Ecke des Reichstagsgebäudes hervor. Dazwischen stehen ziemlich viele Menschen, fast alle haben sich Regencapes übergestreift.

Die Frau vor der Kamera trägt als Schutz vor dem Polizei-Regen dagegen nur eine grüne Mütze. Ihren braunen Stoffmantel zieren einige Tropfen der Wasserwerfer-Dusche. Die Frau lächelt.

Am Tag nach der Demonstration geht bei einem Reporter der Berliner Morgenpost eine E-Mail ein: „Der Albtraum ist gestern wahr geworden“, heißt es darin. „Friedliche Demonstranten wurden von Polizisten getreten, geschlagen und verhaftet.“ Sie habe Fotos und Videos gemacht. „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen diese gern zusenden.“

Monica Felgendreher versteht sich als Widerstandskämpferin

Die Absenderin der E-Mail ist die Frau auf dem Bild mit den Wasserwerfern. Sie heißt Monica Felgendreher. Sie versteht sich als Widerstandskämpferin. Sie kämpft gegen den Staat und die Politiker, weil sie dem Volk die Freiheit stehlen würden. Sie kämpft gegen die Medien, weil sie die Wahrheit verdrehen und andere Meinungen unterdrücken würden. Sie kämpft gegen Mediziner und Epidemiologen, weil sie Angst verbreiten würden, damit die Pharmaindustrie möglichst viel Geld mit Impfstoffen verdienen kann.

Monica Felgendreher ist eine „Querdenkerin“ und organisiert regelmäßig Demonstrationen in Berlin. Rund um den Jahreswechsel sind diese jedoch verboten worden.
Monica Felgendreher ist eine „Querdenkerin“ und organisiert regelmäßig Demonstrationen in Berlin. Rund um den Jahreswechsel sind diese jedoch verboten worden.© RETO KLAR/FFS

Monica Felgendreher kämpft gegen die „Corona-Diktatur“. Sie ist eine „Querdenkerin“. Eine wichtige „Querdenkerin“. Denn der Gründer und Mastermind der Bewegung, der Softwareunternehmer Michael Ballweg, hat Felgendreher und ihren Partner und Mitstreiter, er heißt Christian Reuter, persönlich autorisiert. Ballweg gründete die „Querdenken“-Bewegung in Stuttgart. Felgendreher und Reuter sind die Repräsentanten der Initiative in der Bundeshauptstadt Berlin. So wollte es Michael Ballweg. So wollen es Monica Felgendreher und Christian Reuter.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

"Querdenker": Im Aufzug und auf den Fluren tragen sie Masken

Seit November organisieren die Berliner „Querdenker“ regelmäßig Demonstrationen. Sonnabends treffen sie sich immer auf dem Alexanderplatz. Auf dem Boden ist eingezeichnet, wer wo stehen darf. Doch viele Flächen bleiben leer. Monica Felgendreher sagt: „Wir stehen noch am Anfang.“

Bei einer Versammlung im November steht Monica Felgendreher mit weiteren Mitstreitern auf der Ladefläche eines Lastwagens auf einer improvisierten Bühne. Der Protest der „Querdenker“ stehe in der Tradition der Anti-Atomkraft-Bewegung, sagt eine Frau. Damals habe keine Partei diesen Protest ernst genommen. Deshalb seien die Grünen entstanden. Damals habe niemand über die Bewegung berichtet, behauptet sie. Deshalb sei die Zeitung „taz“ entstanden. Außerhalb des Bereichs, den die Polizei für die Demonstration abgesperrt hat, steht ein Mann mit einem Kinderwagen und schüttelt den Kopf. „Solche Spinner“, sagt er.

Mit dem Reporter der Berliner Morgenpost treffen sich Monica Felgendreher und Christian Reuter zum ersten Mal im Oktober. Im Aufzug und auf den Fluren tragen sie Masken. So war es verabredet. Die Fenster bleiben während des Gesprächs geöffnet. Die Atmosphäre ist entspannt. Aber es ist kalt.

„Querdenker“-Bewegung - lesen Sie auch:

Monica Felgendreher: Man müsse einiges geraderücken

Auf das Gespräch mit dem Journalisten hätten sie sich eingelassen, weil die Medien zum Thema Corona aus ihrer Sicht „nicht objektiv“ berichteten, sagt Felgendreher. In den Talkshows würden Mediziner abseits des „Mainstreams“ nicht eingeladen. Die Teilnehmerzahlen von Demonstrationen würden heruntergerechnet, „und zwar unisono von der ,taz‘ bis zur ,FAZ‘“. Das sei schon sehr merkwürdig, sagt Felgendreher. In einer Demokratie müsse ja Meinungsfreiheit herrschen. Man müsse einiges geraderücken.

Und das Coronavirus? Ja, das gebe es, sagt Christian Reuter. Es sei aber weniger gefährlich als angenommen. Die Maßnahmen zur

Christian Reuter sagt, dass Coronavirus sei weniger gefährlich als angenommen. Der Lockdown habe nichts an der Kurve der Sterblichkeit geändert.
Christian Reuter sagt, dass Coronavirus sei weniger gefährlich als angenommen. Der Lockdown habe nichts an der Kurve der Sterblichkeit geändert. © Privat

Eindämmung seien nicht verhältnismäßig. Die Kurve der Sterbefälle sei überall gleich verlaufen, ob mit oder ohne Lockdown. Und die vielen Toten im italienischen Bergamo? Dort hätten besonders viele ältere Menschen gewohnt, sagt Reuter. In der Region habe es zu wenige Intensivbetten gegeben. Und: In genau dieser Region habe es eine Welle von Impfungen gegen Meningokokken gegeben. Sie seien ja keine Wissenschaftler, sagt Christian Reuter. „Aber die Kreuzreaktionen müssten mal überprüft werden.“

Initiator Ballweg: Zunächst keine Großdemonstrationen mehr

Über die Bewegung der „Querdenker“ ist in den vergangenen Wochen und Monaten viel geschrieben worden. Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg erklärte die in Stuttgart gegründete Initiative zum Beobachtungsobjekt. Der Nachrichtendienst kann die Anhänger der dortigen Gruppe nun auch mit V-Leuten ausspähen. Der Initiator, Michael Ballweg, kündigte erst kürzlich an, zunächst keine Großdemonstrationen mehr anzumelden. Doch Beobachter glauben, dass andere „Querdenker“ Ballweg ersetzen könnten. Der Kapitän verlasse die Brücke, heißt es. Doch für eine Vollbremsung habe der Protestdampfer aus Stuttgart längst zu viel Fahrt aufgenommen.

„Querdenken 711“ wurde vom Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg gegründet.
„Querdenken 711“ wurde vom Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg gegründet.© dpa | Sebastian Gollnow

Aktivisten aus Berlin spielen kaum eine Rolle

Die Berliner Gruppe der „Querdenker“ dümpelte dagegen bisher vor sich hin. Die Großkundgebungen im Regierungsviertel und auf der Straße des 17. Juni hatten die Stuttgarter organisiert. Die Berliner Gruppen waren dagegen zerstritten. Ausgerechnet die Aktivisten aus der Hauptstadt spielten in der bundesweiten Protestbewegung kaum eine Rolle.

Zum Jahreswechsel hätte sich das ändern sollen. Denn das Team um Monica Felgendreher und Christian Reuter hatten für den 30. Dezember zu einer Großdemonstration aufgerufen. Bei der Versammlungsbehörde meldeten sie 22.500 Teilnehmer auf der Straße des 17. Juni an. Champagnerflaschen und Protestplakate gegen die Corona-Auflagen, im Hintergrund wäre das Brandenburger Tor zu sehen gewesen. Felgendreher und Reuter wären in eine neue Liga aufgestiegen. Sie hätten im Zentrum gestanden. Im Zentrum des Widerstandes. „Wir freuen uns auf Euch“, sagte Monica Felgendreher in einem Mobilisierungsvideo. „Kommt nach Berlin und feiert mit uns.“

Doch die Versammlungsbehörde der Polizei verbot die Demonstration. Der Infektionsschutz könne nicht gewährleistet werden. Das hätten vorangegangene Versammlungen der „Querdenken“-Bewegung gezeigt.

Monica Felgendreher sieht sich in ihrem Misstrauen bestätigt

Monica Felgendreher sieht sich durch das Verbot in ihrem Misstrauen gegenüber dem Staat bestätigt. Sie hätten ein strenges Hygienekonzept ausgearbeitet, sagt sie. Das Verbot zeuge von Misstrauen gegenüber der Bevölkerung und einem „antidemokratischem Denken“. Auch persönlich ist das Verbot für Monica Felgendreher ein schwerer Rückschlag. Der Protest gegen die Corona-Politik ist für sie zum Fulltime-Job geworden.

Absehbar war das nicht. Ein halbes Jahr, bevor sie im November für das Foto am Brandenburger Tor vor den Wasserwerfern posiert, sind sie und ihr Partner und Mitstreiter Christian Reuter einige Tage auf Usedom. Das Paar sucht Erholung, will Energie tanken. In den Medien kursieren bereits damals Berichte über ein geheimnisvolles Virus. Aber das betrifft China. Und China ist weit weg.

Dann kommt das Virus nach Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten verkünden, dass auch in Deutschland fast alle Geschäfte schließen müssen. Die Menschen sollen ihre Kontakte einschränken.

Monica Felgendreher und Christian Reuter nehmen den ersten Lockdown hin. Zumindest am Anfang. „Wir haben auch den Podcast von Christian Drosten gehört“, sagt Monica Felgendreher.

Bekannte empfehlen ihnen einige Videos

Dann beginnt ihr Weg in den Widerstand. Bekannte empfehlen ihnen einige Videos. Die stammen nicht von Christian Drosten. Sie stammen auch nicht von Lothar Wieler, dem Chef des Robert-Koch-Institutes (RKI). Sie stammen auch nicht von Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie stammen von Menschen wie Wolfgang Wodarg.

Wodarg ist studierter Mediziner. Er arbeitete als Hafenarzt, seine Doktorarbeit schrieb er über „Psychische Krankheiten der Seeleute“. Später absolvierte er eine Fortbildung zum Lungenfacharzt. Er unterrichtete an einer Fachhochschule in Flensburg, dozierte an der Berliner Charité. Von 1999 bis 2005 gehörte er für die SPD dem Deutschen Bundestag an.

Wolfgang Wodarg zweifelt die Daten des RKI an

Auf seiner Internetseite schreibt Wodarg: „Viren sind nicht das Problem.“ Er zweifelt die Daten des RKI an. Er ruft dazu auf, eine Petition zum Verbot sämtlicher Studien für einen Corona-Impfstoff zu unterschreiben. Die Fachwelt hat sich von Wodargs Corona-Thesen längst distanziert. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet sie als „Räuberpistole“.

Auf „Querdenker“-Demonstrationen fällt der Name Wodarg immer wieder. Monica Felgendreher fragt: „Warum wird Wolfgang Wodarg nicht in Talkshows eingeladen?“

Politisch aktiv sei sie aber eigentlich nie gewesen

Monica Felgendreher ist eigentlich Malerin. Sie hat immer die Grünen gewählt, legt Wert auf gesunde Ernährung. Politisch aktiv sei sie aber eigentlich nie gewesen, sagt sie. Fragt man sie, wie sie den ersten Lockdown empfunden habe, geht Felgendreher zurück in die Vergangenheit - und erzählt von ihrem Sohn. Er sei vor acht Jahren an einem Hirntumor gestorben, sagt sie. Nur drei Wochen nach seinem neunten Geburtstag. „Das hat mich komplett aus der Bahn geworfen.“

Nach dem Tod ihres Sohnes beginnt Monica Felgendreher mit einer Therapie. Sie befasst sich mit Spiritualität. Dann findet sie eine Medizin, die ihr den Weg aus der Krise ebnet. Sie tanzt. In dem Kurs findet sie ihre Lebensfreude wieder. Hier lernt sie ihren Partner Christian Reuter kennen. Die Trauer bleibt. Doch es gibt Hoffnung. Das Leben scheint wieder lebenswert zu sein.

Dann kommt der Lockdown. Mit dem Tanzen ist es vorbei. Der Staat verbietet es. Ihr Kind war an Krebs gestorben, jener tückischen Krankheit, die Jahr für Jahr unzählige Menschen tötet. Und nun soll sie wegen eines Virus zu Hause bleiben, von dem die meisten nie gehört haben und das doch wohl kaum gefährlicher sein kann als eine saisonale Grippe. Am Anfang hätten sie alles mitgemacht, sagt Monica Felgendreher. „Aber dann haben wir selbst recherchiert.“

Sie sehen die Dinge anders als Christian Drosten

Sie entdecken Erstaunliches. Da gibt es die Seiten von Wolfgang Wodarg. Da gibt es Videos eines einstigen Hochschulprofessors namens Sucharit Bhakdi. Sie sehen die Dinge anders als Christian Drosten und Lothar Wieler. In den „Mainstream-Medien“ kommen sie aber trotzdem nicht zu Wort.

Auf die Idee, dass Zeitungen und Fernsehsender eine Auswahl treffen müssen und dass nicht alle selbst ernannten Experten eine Plattform bekommen sollten, wenn ihre Thesen von fast allen anderen Fachleuten als irreführend oder falsch widerlegt werden, kommen Felgendreher und Reuter nicht. Sie vermuten eine Agenda. Sie recherchieren weiter.

Sie entdecken noch mehr Erstaunliches. Da sind Berichte über das Kohlendioxid, das man beim Tragen einer Atemschutzmaske einatme. Da sind Berichte, dass der Chef der Weltgesundheitsorganisation zuvor eine Organisation geleitet habe, die als Terrorvereinigung eingestuft gewesen sei. Monica Felgendreher hat sich vieles auf einem Zettel notiert. „Das ist ja alles hochinteressant“, sagt sie. Und: „Es ist ja wie ein Labyrinth.“

Es gibt Brüche und Leerstellen

Die Erzählung von der versteckten Agenda, für die Monica Felgendreher und Christian Reuter mehr und mehr Hinweise zu finden meinen, ist nicht konsistent. Es gibt Brüche und Leerstellen, Fragen, die unbeantwortet bleiben. Zusammenfassen lässt sich diese Agenda etwa so: Der Impfstoff ist das neue Öl dieser Zeit. Die Pharmaindustrie will dieses Öl verkaufen. Sie will Angst schüren, diese Pharmaindustrie. Und sie ist mächtig. „Von Bill Gates will ich da gar nicht reden“, sagt Monica Felgendreher.

Und die Politiker machen mit. Sie wollen Macht. Immer mehr Macht. Die vermeintliche Pandemie kommt ihnen gerade recht. Sie schaffen die Grundrechte ab. Die Volksvertreter entmündigen sich. Der Bundestag verabschiedet ein „Ermächtigungsgesetz“. Christian Reuter sagt: „Da gibt es schon Parallelen.“ Und: „Die Demokratie funktioniert nicht mehr.“

In der ARD oder im ZDF, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ oder der „Süddeutschen Zeitung“ finden Monica Felgendreher und Christian Reuter nichts von ihren Gedanken. Denn auch die Medien sind gleichgeschaltet. Monica Felgendreher sagt: „Die Medien berichten nicht mehr objektiv. Und das ist keine Verschwörungstheorie.“

Personen gelangen auf die Treppe vor dem Reichstagsgebäude

Die Berichte in den Medien beobachten Felgendreher und Reuter sehr genau. Monica Felgendreher erinnert an die Corona-Proteste Ende August. In der Berliner Innenstadt folgen damals mehrere Zehntausend Menschen einem Aufruf der Stuttgarter „Querdenken“-Initiative. Für Schlagzeilen sorgen aber vor allem einige 100 Personen. Sie durchbrechen die Polizei-Absperrungen und gelangen auf die Treppen vor dem Reichstagsgebäude. Viele schwenken Reichskriegs-Flaggen. Es sind Teilnehmer einer Reichsbürger-Kundgebung. In den Medien entsteht aber der Eindruck, die Absperrungen seien von „Querdenkern“ durchbrochen worden.

Drei Polizisten sicherten zwischenzeitlich den Haupteingang des Reichstag vor heranstürmenden Demonstranten, viele davon mit rechtsextremer Gesinnung.
Drei Polizisten sicherten zwischenzeitlich den Haupteingang des Reichstag vor heranstürmenden Demonstranten, viele davon mit rechtsextremer Gesinnung.© dpa | Fabian Sommer

Christian Reuter und Monica Felgendreher registrieren solche Ungenauigkeiten in der Berichterstattung sehr genau. Für sie sind es aber keine Ungenauigkeiten, sondern bewusste Manipulationen.

„Wir stellen bloß die Frage der Verhältnismäßigkeit"

Ganz bewusst, so glauben sie, würden sie auch als „Corona-Leugner“ bezeichnet. „Dabei leugnen wir nicht, dass es das Virus gibt“, sagt Christian Reuter. „Wir stellen bloß die Frage der Verhältnismäßigkeit.“ Sie seien auch nicht rechtsextrem. Monica Felgendreher sagt, sie sei „die grünste Pflanze auf Erden“. Christian Reuter sagt, als Jugendlicher habe Joschka Fischer ihn fasziniert. AfD-Politiker würden sie bei ihren Veranstaltungen niemals das Mikrofon überlassen.

Rechtsextremisten würden zwar tatsächlich versuchen, die Bewegung zu unterwandern, sagt Monica Felgendreher. „Die können aber auch eingeschleust worden sein.“ Das müsse man sich mal vorstellen. Die Medien würden das natürlich verschweigen.

Ein Plakat mit einem Bild von John Lennon

Anfang Dezember statten Monica Felgendreher und Christian Reuter den Medien einen Besuch ab. Sie wollen deutlich machen, dass sie weder „Corona-Leugner“ noch Nazis sind. Sie wollen, dass die Medien wieder ihre Rolle als Kontrollinstanz wahrnehmen. „Das funktioniert nicht so, wie es funktionieren sollte“, sagt Christian Reuter.

Der „Medienmarsch“ startet vor dem Hauptstadtstudio des ZDF an der Straße Unter den Linden. Es versammeln sich nicht einmal 100 Teilnehmer. Monica Felgendreher steht auf einem Lastwagen. An ihrer Jacke prangt ein Button mit einer Friedenstaube. Neben ihr hängt ein Plakat mit einem Bild von John Lennon. Auf einem weiteren Plakat ist ein durchgestrichenes Hakenkreuz zu sehen.

Monica Felgendreher sagt, sie seien Demokraten. „Wir möchten der Spaltung der Gesellschaft etwas entgegensetzen.“ Dann sagt sie: „Die wahren Faschisten sitzen im Bundestag.“ Wenn Journalisten sich zu „Hofberichterstattern der Regierung“ degradierten, seien auch sie „Faschisten“. Wie sie mit den Diffamierungen die Spaltung der Gesellschaft überwinden will, sagt Felgendreher nicht.

Demonstrationszug stoppt an der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe

In der Friedrichstraße stoppt der Demonstrationszug an der Zentralredaktion der Funke Mediengruppe, zu der auch die Berliner Morgenpost gehört. Felgendreher hat sich auf den Halt vorbereitet. Sie hat schon wieder etwas entdeckt, vermutlich im Internet. Der Ehemann des Gesundheitsministers sei ja Daniel Funke. Als „Abkömmling“ sei er der Funke Mediengruppe eng verbunden. Das sei ja hochinteressant.

Corona-Schweigemarsch in Berlin - die Bilder

"Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung.
"Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
„Freiheit Demokratie“ steht auf einem Kreuz aus Pappe, das die Teilnehmerin einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, auf der Bornholmer Straße trägt.
„Freiheit Demokratie“ steht auf einem Kreuz aus Pappe, das die Teilnehmerin einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, auf der Bornholmer Straße trägt. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Zahlreiche Teilnehmer des Protestzugs gegen Corona-Politik, der als "Schweigemarsch" bezeichnet wird, gehen über die Bornholmer Straße.
Zahlreiche Teilnehmer des Protestzugs gegen Corona-Politik, der als "Schweigemarsch" bezeichnet wird, gehen über die Bornholmer Straße. © dpa | Annette Riedl
Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, haben sich an der Bornholmer Brücke versammelt.
Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, haben sich an der Bornholmer Brücke versammelt. © dpa | Annette Riedl
Zahlreiche Teilnehmer des Protestzugs gegen Corona-Politik, der als "Schweigemarsch" bezeichnet wird, gehen die Bornholmer Straße entlang.
Zahlreiche Teilnehmer des Protestzugs gegen Corona-Politik, der als "Schweigemarsch" bezeichnet wird, gehen die Bornholmer Straße entlang. © dpa | Fabian Sommer
Ein Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, steht mit einem Netz als Mund-Nasen-Bedeckung auf der Bornholmer Brücke.
Ein Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, steht mit einem Netz als Mund-Nasen-Bedeckung auf der Bornholmer Brücke. © dpa | Annette Riedl
Demonstranten, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht, halten ein Schild mit der Aufschrift "Schämt Euch!"
Demonstranten, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht, halten ein Schild mit der Aufschrift "Schämt Euch!" © dpa | Fabian Sommer
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt.
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt.
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Polizisten lösen eine Sitzblockade von Demonstranten auf, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht.
Polizisten lösen eine Sitzblockade von Demonstranten auf, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht. © dpa | Paul Zinken
Polizisten lösen eine Sitzblockade von Demonstranten auf, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht.
Polizisten lösen eine Sitzblockade von Demonstranten auf, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht. © dpa | Paul Zinken
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt.
Gegendemonstranten werden von der Polizei aus dem Weg des "Schweigemarsches" von Gegnern der Corona-Verordnung geräumt. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
„Man marschiert nicht mit Nazis! Egal (Wendler-Voice) aus welchem Grund! Niemals!!!“ steht auf einem Schild am Rande des als «Schweigemarsch» bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik.
„Man marschiert nicht mit Nazis! Egal (Wendler-Voice) aus welchem Grund! Niemals!!!“ steht auf einem Schild am Rande des als «Schweigemarsch» bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung.
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
22.11.2020, Berlin: Aufgeheizte Stimmung an der Danziger Strasse Ecke Prenzlauer Allee - hier treffen die Teilnehmer des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik und die Gegendemonstranten aufeinander.
22.11.2020, Berlin: Aufgeheizte Stimmung an der Danziger Strasse Ecke Prenzlauer Allee - hier treffen die Teilnehmer des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik und die Gegendemonstranten aufeinander.© dpa | Annette Riedl
22.11.2020, Berlin: Aufgeheizte Stimmung an der Danziger Strasse Ecke Prenzlauer Allee - hier treffen die Teilnehmer des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik und die Gegendemonstranten aufeinander.
22.11.2020, Berlin: Aufgeheizte Stimmung an der Danziger Strasse Ecke Prenzlauer Allee - hier treffen die Teilnehmer des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik und die Gegendemonstranten aufeinander. © dpa | Annette Riedl
An einem Balkon hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Kein Platz für Coronaleugner & Nazis“
An einem Balkon hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Kein Platz für Coronaleugner & Nazis“© AFP | Tobias Schwarz
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung.
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung.
Gegendemonstranten begleiten den "Schweigemarsch" von Gegnern der Corona-Verordnung. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Teilnehmerinnen des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik zeigen mit ihren Händen ein Herz als Reaktion auf die "Mittelfinger" der Gegendemonstranten.
Teilnehmerinnen des als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzugs gegen die Corona-Politik zeigen mit ihren Händen ein Herz als Reaktion auf die "Mittelfinger" der Gegendemonstranten. © dpa | Annette Riedl
 "Dunkle Mächte stehn am Rand.." steht auf einem Schild von Demonstranten, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht.
"Dunkle Mächte stehn am Rand.." steht auf einem Schild von Demonstranten, die gegen den als "Schweigemarsch" bezeichneten Protestzug gegen die Corona-Politik protestieren, der auf der Bornholmer Straße entlangzieht. © dpa | Annette Riedl
Gegendemonstranten stehen an der Strecke des Schweigemarsches
Gegendemonstranten stehen an der Strecke des Schweigemarsches© AFP | Tobias Schwarz
"Abstand" steht auf der Anzeige eines Polizeifahrzeuges auf der Bornholmer Brücke. Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, haben sich auf der Brücke versammelt.
"Abstand" steht auf der Anzeige eines Polizeifahrzeuges auf der Bornholmer Brücke. Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration, die als "Schweigemarsch" bezeichnet wird und sich gegen die Corona-Politik der Bundesregierung richtet, haben sich auf der Brücke versammelt. © dpa | Annette Riedl

Ein Mitstreiter der Initiative, er trägt einen quietschgelben Umhang, eine gelbe Zorro-Maske und nennt sich „Captain Future“, übergibt dem Chefredakteur der Funke-Zentralredaktion, Jörg Quoos, eine Erklärung. Quoos merkt an, dass Daniel Funke nichts mit der Funke Mediengruppe zu tun hat. Captain Future sagt: „Echt?“ Monica Felgendreher sagt vom Lautsprecherwagen: „Das ist doch toll. Da haben wir wieder etwas zum Recherchieren.“

Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Mediengruppe, spricht mit Teilnehmern der Demonstration der Gruppe "Querdenken30".
Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Mediengruppe, spricht mit Teilnehmern der Demonstration der Gruppe "Querdenken30".© dpa | Kira Hofmann

Die Zahl der Menschen, die wegen oder mit dem Coronavirus gestorben sind, ist mittlerweile auf mehr als 34.000 gestiegen. Die Kliniken sind überlastet. Mediziner warnen, dass sie womöglich bald entscheiden müssen, welche Patienten sie beatmen und welche sie sterben lassen müssen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft dazu auf, im Kampf gegen das Coronavirus nicht nachzulassen. Sie warnt auch vor Verschwörungsideologien. Das „übliche Argumentieren“ helfe bei deren Anhängern nicht weiter, sagt Merkel. „Das wird vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein.“

„Querdenken“-Bewegung: „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst!“

Monica Felgendreher glaubt nicht, dass sie zu einem Psychologen muss. „Ich argumentiere immer mit Fakten“, sagt sie. Dann zitiert sie den Grundsatz der „Querdenken“-Bewegung: „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst!“ Kritisches Denken sei in einer Demokratie ja ganz wichtig. „Aber die Logik ist in Corona-Zeiten irgendwie ausgesetzt.“ Dann schaut sie wieder auf ihren Zettel und berichtet, was sie so alles im Internet recherchiert hat. Das muss man sich mal vorstellen.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa führte zu den Corona-Auflagen des zweiten Lockdown kurz nach dem Inkrafttreten der Auflagen übrigens eine Umfrage durch. 63 Prozent der Befragten befürworteten die Einschränkungen. 22 Prozent meinten, die Maßnahmen hätten noch strenger sein müssen.