Ein paar Klicks, und schon scheint der große Gewinn zum Greifen nah. Immer mehr Menschen in Griechenland versuchen ihr Glück auf Online-Plattformen. Aber das Angebot wird immer unübersichtlicher: Neben den legalen Glücksspiel-Anbietern, die eine Konzession der staatlichen Aufsichtsbehörde HGC besitzen, gibt es in Griechenland einen wachsenden Schwarzmarkt. Wer bei diesen illegalen Anbietern zockt, riskiert weit mehr als den Verlust seines Einsatzes. Den Spielern droht nicht nur die Beschlagnahme eventueller Gewinne, sie müssen auch mit bis zu zwei Jahren Haft rechnen. Das sieht das im Juni in Kraft getretene Gesetz 5313/2026 vor. Es verschärft die Strafen für Anbieter illegaler Glücksspiele, nimmt aber auch die Spieler aufs Korn.

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Nicht nur die Betreiber nicht genehmigter Glücksspielportale kommen ins Visier der Behörden. Die HGC durchforstet jetzt Websites, analysiert Zahlungsströme und belangt Influencer, die Spieler gezielt auf illegale Glücksspiel-Plattformen locken.

Griechenland: Influencer bewerben illegale Glücksspielseiten und riskieren hohe Strafen

Für Aufsehen sorgen aktuell in Griechenland Ermittlungsverfahren gegen 18 Social-Media-Persönlichkeiten. Darunter sind Künstler, Models und TV‑Moderatoren. Sie sollen für elf nichtlizenzierte Websites geworben haben. Die Influencer erreichten mit ihren Instagram-Konten zusammen 3,6 Millionen Follower. Ihnen drohen jetzt wegen unerlaubter Werbung für illegale Glücksspielangebote Bußgelder von 500 bis 50.000 Euro – pro Verstoß.

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„Das Internet ist kein Dschungel“, sagt Wirtschafts- und Finanzminister Kyriakos Pierrakakis. Einfluss bedeute auch Verantwortung, ermahnt er die Influencer. Popularität gewähre keine Immunität, warnt der Minister. Auf der schwarzen Liste der Regulierungsbehörde HGC stehen bereits knapp 15.000 gesperrte Internetadressen. Aber ständig tauchen neue auf. Die HGC hat deshalb jetzt ihre Taskforce für die Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels mit 40 Spezialisten für Cyberkriminalität verstärkt.

KI jagt illegale Glücksspiel-Betreiber im Netz

Bei der Fahndung nach den Betreibern der illegalen Glücksspiele und ihren Komplizen spielt KI eine Schlüsselrolle: Sie durchsucht 24 Stunden am Tag Streaming-Portale sowie Hunderttausende von Posts in den sozialen Medien nach Werbung und Links, die zu diesen Plattformen führen. Das System sammelt und analysiert Daten eigenständig, bewertet das Gefahrenpotenzial und sichert Beweise.

Die Griechinnen und Griechen gelten schon seit der Antike als leidenschaftliche Spieler. Mit Würfeln und Sportwetten huldigten sie der Tyche, der Göttin des Glücksspiels und des Schicksals. Auch im heutigen Hellas floriert das Glücksspiel. Laut einer Umfrage beteiligen sich 23 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Monat an Glücksspielen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 9,8 Prozent. Acht Prozent der Griechinnen und Griechen spielen sogar „fast täglich“. Die Spieleinsätze auf dem regulären Markt beliefen sich vergangenes Jahr auf 16,73 Milliarden Euro. Das waren fast sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Illegales Glücksspiel kostet Griechenland 600 Millionen Euro Steuern

Hinzu kommt der Schwarzmarkt. Laut Erhebungen der Behörde haben im vergangenen Jahr rund 900.000 Menschen mindestens einmal auf einer illegalen Plattform gespielt. Das entspricht zehn Prozent der über 16‑Jährigen. Dem griechischen Staat entgingen dadurch Steuern von rund 600 Millionen Euro.

Hier schließt sich allerdings ein Kreis: Der Boom des illegalen Glücksspiels ist auch das Ergebnis der Steuerpolitik des Finanzministers. Er hat die ohnehin hohe Steuerbelastung für Anbieter und Kunden legaler Online-Casinos zum 1. Juli dieses Jahres noch einmal drastisch erhöht.

Die Betreiber der Online-Portale zahlen in Griechenland 35 Prozent des Bruttospielertrages an den Fiskus. Das ist eine der höchsten Glücksspielabgaben Europas. Anders als in Deutschland oder Österreich müssen in Griechenland aber auch die Spieler ihre Gewinne versteuern. Lediglich Beträge von bis zu 100 Euro sind steuerfrei. Alles darüber besteuerte der Fiskus bisher mit 20 Prozent. Seit Juli ist der Satz auf 30 Prozent gestiegen.

Griechenland gehört damit zu den wenigen europäischen Ländern, die eine ohnehin extrem hohe Besteuerung der Glücksspiel-Anbieter mit einer direkten Besteuerung der Spielergewinne kombinieren.

Spieler weichen wegen hoher Steuern auf illegale Anbieter aus

Der Staat kalkuliert infolge der jüngsten Erhöhungen mit zusätzlichen Einnahmen von 100 Millionen Euro pro Jahr. Aber je stärker Finanzminister Pierrakakis an der Glücksspiel-Steuerschraube dreht, desto größer wird die Gefahr, dass Anbieter und Spieler in die Illegalität abtauchen.

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Das bestätigt auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Peloponnes. Legale Angebote würden wegen der hohen Steuern für Spieler zunehmend unattraktiv, heißt es in der Studie. Unlizenzierte Plattformen nutzen internationale Zahlungsdienstleister und Firmensitze im Ausland, damit Finanztransaktionen nicht als Glücksspielaktivitäten erkannt werden können. Überdies locken die illegalen Anbieter mit einer unkomplizierten Zahlungsabwicklung und verzichten auf Vorgaben zum Spielerschutz. Das ist problematisch wegen der damit verbundenen Gefahren für vulnerable Personen wie Minderjährige. Die Verfasser der Studie warnen deshalb eindringlich vor einer drohenden Massenabwanderung von Spielern in den unregulierten Schwarzmarkt: Der Untersuchung zufolge erwägen drei von vier Online-Spielern, wegen der hohen Steuern in den illegalen Markt zu wechseln.