• Am 1. Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot
  • Damit soll es einfacher werden, privat für die Rente vorzusorgen
  • ING-Chef Lars Stoy erklärt, warum günstige Gebühren allein nicht reichen

Die Rente gilt gemeinhin als eher langweiliges Thema. Doch das geplante Altersvorsorgedepot elektrisiert. Schon vor dem Start am 1. Januar 2027 liefern sich zahlreiche Banken einen echten Preiskampf – Online-Broker und Digitalbanken. Sogar die Deutsche Bank mischt mit. Lars Stoy, Deutschland-Chef der ING, wundert das nicht.

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„Der Preiswettbewerb schon vor dem Start zeigt, dass der Staat mit dem Altersvorsorgedepot einiges richtig gemacht hat“, sagt der Bankmanager. Es sei „eine große Chance für die deutschen Bürgerinnen und Bürger und somit auch für die Finanzdienstleistungsbranche“. Und nicht nur das: „Viele Europäer schauen gerade auf Deutschland. Wenn das Altersvorsorgedepot funktioniert, kann das etwas sein, das andere Länder kopieren“, findet er.

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Altersvorsorgedepot soll Rente mit staatlichen Zuschüssen stützen

In Deutschland gehen in den kommenden Jahren die besonders geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Gleichzeitig sinkt die Zahl derer, die in die Rentenversicherung einzahlen. Die Rente, so sieht es aus, ist in einigen Jahren nicht mehr sicher. Die Bundesbürger sollen deshalb verstärkt zusätzlich selbst vorsorgen. Der Staat unterstützt mit Zuschüssen, seit 2002 über die sogenannte Riester-Rente.

Das Angebot galt als zu kompliziert und zu teuer, deshalb startet zum 1. Januar das Altersvorsorgedepot. Darüber sollen die Deutschen am Kapitalmarkt Geld sparen, zum Beispiel Standardfonds kaufen. Wer 1800 Euro im Jahr anlegt, bekommt bis zu 540 Euro Zulage, dazu kommen Kinderzuschläge. Die Erträge sind bis zur Rente steuerfrei, müssen erst bei Entnahme im Alter versteuert werden. Langfristig waren am Kapitalmarkt in der Vergangenheit im Schnitt sechs bis acht Prozent Rendite jährlich möglich.

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Altersvorsorgedepot: Anbieter sehen Markt als attraktiv

„Die Anbieter schätzen den Markt als sehr attraktiv ein. Deshalb versuchen einige, über einen sehr günstigen Preis zu punkten“, erklärt Stoy. Manche Anbieter wollen die Depotgebühren erlassen, andere bieten Rabatte in den ersten Jahren. „Aber der Preis ist nicht alles. Gerade bei einem Produkt, das 20 oder 30 Jahre läuft, geht es um die konkrete Ausgestaltung und Vertrauen. Und das Kundenerlebnis muss passen.“

Die ING, mit zehn Millionen Privatkunden eine der größten Banken in Deutschland, bereitet ihr Angebot gerade vor. Die klassischen Depot- und Anlageangebote passten aber nur in Teilen zum recht standardisierten Altersvorsorgedepot. Stoy sagt, dass viele Prozesse zwar schon bestehen würden. Aber die Förderung beispielsweise sei bisher technisch nicht abgebildet gewesen. „Das muss erst entwickelt werden“, so der Bankenchef. „Wir investieren kräftig.“

Das machen andere Anbieter auch. Die Liste ist lang und reicht zum Beispiel von Online-Brokern wie Trade Republic oder Scalable Capital über Traditionsbanken wie die Deutsche Bank, die Sparkassen bis zu klassischen Versicherern wie die Allianz, die Barmenia Gothaer oder die HUK-Coburg. Alle Anbieter liefern sich gerade ein Rennen um die besten Angebote.

Es sollte auch ein staatliches Angebot geben, das sich etwa an die Sparer wendet, die ihre Altersvorsorge nicht in die Hände privater Finanzdienstleister legen wollen. Doch die Entwicklung eines solchen Produktes verzögerte sich. Die Einführung lässt sich bis zum Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar eigentlich nicht mehr halten.

Zuletzt berichteten mehrere Medien, dass das Angebot vielleicht gar nicht mehr kommt. Das Ministerium von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) prüfe noch, ob und wie sich das Vorhaben realisieren lasse. In den Berichten wird auf eine Stellungnahme des Finanzministeriums verwiesen, in der es heißt, dass es bisher keine Behörde mit den dafür notwendigen Verwaltungsstrukturen gebe. Und darüber hinaus würden hohe europarechtliche Hürden bestehen.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnte zuletzt vor „Mogelpackungen“ bei den Angeboten. Es brauche maximale Transparenz, dauerhaft niedrige Kosten und klare Regeln, damit günstige Einstiegskonditionen nicht später durch deutlich höhere Gebühren aufgezehrt würden, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier unserer Redaktion.

Altersvorsorge: Viele Deutsche meiden den Kapitalmarkt

Doch das beste Angebot nutzt nichts, wenn die Deutschen es nicht annehmen. Das Altersvorsorgedepot ist freiwillig. Auch wenn Kunden von Digitalbanken oft etwas börsenaffiner sind, halten sich die Bundesbürger mehrheitlich am Kapitalmarkt zurück, setzen gern auf Tages- oder Festgeld, das recht geringen Ertrag, dafür aber Sicherheit bietet.

Jede Geldanlage habe ihre Berechtigung für einen bestimmten Zweck, sagt Stoy. „Manchmal fehlt es in Deutschland aber noch an der richtigen Mischung. Nur ein Sparbuch ist zu einseitig. Der Kapitalmarkt birgt Risiken, historisch gesehen hat er allerdings immer bessere Rendite gebracht.“

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Mehr Finanzbildung: Chancen durch Altersvorsorgedepot

Womöglich fehlen den Deutschen Finanzkenntnisse. Auch hier bieten das Altersvorsorgedepot und der Preiskampf Chancen. Denn die Menschen reden jetzt über das Thema. Grundsätzlich, darüber sind sich Bundesregierung, Renten- und Bankexperten einig, sollten die Menschen mehr wissen. Nur wer in Grundzügen versteht, was Einnahmen und Ausgaben, Aktien und Zinsen sind, wird selbst durchdachter anlegen.

„Das Strategiepapier der Bundesregierung für mehr Finanzbildung ist der richtige Weg“, sagt Stoy. „Aber es darf gern etwas konkreter sein. Was wollen wir erreichen? Wie wollen wir es erreichen? Denn tatsächlich gibt es bisher keine Strategie zur Finanzbildung, sondern Ansätze, private Initiativen und Doppelarbeit.“ Alles einmal zu bündeln, werde schon einen großen Unterschied machen.

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Top-Manager: Regierung könnte bei Rentenreform weitergehen

Das Altersvorsorgedepot lobt der Manager. Aber die Bundesregierung könnte aus seiner Sicht noch weitergehen beim Umbau der Rente. „Es ist wichtig, dass die Regierung das Altersvorsorgedepot durchgesetzt hat. Jetzt brauchen wir noch die Reform der gesetzlichen und auch der betrieblichen Rente, um die Altersvorsorge für die Zukunft fit zu machen.“

Mindestens an der gesetzlichen Rente soll sich etwas ändern. Was genau, wird gerade heftig diskutiert. Das vorgesehene Reformpaket wird womöglich wieder aufgeschnürt. Alexander Schweitzer (SPD), der das Arbeits- und Sozialministerium von Bärbel Bas (SPD) übernimmt, hat einiges vor sich. (mit mark)