Mit dem auf dem Hausdach produzierten Strom die eigenen vier Wände heizen oder das Auto günstig aufladen – wer sich eine Photovoltaikanlage installieren lässt, möchte häufig möglichst autark leben. Aber kann es in der Praxis gelingen, den eigenen Alltag mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien zu bestreiten? Um diese Frage drehte sich der dritte Teil der Webinarreihe „Die Energieschmiede“, eine Kooperation des WWF Deutschlands mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe, zu der auch diese Redaktion gehört. „Die Energiewende ist schon heute im Alltag überall spürbar“, sagte Sebastian Breer, WWF-Experte für energetische Themen im Gebäudesektor.

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Oft stehen Verbraucherinnen und Verbraucher am Anfang einer klimafreundlichen Umrüstung vor der Frage: Rechnet sich die teure Anschaffung überhaupt? „Energiewendetechniken sind zwar häufig ein bisschen teurer in der Anschaffung, jedoch insgesamt deutlich günstiger, wenn man es über die gesamte Laufzeit betrachtet“, sagte Jasmin Schwarz, Referentin für Politik beim Ökostromanbieter Ocotpus Energy, die als Expertin zu Gast war. Was aber heißt das konkret? Fünf Anwendungsfälle im Check.
Photovoltaikanlage
„Man braucht keine Photovoltaik-Anlage, damit sich etwa Wärmepumpen oder E-Autos rechnen. Sie sind auch sinnvoll, wenn man kein geeignet Dach für eine Photovoltaik-Anlage hat“, sagte Schwarz. Aber: „Photovoltaikanlagen können helfen, die Kosten weiter zu senken.“ Die Anschaffungskosten für eine Photovoltaikanlage variieren je nach Größe und Anlagenleistung. Kleine Anlagen mit unter 5 Kilowatt Peak (kWp) liegen im mittleren Preis netto, ohne Speicher, aber mit Montage bei 13.500 Euro, hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen errechnet. Für große Anlagen mit mehr als 20 kWp werden dagegen im Mittel 34.610 Euro fällig. Klassischerweise ist auf dem Einfamilienhaus aber eine Anlage zwischen 5 und 10 kWp installiert – die mittleren Kosten liegen hier laut Verbraucherzentrale zwischen 14.130 und 16.680 Euro.

Auch Mieter haben ohne Photovoltaikanlage auf dem Dach die Möglichkeit, am Solarstrom zu partizipieren. Preisgünstig geht das mit einem Balkonkraftwerk. Mittlerweile sind die Anmeldungen für Anlagen mit bis zu 800 Watt beim Netzbetreiber stark vereinfacht, Vermieter brauchen triftige Gründe, um ein Veto einlegen zu können. Balkonkraftwerke, auch Stecker-Solargeräte genannt, sind deutlich günstiger als Photovoltaikanlagen, der Anschaffungspreis liegt meist zwischen 300 und 1200 Euro. Die Verbraucherzentralen taxieren eine Amortisierung der Kosten auf einen Zeitraum von drei bis zehn Jahren. Eine Einspeisevergütung wird bei Balkonkraftwerken nicht gezahlt, entsprechend brauche man keinen separaten Stromzähler, sondern nur einen Wechselrichter, erläuterte Breer.
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Wärmepumpe
Die Wärmepumpe wurde im Zuge der Debatten rund um das Heizungsgesetz der Ampel-Koalition zum emotionalen Thema. „Dass wir in Deutschland so viel über Wärmepumpen reden, ist im europäischen Vergleich etwas Sonderbares, weil sie keine neue Technologie ist“, sagte Breer. In Norwegen etwa seien heute schon pro 1000 Haushalte 635 Wärmepumpen installiert. Deutschland kommt gerade einmal auf einen Wert von 46,84.
Dabei wird die Anschaffung einer Wärmepumpe aktuell noch üppig gefördert. Bis zu 70 Prozent der Anschaffungskosten sind bis zu einem Investitionswert von 30.000 Euro unter gewissen Voraussetzungen förderfähig. Im Durchschnitt würde die Förderung bei 55 Prozent liegen, sagte Octopus-Referentin Schwarz. Allerdings steht die Subvention auf der Kippe. Die schwarz-rote Bundesregierung sucht Geld, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen – und die Union hat die Wärmepumpe ins Visier genommen. Unter anderem hatten Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder und Unions-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn (CDU) die Förderung angezählt.
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„Es ergibt schon Sinn, eher heute als morgen umzusteigen, weil wir wahrscheinlich jetzt die besten Förderkonditionen haben“, zog Schwarz daraus die Konsequenz. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigen wolle, aber nicht die rund 15.000 Euro auf der hohen Kante habe, die selbst mit Förderung für die Anschaffung im Schnitt fällig werden würden, könne über die Förderbank KfW einen zinsgünstigen Kredit nutzen. „Fragen Sie bei Ihrer Hausbank nach“, riet Breer.
Langfristig würden sich die Anschaffungskosten amortisieren. Die RWTH Aachen habe nachgewiesen, dass sich eine Wärmepumpe selbst ohne Fußbodenheizung und mit Radiatoren nach spätestens 13 Jahren rentiere, so Schwarz. Bei einer Fußbodenheizung sei das bereits nach fünf bis sieben Jahren der Fall.
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Elektromobilität
Der Umstieg auf die Elektromobilität fand zuletzt mit angezogener Handbremse statt. Zwar war im Juli fast jedes fünfte neu zugelassene Auto ein E-Auto – doch die KfZ-Händler beklagen ein Zerrbild. „Was statistisch als Erfolg erscheint, ist in der Realität häufig das Ergebnis von Eigenzulassungen durch Hersteller und Händler, Flottengeschäften oder taktischen Maßnahmen – nicht aber von echten Kundennachfragen im Handel“, sagte Thomas Peckruhn, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am Montag.

Ähnlich wie bei der Wärmepumpe sei auch beim E-Auto die Anschaffung oft teuer. „Die Kosten pro Kilometer sind dann aber deutlich günstiger als beim Verbrenner“, sagte Schwarz. Doch schnell wurde im Webinar deutlich, dass der Frust der Verbraucher tief sitzt. Wie kann es sein, dass der Hausstrom 35 Cent pro Kilowattstunde kostet, der Ladesäulenstrom aber bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde, wollte ein Teilnehmer wissen. Ein anderer fragte, warum man eigentlich so viele verschiedene Bezahlkarten brauche und nicht einheitlich per Giro- oder Kreditkarte zahlen könne. „Beim Thema Ladestrom liegt einiges im Argen in Deutschland, da braucht es politische Anpassungen“, stellt auch Schwarz fest.
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Smart Meter
Die intelligenten Stromzähler, Smart Meter genannt, sind ein weiteres Sorgenkind in der Energiewende. Unter zwei Prozent der Haushalte hätten bereits ein Smart Meter installiert, sagte Schwarz. Frankreich, Italien oder Spanien seien bereits viel weiter. „Smart Meter sind das Herzstück für die Energiewende bei sich zu Hause“, betonte die Octopus-Referentin. Mit Smart Metern lässt sich der Verbrauch optimiert steuern. Scheint die Sonne und die Photovoltaikanlage produziert viel Strom, ist die Nutzung elektronischer Geräte in der Zeit „quasi gratis“, fügte Breer an. Auch für ihn sind Smart Meter ein „entscheidender Hebel für die Energiewende bei sich zu Hause.“
Mittlerweile ist der Einbau von Smart Metern unter gewissen Umständen verpflichtend, etwa wenn man eine Photovoltaikanlage mit über 7 kWp installiert oder einen hohen Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr hat. Die Kosten für die Smart Meter variieren je nachdem, ob der Einbau verpflichtend ist oder nicht, erläuterte Schwarz. Bei Pflichteinbauten würden rund 50 Euro im Jahr für das Smart Meter und weitere 50 Euro für die Steuerbox fällig, beim optionalen Einbau komme man in Summe meist schon mit rund 60 Euro weg.

Man könne auch beim Netzanbieter anrufen und den Austausch verlangen, bekräftigten Breer und Schwarz. „Bei einem Pflicht-Einbaufall sollten sie es umsetzen, es kann aber aktuell zu längeren Wartezeiten kommen“, sagte Schwarz. Verbraucher hätten aber auch die Möglichkeit, sich an einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber zu wenden.
Die Sorge vor Sicherheitslücken bei Smart Meter, hält Schwarz für unbegründet: „Die Sicherheitsstandards wurden in Deutschland sehr, sehr hoch gefasst.“ Die Anbieter müssten aufwendige und zeitintensive Zertifizierungsprogramme durchlaufen, alles sei End-zu-End-verschlüsselt. Die hohen Sicherheitsstandards seien auch ein Grund, warum Deutschland bisher hinterherhinke, sagte Schwarz. „Ich denke, wir haben hier in Deutschland eines der sichersten Systeme weltweit.“
Flexible Stromtarife
Je mehr die Umstellung auf elektronisch betriebene Geräte und Fahrzeuge zunimmt, desto höher fallen die Strompreisspitzen aus, etwa wenn am Abend alle ihre E-Autos laden wollen. Abhilfe können flexible Stromtarife nutzen. Octopus-Expertin Schwarz stellte drei Möglichkeiten vor. Bei einem volldynamischen Tarif werde der Börsenstrompreis direkt weitergeleitet. Hier locken Schnäppchen, etwa in der Nacht, wenn Strom wenig nachgefragt wird. Aber: „Man hat das Risiko, dass man Preisschocks ausgesetzt ist, wenn es zu diesen kommt. Hier muss man Chancen und Risiken gut abwägen“, sagte Schwarz.
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Bei zeitfensterbasierten Tarifen sei dieses Risiko nicht gegeben, trotzdem profitiere man von günstigen Strompreisen in nachfrageschwachen Zeiträumen. „Der Preis beträgt in den Niedrigpreisfenstern um die 24 Cent pro Kilowattstunde“, sagte Schwarz.
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Als drittes Modell nannte sie den smarten Ladeservice. Der Service sei für Kunden bequem. Sie könnten ihre Wünsche per App einstellen, etwa dass das E-Auto morgens früh um 8 Uhr zu 80 Prozent geladen sei, und der Anbieter übernehme die Steuerung des Zeitpunkts des Aufladens selbst. „Da man einen Maximalpreis hat, hat man kein Risiko, wenig Aufwand und trotzdem profitiert man von den variablen Kosten“, sagte Schwarz.
Energieschmiede: Letzte Veranstaltung am 2. September
Das Webinar rund um die Erneuerbaren Energien war die dritte von insgesamt vier Veranstaltungen, nachdem es zuvor um die energetische Sanierung und um die Wärmewende gegangen war. Das Abschluss-Webinar findet am 2. September um 18 Uhr statt, hierbei wird es um die Frage gehen, welche Möglichkeiten Mieterinnen und Mieter haben, um an der Energiewende teilzuhaben. Wer sich anmelden möchte, kann das auf wwf.de/energieschmiede tun. Dort und auf dem Youtube-Kanal des WWF finden sich auch alle Aufzeichnungen der bisherigen Webinare.










