Kaum ein anderes politisches Projekt der vergangenen Jahre hat so viel Unruhe, Verunsicherung und sogar Furor ausgelöst wie der Versuch der Ampel-Koalition, im Gebäudesektor beim Klimaschutz voranzukommen. Die 2023 beschlossene Neufassung des Gebäudeenergiegesetzes – auch bekannt als Heizungsgesetz – war eines der prägenden Themen der vergangenen Legislatur.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Ampel ist inzwischen Geschichte – das Projekt aber bleibt, denn 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Und für viele Eigentümerinnen und Eigentümer bleiben damit auch immer noch viele Fragen. Der WWF Deutschland hat jetzt in Zusammenarbeit mit der Funke Mediengruppe, zu der auch diese Redaktion gehört, versucht, Antworten zu liefern. In der zweiten Ausgabe der „Energieschmiede“-Webinarreihe in dieser Woche drehte sich alles um die Wärmewende: Was gilt eigentlich bei Heizungstausch und Wärmeplanung?

Wärmeplanung: Weder Fünf-Jahres-Plan noch eierlegende Wollmilchsau
Es sind vor allem zwei Gesetze, die die Wärmeversorgung in Deutschland auf den Weg bringen sollen, bis 2045 klimaneutral zu werden. Das erwähnte Gebäudeenergiegesetz, und das Wärmeplanungsgesetz, das sich an die Kommunen richtet. Große Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis Mitte 2026 eine solche Planung erstellt haben, kleinere Kommunen bis Mitte 2028.
Ein solcher Plan einer Kommune sei vor allem eine „informelle strategische Planung“, welche Art der Versorgung mit Wärme in einem Gebiet in Zukunft die wahrscheinlichste ist, erklärte Michael Neuhaus, der als Experte zu Gast war. Neuhaus arbeitet für das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende der Deutschen Energie-Agentur, das 2022 gegründet wurde. Er berät Kommunen bei der Erstellung einer solchen Planung. Und rät zu einem pragmatischen Blick auf die Rolle der kommunalen Wärmeplanung: diese sei weder die „eierlegende Wollmilchsau“ der Wärmewende – noch der „sozialistische Fünf-Jahres-Plan“, der genau vorschreibe, wo wie geheizt werden wird.
Einige Kommunen, vor allem die mit vielen Einwohnern, haben sich laut Neuhaus bereits auf den Weg gemacht, solche Pläne zu erstellen. 28 Prozent der Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern haben ihre Planung sogar schon abgeschlossen, die restlichen 72 Prozent sind bei der Erstellung. Ganz anders sieht es dagegen bei mittleren und kleinen Kommunen aus. Unter den mittleren Kommunen sind 14 Prozent bereits fertig, 64 Prozent haben angefangen. Bei den restlichen 22 Prozent ist der Status unklar.
Am meisten zu tun gibt es noch für Kommunen mit weniger als 10.000 Menschen – hier hat mehr als die Hälfte noch nicht angefangen. 85 Prozent der Kommunen in Deutschland fallen in diese Größenordnung, erklärte Neuhaus. „Die große Welle der kommunalen Wärmepläne kommt noch auf uns zu.“
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Anschlusszwang Fernwärme: Theoretisch möglich, aber selten, weil sehr unbeliebt
Gleichzeitig machen sich viele Eigentümerinnen und Eigentümer jetzt schon selbst auf den Weg, um ihre Heizung umzustellen. Sebastian Breer, Gebäude-Experte aus dem Klimateam des WWF, wies daraufhin, dass im ersten Halbjahr 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft wurden. „Ein Schritt in die richtige Richtung“ sei das, auch wenn die Zahl noch nicht ausreiche um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen.
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmern wollten wissen, wie das Gebäudeenergiegesetz und die Wärmeplanung zusammenwirken. Ob es sinnvoll ist, zu warten, bis die Planung abgeschlossen ist, oder ob Eigentümer, die sich jetzt für eine Wärmepumpe entscheiden, später gezwungen sein könnten, sich an ein mögliches Fernwärmenetz anzuschließen.
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Tatsächlich, erklärte Neuhaus, haben Kommunen theoretisch die Möglichkeit, Einwohner in einem bestimmten Gebiet zum Anschluss und zur Benutzung eines Wärmenetzes zu zwingen, um sicherzustellen, dass die Zahl der Nutzer groß genug ist für Rentabilität. Die meisten Kommunen würden davon aber keinen Gebrauch machen, weil dieser Zwang sehr unbeliebt sei. Und: In kleinen Kommunen, wo schon heute kein Fernwärmenetz existiert, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das so bleibt.
Weit verbreitet ist Fernwärme bisher vor allem in ostdeutschen Bundesländern und in den Stadtstaaten. Neuhaus rät deshalb dazu, nicht bis zum Abschluss der Wärmeplanung zu warten, um sich mit Frage nach der Zukunft der eigenen Heizung zu beschäftigen. „Gerade in kleinen Kommunen kann man auch schon ohne kommunale Wärmeplanung sagen, wohin die Reise geht“, sagt er.
Heizung: Experten warnen vor Wette auf Wasserstoff
Einig waren sich Neuhaus und Breer darin, dass es für Privatleute ausgesprochen riskant sei, darauf zu hoffen, irgendwann mit Wasserstoff heizen zu können. Aktuell stehe der gar nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung, und wenn sich das ändern sollte, „dann wird es wahrscheinlich sehr teuer werden“, sagte Breer. Denn die vergleichsweise geringen Mengen, die zu erwarten sind, würden auch in der Industrie und im Stromsektor benötigt. Entsprechend hoch dürften die Preise für Wasserstoff perspektivisch ausfallen.
Das Webinar rund um Wärme war die zweite in einer Reihe von vier Veranstaltungen. Zum Auftakt vor zwei Wochen ging es um energetische Sanierung. Bei den beiden noch kommenden Terminen wird es zuerst am 19. August um 100 Prozent Erneuerbare Energie zuhause gehen, und zwei Wochen um die Möglichkeiten für Mieterinnen und Mieter, an der Energiewende teilzuhaben. Wer sich anmelden möchte, kann das auf wwf.de/energieschmiede tun. Dort und auf dem Youtube-Kanal des WWF finden sich auch alle Aufzeichnungen der bisherigen Webinare.





