Bundesliga

Union braucht drei Punkte für ein wirklich gutes Gefühl

Aufsteiger Union hat eine bemerkenswerte Hinrunde gespielt. Doch nur ein Sieg in Düsseldorf verhindert einen bitteren Beigeschmack.

Union-Angreifer Marius Bülter (Mitte) trifft gegen Dortmund und ebnet damit Ende August den Weg zum ersten Sieg in der Bundesliga.

Union-Angreifer Marius Bülter (Mitte) trifft gegen Dortmund und ebnet damit Ende August den Weg zum ersten Sieg in der Bundesliga.

Foto: firo/Sebastian El-Saqqa / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Berlin. Will man die Hinrunde des 1. FC Union, die Premieren-Wochen in der Fußball-Bundesliga, bewerten, braucht man nur den Gegnern zuzuhören. Nach jedem Gastspiel, sei es in München, Wolfsburg oder auch Schalke, erst recht aber nach den Heimspielen in der Alten Försterei erhalten die Köpenicker großes Lob für die Art, wie die Mannschaft auftritt, wie die Fans ihr Team unterstützen.

Lob bringt keine Punkte, zeigt jedoch die Wertschätzung für das, was sich im Südosten der Hauptstadt entwickelt hat. Berlin wählte Union sogar zur Mannschaft des Jahres und Urs Fischer zum Trainer des Jahres.

„Solche Komplimente tun gut. Viele, die das erste Mal hierherkommen, loben das Stadion“, sagte Fischer vor dem Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, Sky). Als jemand, der sich komplett der Realität verschrieben hat, fügte Fischer aber sogleich hinzu: „Bilde dir nicht zu viel darauf ein.“

Union Berlin schraubt Ansprüche selbst hoch

Zu schnell können erfolgreiche Wochen durch eine Negativserie einen bitteren Beigeschmack bekommen. Was den bislang erzielten Erfolg, sprich die 20 Punkte, nicht schmälert. Und doch das latente Gefühl hinterlässt, etwas verpasst zu haben.

Genau in dieser Situation befindet sich Union. „Wir haben gesagt, dass die letzten drei Spiele sehr wichtig sind, weil jeder Punkt, den du da holst, dir in der Rückrunde sehr helfen wird. Deswegen versuchen wir im letzten Spiel noch einmal, alles rauszuhauen und danach abzuschalten“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel.

Union selbst hat die Ansprüche, die nun im Umfeld entstehen könnten – und vielleicht auch schon entstanden sind –, durch bemerkenswerte Leistungen selbst hochgeschraubt. Nur wenige hätten gedacht, dass der Liga-Debütant, der 56. Bundesligist in der Geschichte des deutschen Profifußballs, derart solide durch die Hinrunde kommt.

Union Berlin muss auch mal Kritik einstecken können

Dass es nach zuletzt nur einem Punkt aus zwei Spielen auch mal ein wenig Kritik gab, ist für Fischer nur verständlich. „Ich empfand es als nicht so schlimm, die Spieler waren ja auch nicht zufrieden“, sagte der Schweizer mit Blick auf die Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim (0:2) am vergangenen Dienstag.

„Es gilt, auch mal Kritik einzustecken. Entscheidend ist, wie du damit umgehst“, erklärte Fischer. Die Mannschaft wird ihrer Natur entsprechend in Düsseldorf noch einmal alle Kräfte mobilisieren, bevor es dann am Montag in den Weihnachtsurlaub geht.

Nur aus der Düsseldorfer Talfahrt nach sechs Spielen ohne Sieg und drei Niederlagen in Folge mit 0:11 Toren sollte Union nicht automatisch einen Vorteil ziehen. „Das ist gefährlich“, sagte Trimmel. Dass die Negativserie den Gegner verunsichert, „haben wir auch gegen Hoffenheim gedacht“, erklärte der Österreicher weiter, „aber wir haben den Kampf angenommen, das ist die richtige Antwort. Und das wird auch in Düsseldorf so sein.“

Düsseldorf verspricht Union Berlin einen großen Kampf

Muss es auch, wenn man die Ankündigungen aus Düsseldorf hört. „Wer uns abschreibt, macht einen ganz großen Fehler. Wir haben auch in diesem Jahr die große Chance, in der Liga zu bleiben“, tönte Fortunas Trainer Friedhelm Funkel (66).

Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann machte seinem Unmut wie folgt Luft: „Es tut unseren Gegnern im Moment zu wenig weh, gegen uns zu gewinnen. Wir müssen zeigen: Das lassen wir uns heute nicht vom Brot nehmen! Oder wenn, dann muss es richtig wehtun. Das Gefühl habe ich nicht.“

Und Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel monierte: „Es ist immer einfach, die Schuld beim Trainer zu suchen.“ Die Düsseldorfer Mannschaft steht damit ultimativ in der Pflicht. Dazu passt, dass Funkel vor einer Vertragsverlängerung bei den Rheinländern stehen soll. Dass ein Sieg gegen Union dabei helfen dürfte, steht außer Frage.

Union Berlin kann mit Druck umgehen

Dem zu Weihnachten besten Bundesliga-Aufsteiger des Vorjahres geht es also ebenso wie dem besten Aufsteiger in dieser Saison. Ein Sieg muss her für ein gutes Gefühl während der Feiertage.

„Der Druck“, sagte denn auch Union-Trainer Fischer, „liegt auf beiden Mannschaften. Aber Druck sollte für uns nichts Neues sein. Wir sind mit Drucksituationen in dieser Saison gut umgegangen.“

Union hat sich nach seinen vier Niederlagen im ersten Saisonviertel selbst aus dem Schlamassel gezogen. Hat im prestigeträchtigen Derby gegen Hertha BSC dem Druck standgehalten. Und nach Borussia Dortmund (3:1) auch mit Borussia Mönchengladbach (2:0) einen Spitzenreiter geschlagen. Jetzt noch ein Sieg in Düsseldorf, und Union kann mit einem Gefühl in die Winterpause gehen, wie es kaum besser sein könnte.

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