Bundesliga

Union schafft die Sensation gegen Dortmund

Erster Bundesliga-Heimsieg für Union – und was für einer! Doppeltorschütze Bülter macht sich beim 3:1 gegen Dortmund unsterblich.

Historischer Moment: Marius Bülter (2.v.r.) schießt das erste Bundesligator des 1. FC Union in der Alten Försterei.

Historischer Moment: Marius Bülter (2.v.r.) schießt das erste Bundesligator des 1. FC Union in der Alten Försterei.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/DRPvia www.imago-images.de / imago images / Beautiful Sports

Berlin. „Das toppt alles, damit habe ich selber nicht gerechnet.“ Marius Bülter wurde nicht müde, Rede und Antwort zu stehen, war er doch Hauptdarsteller der ersten Sensation in der Bundesliga-Saison 2019/20.

Und was für einer: Der 1. FC Union schlägt Borussia Dortmund, der Aufsteiger aus Köpenick setzt sich mit 3:1 (1:1) gegen den mit Nationalspielern gespickten Meisterschaftsanwärter aus dem Ruhrpott durch.

Nicht irgendwie, sondern hochverdient, an einem Sonnabendabend für die Union-Geschichtsbücher. Dank zweier Tore durch Bülter.

Köpenick im Ausnahmezustand

Schon Stunden vor jenem denkwürdigen Topspiel herrschte in Köpenick Ausnahmezustand. Die Anfahrt zum Stadion war nahezu unmöglich: Wegen des Fanmarsches der Union-Anhänger hatte die Polizei großräumig abgesperrt. In der ausverkauften Alten Försterei war dann alles angerichtet für ein Fußballfest.

„Das war überragend, wir haben völlig verdient gewonnen“, sagte Mittelfeldspieler Robert Andrich: „Jeder ist an seine Grenzen gegangen, so musst du als Aufsteiger auftreten.“

Trainer Urs Fischer hat vor allem „die Art und Weise gefallen. Wir waren eklig, mit hohem Laufpensum. Eine Mannschaft, die um jeden Zentimeter gekämpft hat und sehr effizient war.“

Union sorgt für ein echtes Spektakel

Was sich den 22.012 Zuschauern von der ersten Minute an bot, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Spektakel. Das lag natürlich an den Dortmundern: Marco Reus, Paco Alcácer, Jadon Sancho, dazu Julian Brandt – welch eine Offensivformation, die Trainer Lucien Favre auf den Rasen schickte.

Spektakel auch deshalb, weil Unions Trainer Urs Fischer eine Startelf wählte, die zeigte: Wir wollen uns nicht verstecken. Neben Sebastian Andersson lief mit Anthony Ujah ein zweiter Stürmer auf. Erfahrung sollte in der Offensive helfen, ebenso wie in der Abwehr: Neven Subotic feierte gegen seine alte Liebe BVB sein Heimdebüt.

Natürlich hatte der haushohe Favorit aus Dortmund weitaus mehr vom Spiel. Doch Union hielt gut dagegen, konzentriert, einsatzbereit – und mutig. Die erste richtige Chance des Spiels vergab Subotic per Kopfball nach einer Flanke von Christopher Lenz. Wer auf den Rängen noch nicht angetan war vom Spiel, der war es spätestens jetzt. Unzählige Union-Anhänger in roten T-Shirts, mit dem Aufdruck „Nehmt euer Herz in beide Hände“, dem Motto des Relegations-Rückspiels im Mai gegen den VfB Stuttgart.

Bülter erzielt seine ersten Bundesligatore

Eine Aufforderung, der die Elf des Aufsteigers folgte. Ja, Reus (14.) und Sancho (18.) hatten gute Chancen für die Dortmunder. Doch es war Marius Bülter, der das Stadion zum Beben brachte. Christopher Trimmel hatte einen Eckball flach in den Strafraum gebracht, Bülter sich unbemerkt von der BVB-Abwehr davon geschlichen und aus elf Metern direkt eingeschossen (22.). „Ein geiles Gefühl“, kommentierte Bülter sein erstes Bundesliga-Tor.

Dass der BVB nicht lange für eine Antwort brauchte, spricht für den Titelanwärter. Sancho über die rechte Seite, Pass in die Mitte, wo Alcácer unbedrängt einschieben durfte (25.). Kurz vor der Pause verhinderte Union-Torwart Rafal Gikiewicz mit einer Glanztat gegen Reus sogar den Rückstand (45.).

Wer der Meinung war, dass dies schon alles gewesen sei, der wurde eines Besseren belehrt. Denn nach Wiederbeginn entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, mit spielerischen Vorteilen für den BVB und guten Konterchancen für Union. Eine davon nutzte erneut Bülter zum 2:1. Nachdem Andersson nach einem Alleingang noch an BVB-Torwart Roman Bürki gescheitert war, fackelte Bülter nicht lange und schoss aus 20 Metern direkt ein (50.). Jetzt war die Alte Försterei ein Tollhaus.

Andersson setzt den Schlusspunkt

Ja, die Elf von Urs Fischer nahm ihr Herz in beide Hände, blieb auch konzentriert, als die Dortmunder die Schlagzahl erhöhten. Doch dem Favoriten mangelte es gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Unioner zu oft an Ideen. Und war die Idee da, fehlte die Genauigkeit.

Den Dortmundern lief die Zeit davon, je näher die Sensation rückte. Dann kam die 75. Minute, ein Querpass in den BVB-Strafraum von Sheraldo Becker und ein eiskalter Abschluss von Andersson, der seinen zweiten Saisontreffer erzielte. 3:1 für Union, der allererste Sieg in der Bundesliga war vollbracht.

BVB-Coach Lucien Favre musste anerkennen: „Union hat sehr engagiert gespielt und gut gekontert. Wir haben unsere Konzentration und unsere Geduld verloren. Unsere zweite Halbzeit war nicht gut.“

Pyros in beiden Fan-Blöcken

Getrübt wurde das Fußballfest durch zwei unschöne Szenen. Mitte der ersten Halbzeit musste die Polizei einschreiten, um einen Teil der Gästefans in ihrem Block wieder einzufangen. Mit Schlägen und Tritten malträtierten sie die Plexiglaswand zwischen sich und dem Bereich der Union-Fans, immer wieder auch provoziert von den heimischen Anhängern.

Szenen, in denen beide Fanlager ein schlechtes Bild abgaben, ebenso wie beim massiven Abfackeln von Pyrotechnik zu Beginn der zweiten Halbzeit. Spektakel, das niemand braucht.

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