Bundesliga

Union macht die Alte Försterei wieder zur Festung

Union findet mit dem dritten Heimsieg ohne Gegentor in Folge zu seiner Heimstärke zurück. Ein Pfund im Kampf um den Klassenerhalt.

Die Profis des 1. FC Union können sich auf die Unterstützung durch ihre Fans verlassen.

Die Profis des 1. FC Union können sich auf die Unterstützung durch ihre Fans verlassen.

Foto: O.Behrendt via www.imago-images.de / imago images/Contrast

Berlin. Es gab in der Bundesliga-Geschichte sicher schon Aufsteiger, die besser in eine Saison gestartet sind als Union Berlin. Doch die 16 Punkte, die die Köpenicker in den ersten zwölf Partien geholt haben, sind mehr als nur aller Ehren wert.

„Alle haben gesagt, das Anfangsprogramm hat es in sich, da wirst du nicht viel holen. Aber wenn du an dich glaubst, gut arbeitest und dich weiterentwickelst, dann ist viel möglich, auch in der Bundesliga“, sagte Christopher Trimmel nach dem 2:0 am Sonnabend gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach.

Unions Kapitän geht es dabei gar nicht so sehr um die bisherige Ausbeute, sondern eher um die Art und Weise, wie der Erstliga-Neuling vor allem gegen die Gladbacher aufgetreten ist: kompakt stehen, dem Gegner Raum und auch Freude am Spiel nehmen, um selbst ins Spiel zu kommen. „Ich will einfach nur, dass wir so weiterspielen wie in den vergangenen Wochen. Das gefällt mir, dann kannst du auch mal ein Spiel verlieren, das ist kein Problem“, erklärte Trimmel.

Union Berlin holt drei Heimsiege ohne Gegentor

Das in den vergangenen fünf Liga-Partien nur einmal verloren wurde, beim 1:2 in München gegen Meister FC Bayern, ist auf einen Umstand zurückzuführen, der die ultimative Voraussetzung ist, um überhaupt über einen Klassenerhalt nachdenken zu können: die Heimstärke.

Fünf Siege hat der 1. FC Union bislang gefeiert, vier davon vor eigenem Publikum, zuletzt sogar drei in Folge und noch dazu ohne Gegentor – die Alte Försterei ist wieder jene Festung, die man sich bei Union erhofft hat. Ein Pfund, das im Kampf um den Ligaverbleib kaum schwerer wiegen kann als bei den Köpenickern.

Nicht nur für Trainer Urs Fischer spielt die wiedergewonnene Heimstärke eine große Rolle. „Sie ist schon sehr wichtig. Diese Wucht durch das Publikum spürt man auch als Trainer“, erklärte der Schweizer: „Egal wie der Spielstand ist, die Fans stehen hinter uns wie eine Eins, vor allem in engen Spielen verleiht dir das zusätzliche Kraft.“

Die Fans von Union Berlin haben zwei Leitsätze

So wie gerade gegen Mönchengladbach. Ähnlich wie zuvor Lokalrivale Hertha BSC (1:0) oder auch der SC Freiburg (2:0), die Überraschungsmannschaft dieser Spielzeit bekam nun auch die Borussia die Atmosphäre zu spüren, die einer Mischung aus totaler Unterstützung und dem Glauben an sich selbst gleicht.

„Ganz Deutschland hat damit gerechnet, dass Gladbach hier gewinnt. Wir haben jedem das Gegenteil bewiesen – außer uns bei Union“, sagte Keven Schlotterbeck. Die Fans „haben fest an uns geglaubt und eine Riesenstimmung gemacht“.

Der Innenverteidiger spielt erst seit dem Aufstieg bei Union. Doch nur wenige Heimspiele haben ausgereicht, um den ehemaligen Freiburger zwei Leitsätze zu verdeutlichen, die man fast schon als Handschrift der Union-Fans bezeichnen kann: Pfeife nie die eigene Mannschaft aus, verlasse nie vor Abpfiff das Stadion.

Die Gegner von Union Berlin wissen, was auf sie zukommt

„Die Jungs haben mir erzählt, dass es in der vergangenen Saison auch so gebebt hat“, erzählte Schlotterbeck: „Von der Waldseite bis ganz rüber zum Auswärtsblock – wenn da „Eisern Union“ gerufen wird, bekomme ich auf dem Platz eine Gänsehaut.“

Die eigenen Sinne werden geschärft, die des Gegners unter Umständen etwas vom Wesentlichen abgelenkt. Schon ist ein solcher Union-Auftritt wie nun gegen Gladbach möglich. Nach dem Sensationserfolg gegen Borussia Dortmund am dritten Spieltag war es bereits der zweite Heimsieg gegen eine Mannschaft, die auch vom Leistungsvermögen als Spitzenteam der Liga zu verorten ist.

„Ich bin einfach nur froh, wenn der Gegner dadurch vielleicht ein bisschen zurückgeschreckt wird und ein wenig Respekt vor uns hat. Die Fans haben sich so in den Vordergrund gespielt, da wissen die Mannschaften schon, was auf sie zukommt. Vielleicht sind es diese zwei drei Prozent, die es uns dann nachher etwas leichter machen, das Spiel zu gewinnen“, erklärte Schlotterbeck.

Union Berlin findet zu defensiver Stabilität zurück

Die motivierende Atmosphäre ist das eine, hinzu kommt die spielerische Komponente, die eine Festung ausmacht: die defensive Stärke. „Die Defensive hat uns in der vergangenen Saison schon ausgemacht, da haben wir sehr stabil gestanden“, erinnert Trimmel an die Zweitliga-Spielzeit. Union hatte mit nur 33 Gegentoren die beste Abwehr der Liga gestellt.

„Am Anfang dieser Saison war das vielleicht nicht so, aber mittlerweile sind wir wieder da, wo wir hinwollen. Wir haben ein besseres Gefühl, man merkt, dass alles sehr kompakt ist“, freute sich Trimmel, wohl wissend, dass es auch noch besser geht: „In der einen oder anderen Situation war das gegen Gladbach vielleicht auch noch so, dass wir vorn mit drei Spielern draufgehen, aber hinten bleiben wir stehen. Wenn dass passiert, hast du Probleme in der Bundesliga.“

Über weite Strecken war dennoch die sportliche Handschrift von Trainer Fischer zu erkennen. Eine Handschrift, die bereits vor der Saison Fischers Landsmann Harald Gämperle, seines Zeichens Co-Trainer bei Hertha, wie folgt umschrieb: „Er ist ein disziplinierter Trainer, schaut auf Ordnung. Er ist defensiv gut strukturiert. Es ist nicht einfach, gegen Urs-Fischer-Mannschaften Tore zu schießen.“ Union Berlin hat dies mit dem Sieg gegen Mönchengladbach ein weiteres Mal bestätigt.

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