Bundesliga

Bülter befreit Union – Sieg gegen Freiburg

Mit einem 2:0 gegen den SC Freiburg meldet sich der Aufsteiger zurück und stoppt den negativen Lauf in der Fußball-Bundesliga.

Marius Bülter (l.) leitete mit seinem dritten Saisontreffer den zweiten Bundesliga-Sieg für Union ein.

Marius Bülter (l.) leitete mit seinem dritten Saisontreffer den zweiten Bundesliga-Sieg für Union ein.

Foto: Tilo Wiedensohler via www.imago-images.de / imago images/Camera 4

Berlin. Marius Bülter wirkte recht gefasst für den Traum, den er beim 1. FC Union seit Saisonbeginn lebt. „Es ist immer noch schwer zu begreifen“, sagte der Profi des Fußball-Bundesligisten ob der Tatsache, vor eineinhalb Jahren noch drittklassig gespielt zu haben und jetzt gefeierter Held beim Erstligisten zu sein: „Man lebt einfach damit, ich mache mir auch keine großen Gedanken darüber.“

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Gedanken, was er mit dem Ball nach gerade einmal 56 Sekunden gegen den SC Freiburg anstellen sollte, hatte er sich offenbar gemacht. Sein drittes Saisontor ebnete den Weg zum zweiten Sieg für Union in dieser Spielzeit. Und das 2:0 (1:0) gegen die Breisgauer war hochverdient.

„Die erste Aktion hatte Signalwirkung, endlich konnten wir mal in Führung gehen. Das hat uns auch eine gewisse Ruhe und Selbstvertrauen gegeben“, sagte Urs Fischer. Der Union-Trainer ließ seine Mannschaft erneut mit einer Dreierkette in der Defensive antreten. Eine Ausrichtung, die bereits vor zwei Wochen in Wolfsburg ordentlich funktioniert hatte und nun auch gegen die Freiburger ihre Wirkung nicht verfehlte.

Bundesliga-Debüt für Parensen

Dabei gab es eine von zwei personellen Änderungen, die der Trainer vornehmen musste – und mit der er Michael Parensen, dem letzten noch verbliebenen Zweitliga-Aufsteiger von 2009, zu seinem Bundesliga-Debüt verhalf. Das Union-Urgestein ersetzte Neven Subotic, der kurzfristig ausgefallen war (Muskelprobleme).

Auch auf der rechten Außenbahn musste Fischer umplanen. Weil die Beinblessuren von Sheraldo Becker und Suleiman Abdullahi doch keinen Einsatz zuließen, setzte der Union-Coach auf Marcus Ingvartsen.

Die Köpenicker knüpften an die ordentliche Leistung von Wolfsburg an – mit einem Unterschied: Die erste Viertelstunde gehörte klar den Hausherren. Welch ein Start, den Union da hinlegte, engagiert, laufstark, wohl auch mit einer ordentlichen Portion Trotz im Bauch, nachdem man sich in den vergangenen Wochen nicht hatte belohnen können.

Bülter mit einem Tor des Monats

Und es war Bülter, der die Konsequenz umsetzte, die Fischer von den Seinen vor dem Tor gefordert hatte, jenen Egoismus, der in kollektiven Freudentaumel mündet. Die Entfernung: 22 Meter. Der Schuss: eines Tor des Monats würdig. Zweifel: keine, zumindest nicht bei Bülter, als er den Ball auf seine Reise in den rechten Winkel schickte.

Ein Treffer, der Union euphorisierte – und Freiburg sichtlich beeindruckte. Kaum auszudenken, wie die Partie weiter verlaufen wäre, hätte Ingvartsen seinen Schlenzer nach zehn Minuten nicht nur an den Pfosten gesetzt.

So schaltete Union nach gut einer Viertelstunde einen Gang runter, setzte auf konzentrierte Defensive und ließ die Freiburger im Mittelfeld gewähren. Doch zu selten erbrachten die Gäste den Beleg dafür, warum nach sieben Spieltagen bis in die Spitzengruppe der Bundesliga gestürmt waren.

Fischer fiebert an der Seitenlinie mit

Spielerisch sicher reifer als die Berliner, im Abschluss jedoch zu harmlos. Parensen fälschte einen Schuss von Philipp Lienhardt ab – kein Problem für Union-Torwart Rafal Gikiewicz (13.). Gleiches galt beim Versuch von Jonathan Schmid (39.).

Doch Union lieb bei seinen Gegenstößen immer gefährlich. Sebastian Andersson vermeintliches 2:0 wurde wegen Foulspiels an SC-Torwart Niclas Thiede abgepfiffen. Thiede hatte nach 22 Minuten Alexander Schwolow ersetzt, der sich ohne Fremdeinwirkung an den Adduktoren verletzte. Ingvartsen verpasste eine Bülter-Vorlage (28.) und scheiterte zudem kurz vor der Pause mit einem Kopfball an Thiede. „Endlich haben wir es geschafft, alles über 90 Minuten umzusetzen“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel.

Auch nach der Pause wirkte Union keineswegs so, als hätten die vier Niederlagen in Folge große Spuren hinterlassen. „Ich empfand es nie als Anspannung, wir haben immer in Ruhe weiter gearbeitet“, so Fischer. Dennoch hat man ihn an der Seitenlinie selten derart mitfiebern, sich derart ärgern sehen, wenn aussichtsreiche Situationen wieder verspielt wurden.

Ingvartsen sorgt für die Entscheidung

Forsch, mutig, entschlossen kam Union auch aus der Pause, „wir wollten unbedingt das zweite Tor nachlegen“, so Trimmel. Bülter hatte die große Chance zu erhöhen, wurde aber im letzten Moment geblockt. Einem Kopfball-Aufsetzer von Verteidiger Marvin Friedrich ist nur die Latte im Weg (69.).

Freiburg versuchte in der Schlussphase alles, kombinierte sich in den Union-Strafraum, doch der Schuss des zur Pause eingewechselten Nils Petersen blieb in der vielbeinigen Deckung hängen (75.). Auf der Gegenseite fasste sich Ingvartsen ein Herz und schoss den Ball überlegt über den zu weit vor seinem Tor stehenden Thiede zum 2:0 ein (84.).

„Wir haben heute gezeigt, wozu wir fähig sind“, sagte Verteidiger Keven Schlotterbeck und fügte euphorisiert hinzu: „jetzt gilt es, am nächsten Wochenende die Bayern zu schlagen.“ Auf den Rängen der Alten Försterei war der Klassiker „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ längst angestimmt.

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