Bundesliga

Unions Subotic erreicht eine neue Dimension

Neven Subotic ist nicht mehr nur der Abwehrchef bei Union. Er ist auch abseits des Platzes zum wichtigen Ansprechpartner geworden.

Neven Subotic (r.) kämpft am Sonnabend mit dem 1. FC Union in der Bundesliga um die nächsten drei Punkte.

Neven Subotic (r.) kämpft am Sonnabend mit dem 1. FC Union in der Bundesliga um die nächsten drei Punkte.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Sie waren belächelt worden. Und viel zugetraut hatte man ihnen auch nicht wirklich. Damals im August 2008, als Borussia Dortmund mit Neven Subotic und Mats Hummels in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gestartet war. Aber das Innenverteidiger-Duo überzeugte und überraschte. Und machte sich schon nach wenigen Spieltagen einen recht eingängigen Namen: Kinder-Riegel.

Subotic (19) und Hummels (19) waren damals 38 Jahre alt – zusammen wohlgemerkt. Mittlerweile nähert sich Subotic dem Alter an, für das der damalige Kinder-Riegel noch zusammenlegen musste. Aber die knapp zehn Jahre beim BVB, die vielleicht besten seiner Karriere, sind vorbei. Der Senkrechtstarter von einst hat seit Jahren eine Flughöhe erreicht, auf der der 30-Jährige als einer der stabilsten Innenverteidiger der Liga unterwegs ist.

Bei Union lautet die Marschroute in der Bundesliga: Klassenerhalt

Seit dieser Saison beim 1. FC Union. Beim Aufsteiger, der in dieser Spielzeit kein anderes Ziel hat, als den Klassenerhalt zu schaffen. „Das Spiel an sich ist komplett anders, wir sind glücklich, wenn wir einen Punkt mitnehmen“, sagt Subotic. „Vorher war die Maßgabe immer: Du musst gewinnen.“ Gewonnen haben auch die Köpenicker – vor der Länderspielpause sogar zweimal in Folge.

Doch die Serie steht am Sonnabend gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, Alte Försterei) vor der Zerreißprobe. „Das wird kein leichtes Spiel“, weiß Subotic, richtet den Fokus deshalb lieber auf die Partien, die für Union von größerer Bedeutung sind: „Gegen die direkten Konkurrenten wie Köln und Paderborn sollten wir die Big Points einsammeln, das ist entscheidend.“

Der Spieler, der vor einigen Jahren noch um Meisterschaften mitspielte und sich mit den besten Mannschaften Europas duellierte, hat seine neue Aufgabe beim Tabellenelften angenommen. „Ich bin hierhin gekommen, um harten Fußball zu spielen, selbst als Spieler zu wachsen anhand der Anforderungen und Herausforderungen, die es hier gibt“, sagt Subotic. Und trotz seiner mittlerweile 13 Jahre währenden Profi-Karriere hat sich der Abwehrspieler in seinen ersten Monaten in Berlin tatsächlich weiterentwickelt. „Ich entdecke an mir eine weitere Dimension des Fußballers“, sagt Subotic.

Abwehrkollege Schlotterbeck profitiert von Subotics Erfahrung

Er ist nicht mehr nur der Abwehrchef, der die Defensive zusammenhält und die gegnerischen Stürmer an den Rand der Verzweiflung treibt. Er ist auch als Ansprechpartner gefragt. Als einer, der seine gesamte Erfahrung auch abseits des Platzes einbringt, um Unions Premierensaison in der Bundesliga erfolgreich zu gestalten. „Wir haben einige Spieler, die das erste Mal in der Bundesliga sind, teilweise sehr junge Spieler, für den Verein ist die Bundesliga auch was Neues“, sagt Subotic. „Die nächste Generation heranzubringen, ist sehr spannend.“

Marius Bülter zum Beispiel, der sich innerhalb weniger Wochen zum festen Bestandteil in Unions Offensiv-Abteilung ackerte – nicht zuletzt wegen seiner zwei Tore beim 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund. Oder Keven Schlotterbeck, der neben Subotic in der Abwehrkette zum Leistungsträger in der Mannschaft von Trainer Urs Fischer heranreift. „Ich sehe alle Jungs im Training, da sieht man dann auch das Potenzial der jüngeren Spieler, die vielleicht noch nicht im Stadion zum Vorschein kommen“, sagt Subotic. „Generell hat noch keiner seinen Zenit erreicht. Wir haben viel Potenzial, wir spielen schon sehr gut und ich als jemand, der neu dazugekommen ist, bin schon sehr überrascht über die Mentalität und die Qualität jedes Einzelnen.“

Manchmal hilft auch eine Geschichte über Robert Lewandowski im Kraftraum

Dass vor allem junge Spieler eine Fehlerquelle sein können, ist für Subotic nicht tragisch. Er weiß ja selbst, wie das ist, wenn man als unerfahrener Kicker ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen wird. Und genau da kommt Subotics neu entdeckte Dimension ins Spiel. „Ich bin nicht der Vater, der sagt, du hast den Fehler gemacht, mach ihn nicht“, sagt der langjährige serbische Nationalspieler. „Ich versuche natürlich vorzuzeigen, durch das, was ich mache.“

Da wird dann eben mal aus dem Nähkästchen erzählt, von eigenen Fehlern und Erlebnissen. Oder von Robert Lewandowski und seiner Arbeit im Kraftraum. „Das ist für alle super interessant“, sagt Subotic. „Durch gutes Storytelling hat man einen viel höheren Effekt. Es geht ja nicht darum, dass sie das machen, was ich sage. Es geht darum, dass sie verstehen, was wichtig und richtig ist. Was große Profis machen, um das zu erreichen, was sie erreicht haben.“ Es ist genau diese Art, die Subotic zum Publikumsliebling gemacht hat. Und mit der er auch bei Union zum bedeutenden Faktor im Kampf um den Klassenerhalt werden kann.

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