Zweite Liga

Union und die eisernen Eichhörnchen

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Michael Färber
Union-Kapitän Benjamin Kessel (r.) stoppt Bochums Timo Perthel. Am Ende gab es für beide einen Punkt

Union-Kapitän Benjamin Kessel (r.) stoppt Bochums Timo Perthel. Am Ende gab es für beide einen Punkt

Foto: Revierfoto / picture alliance / dpa

Seit drei Spielen sammelt Union Punkte, um endlich einen großen Schritt nach vorn zu machen. Nur der will einfach nicht gelingen.

Berlin.  Alles musste für eine Unterschrift herhalten. Trikots, Wimpel, Mützen und natürlich die Autogrammkarten der Spieler des 1. FC Union. Die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten genossen die Neueröffnung des Union-Fanshops nahe dem S-Bahnhof Köpenick und das Bad in der Fan-Menge sichtlich. „Das gehört einfach dazu“, sagte Defensivmann Stephan Fürstner.

Der Auftritt der Mannschaft am Sonnabend deckte sich mit den Reaktionen nach dem Remis in Bochum. Keine Frage, Union nimmt das 1:1 als positives Resultat wahr, auch wenn der Punktgewinn die Köpenicker nicht wirklich weiter voran bringt. Der Abstand zur Abstiegsregion beträgt weiter drei Punkte, immerhin konnte der Liga-13. vorerst einen Platz mehr zwischen sich und Relegationsplatz 16 legen.

Angesichts der bislang alles andere als berauschenden Hinrunde und dem Tiefpunkt gegen Paderborn (0:2) hat sich Union jedoch die Eichhörnchentaktik zu eigen gemacht: Bis zur Winterpause so viele Punkte sammeln wie möglich. Nach dem Sieg in Heidenheim (2:0) und dem 3:3 gegen Nürnberg sind es deren fünf und – nicht ganz unwichtig für das Selbstvertrauen – drei Spiele in Folge ohne Niederlage.

Reservist Brandy steht beim Trainer hoch im Kurs

Auch deshalb nimmt Trainer Sascha Lewandowski „mehr Positives als Negatives“ mit aus Bochum. „Die Bereitschaft der Spieler, bis zum Ende alles zu geben, ist sehr hoch“, lobte der Coach die Seinen. „Und wir haben einen sehr guten Teamgeist. Das gilt für alle 18 Spieler, die wir mit in Bochum hatten. Alle haben gute Stimmung gemacht.“

Dabei stellte er vor allem Sören Brandy heraus, der in Bochum die kompletten 90 Minuten auf der Bank schmoren musste, derweil Steven Skrzybski seiner zuletzt aufsteigenden Form ein weiteres gutes Spiel hinzufügte, nicht nur wegen der Vorarbeit zum Ausgleich. „Brandy hat schon einen hohen Stellwert bei mir, das weiß er auch. Er hat sicher schon viel für den Verein geleistet. Aber so wie er sich auf der Bank gibt, ist das nur positiv. Das wertschätze ich dann auch.“

Auf dem Feld setzten die Unioner zumindest taktisch auch gut um, was ihnen der Coach mit auf den Weg gegeben hatte. Beim Rückstand wiederum „hatten wir defensiv keinen Zugriff. Dabei wurde es vorher thematisiert, dass ein Spieler wie Peniel Mlapa schwer zu verteidigen ist, wenn er Raum bekommt.“ Er bekam den Raum bei seinem Konter und nutzte ihn nach 13 Minuten auch eiskalt.

Stabilität ist das Schlüsselwort

Es gehört jedoch zu den Eigenarten der Zweiten Liga, dass ein Gegentor eine Mannschaft immer wieder aus dem Konzept bringt. Wer wüsste das nicht besser als Union selbst? Diesmal waren es die Bochumer, die durch Damir Kreilachs Ausgleich zumindest eine Zeit lang völlig den Faden verloren. „Ich fange an, die Zweite Liga immer besser zu verstehen“, sagte Lewandowski. Und er nannte ein Merkmal des Bundesliga-Unterhauses, welches eine erfolgreiche Saison ausmacht: Stabilität.

„Es sind nicht unbedingt die am besten besetzten Teams, die oben stehen, sondern die, die am stabilsten sind.“ Drei Spiele nicht verloren zu haben, ist schon ein Zeichen von geringer Stabilität. Doch bei Union ist man froh über jeden Fortschritt, den die Mannschaft bis zum Jahresende noch macht. Winzigkeiten seien es, die den Ausschlag dafür geben, so Lewandowski.

Union sollte demnach dafür sorgen, dass im nächsten Heimspiel gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) die Kleinigkeiten auf seiner Seite sind. Denn auch die Eichhörnchentaktik bringt nur dann wirklich etwas, wenn zwischendurch auch mal ein großer Fang – sprich drei Punkte – gelingt.