Zweite Liga

Union macht den nächsten ersten Schritt

Zweitligist Union schöpft nach dem wichtigen Sieg in Heidenheim wieder Hoffnung. Doch die Situation bleibt angespannt.

Union jubelt über den Sieg in Heidenheim und hofft, dass dies der ersehnte Befreiungsschlag gewesen ist

Union jubelt über den Sieg in Heidenheim und hofft, dass dies der ersehnte Befreiungsschlag gewesen ist

Foto: imago sportfotodienst / imago/Eibner

Berlin.  Sascha Lewandowski wollte erst gar nicht um den heißen Brei herumreden. „Natürlich ist eine gewisse Erleichterung da“, sagte der Trainer des 1. FC Union, „gerade nach einer Woche, in der man viele Maßnahmen trifft, die sicherlich zum Teil auch unpopulär sind. Da ist es nicht ganz unwichtig, wenn danach auch gleich so ein Erfolgserlebnis kommt.“

Der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten hatte scharf geschossen, sehr scharf für die Kürze seiner Tätigkeit in Köpenick. Wer besetzt schon nach neun Wochen das Amt des Kapitäns neu und verschlankt den Kader, in dem er zwei Spielern zu verstehen gibt, dass sie sich einen neuen Verein suchen können (Denis Prychynenko, Bajram Nebihi)?

„Maßnahmen, die dazu dienen, fokussierter zu sein, gewisse Dinge anzuschieben und Reizpunkte zu setzen“, erklärte Lewandowski. Das 2:0 in Heidenheim hat gezeigt, dass die Entscheidungen nicht ins Leere gingen.

Union zeigt Tugenden des Abstiegskampfes

Union verspielte die Führung nicht und hielt erstmals seit dem 12. September (3:0 in Karlsruhe bei Lewandowskis Premiere ) wieder den eigenen Kasten sauber. „Es war ein Riesenschritt in Sachen defensive Stabilität“, sagte Lewandowski. Union gab zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Zweikampf verloren, oder einen Meter Raum. Tugenden, die im Abstiegskampf unerlässlich sind.

Mittendrin: Damir Kreilach. Ob ihn der Verlust des Kapitänsamtes befreit hat, war in Heidenheim zu sehen. Einen Treffer selbst erzielt, den zweiten durch Steven Skrzybski mit dem weiten Schlag nach vorn vorbereitet. Kreilach konnte sich wieder den wesentlichen Dingen auf dem Platz widmen.

„Ich möchte nicht über Druck reden. Wir haben als Mannschaft sehr gut reagiert. In dieser Situation ist es egal, wer die Binde trägt“, sagte der Kroate. Und bezeichnete Nachfolger Benjamin Kessel als Führungsspieler. Der so Gelobte gab das Kompliment gleich zurück. „Damir hat die passende Antwort gegeben“, sagte Kessel: „Wir haben nicht den allerbesten Fußball gespielt, aber die richtige Mentalität auf den Platz gebracht.“

Thiel ersetzt gesperrten Kessel gegen Nürnberg

Darauf, dass Kessel wegen seiner fünften Gelben Karte im nächsten Spiel gegen den 1. FC Nürnberg (Sonnabend, 13 Uhr, Alte Försterei) gesperrt ist, ist Union vorbereitet. Zumindest was den Spielführer angeht. „Wir wussten um Bennys Situation, deshalb mussten wir den zweiten Kapitän auch gleich mitbestimmen.“

Folglich wird Maximilian Thiel das Team dann in die Alte Försterei führen. Eine Rückkehr Kreilachs wird es nicht geben, selbst wenn Thiel gegen die Franken nicht einsatzbereit sein sollte. „Wir haben gemerkt, dass es ihn eher befreit hat“, so Lewandowski.

War der Erfolg in Heidenheim nun also der so sehnlichst erwartete Befreiungsschlag? Bislang setzte es nach den ersten Schritten, die Union unter dem neuen Trainer gegangen ist, prompt eine Niederlage. Doch trotz des Sieges in Ost-Württemberg „hat sich für uns nichts Gravierendes geändert. Vor dem Spiel hatte die Mannschaft einen Schnitt von unter einem Punkt pro Spiel, jetzt hat sie einen, der knapp drüber liegt. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zwei Punkte, das war vor dem Spiel so, und das ist auch jetzt wieder so“, sagte Lewandowski.

Für Aufbruchstimmung gibt es keinen Grund

Keine Frage, die Situation in Köpenick bleibt angespannt. Deshalb gibt es auch keinen Grund für eine irgendwie geartete Aufbruchstimmung oder gar für Euphorie.

„Wenn irgendwo mal zwei, drei Prozent an Konsequenz fehlen, dann drehen wir uns im Kreis. Dann haben wir in drei Wochen wieder die gleiche Situation und dann wieder. Und dann schauen sich alle am 25. Spieltag an und geraten in Panik. Das will ich nicht. Dann lieber Dinge von vornherein klar benennen und sehen, dass wir entsprechend arbeiten.“

Insofern waren die Maßnahmen der vergangenen Woche und der Sieg in Heidenheim nicht mehr als ein nächster erster Schritt.