Traumstart

Lewandowski bringt Union das Siegen wieder bei

Union hat am sechsten Spieltag in Karlsruhe endlich den ersten Sieg in der Zweiten Liga eingefahren. Auch dank des neuen Trainers.

Union-Trainer Sascha Lewandowski (l.) verausgabt sich an der Seitenlinie wie seine Spieler auf dem Platz. Am Ende steht der erste Saisonsieg in Karlsruhe.

Union-Trainer Sascha Lewandowski (l.) verausgabt sich an der Seitenlinie wie seine Spieler auf dem Platz. Am Ende steht der erste Saisonsieg in Karlsruhe.

Foto: Uli Deck / dpa

Karlsruhe. Es lief die 80. Minute im Wildparkstadion, als Sascha Lewandowski an der Seitenlinie Damir Kreilach heftig ins Gebet nahm. Der neue Trainer des 1. FC Union instruierte den Kapitän energisch, jetzt bloß nicht nachzulassen, und unterstrich dies mit heftigem Klatschen in die Hände.

Wenn die Anzeigetafel einen nicht eines Besseren belehrt hätte, wäre man flugs auf den Gedanken gekommen, der Berliner Fußball-Zweitligist drohe sich erneut in der Schlussphase um die Punkte zu bringen. Auf die Idee, dass Union klar vorn lag und die Partie schließlich mit 3:0 (2:0) auch gewinnen sollte, wäre keiner gekommen.

Man kann es sich einfach machen. Kaum wechselt Union den Trainer (Lewandowski für Norbert Düwel) schon kann die Mannschaft wieder gewinnen. Zum ersten Mal in dieser Saison und erstmals überhaupt in Karlsruhe. „Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, so ein Spiel nach solch einer intensiven Trainingswoche hinzulegen“, sagte Lewandowski. Die Anspannung bei seinem Debüt an der Seitenlinie für die Köpenicker wollte da noch nicht so recht weichen.

Der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt

Verständlich, denn so deutlich und verdient das Resultat auch ist, muss festgehalten werden: Der KSC war genau der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Union war im Duell zweier bislang enttäuschender und enttäuschter Mannschaften jene, die mit mehr Selbstvertrauen auftrat. Insofern hat der Trainerwechsel am Mittwoch vergangener Woche schon das seinige getan. „Die Mannschaft hat sich belohnt“, sagte Lewandowski. Er sprach von „guten Jungs, die sehr lernwillig sind“.

Wirklich viel zu lernen hatten sie für das Karlsruhe-Spiel nicht, was die taktische Ausrichtung anbelangte. Lewandowski setzte auf eine Viererkette in der Abwehr mit dem Innenverteidiger-Duo Toni Leistner und Roberto Puncec sowie Christopher Trimmel und Michael Parensen auf den Außenpositionen. Die Dreierkette à la Düwel hat also ausgedient. Davor agierten Stephan Fürstner und Eroll Zejnullahu. Nichts Neues also, was die Grundausrichtung betrifft.

Die Interpretation trug jedoch schon die Handschrift des neuen Coaches. zwar hatte Union auch unter Düwel höher, sprich offensiver, verteidigt. Nun schob sich die Mannaschaft jedoch noch weiter in Richtung Mittellinie. Und sie wirkte aggressiver.

Traumhafter Freistoß von Kapitän Kreilach

Die Folge war, dass sich die Karlsruher gerade in der Anfangsphase meist nur mit Fouls zu helfen wussten. Einen der daraus resultierenden Freistöße nutze Kreilach zum 1:0; aus gut 22 Metern klatschte der Ball an die Latte und von dort hinter die Linie (12.). Die Reaktion des Trainers: kaum Jubel, dafür sofortiges Schärfen der Sinne, jetzt nicht die Konzentration zu verlieren.

„Wir haben den Schwung aus der Trainingswoche in die Anfangsphase mitgenommen und hoch verteidigt“, sagte Lewandowski: „Dann gab es jedoch eine lange Phase, in der wir dem KSC das Mittelfeld überlassen haben.“ Prompt musste Torwart Daniel Haas gegen Erwin Hoffer (18.) und Jan Mauersberger (22.) eingreifen.

Daran änderte sich auch nach dem 2:0 durch Bobby Wood nur wenig. Der US-Stürmer war von Manuel Gulde und Mauersberger nicht zu stoppen, nachdem er sich den Ball an der Mittellinie erkämpft hatte und sich auf in Richtung KSC-Tor machte. Selbst als ihn Gulde im Strafraum zu Fall brachte, blieb Wood nicht liegen und lamentierte. Stattdessen stand er auf und schob locker ein (48.). „Wir dürfen nicht zu passiv sein oder unnötig fallen“, hatte Lewandowski seiner Mannschaft noch mit auf den Weg gegeben. Wood setzte die Vorgabe seines Trainers in dieser Szene mustergültig um.

Auch das Glück war auf Unions Seite

Ein Punkt, der den Unterschied am Sonnabendnachmittag ausmachte, war das „Quäntchen Glück“, dass Lewandowski seinem Team schließlich bescheinigte. Hiroki Yamada traf mit seinem Fernschuss nur die Latte am Union-Gehäuse (67.), Manuel Torres verzog freistehend (76.).

Schließlich bewies Lewandowski mit der Einwechslung von Collin Quaner für Wood (71.) auch noch ein glückliches Händchen. Der Angreifer nutzte einen Patzer von Ex-Unioner Dominic Peitz, der den Ball amateurhaft vertändelte, und vollendete mit einem überlegten Schuss in den rechten Winkel (77.). KSC-Torwart Dirk Orlishausen war ohne Chance.

Dass Lewandowski noch nicht genug hatte, sondern auch die Geister der Vergangenheit gleich im ersten Spiel verdrängen wollte, bekam dann Kreilach zu spüren. Bloß nicht noch ein Gegentor, selbst wenn dieses am Erfolg der Berliner wohl nichts mehr geändert hätte. Auch dies gelang. „Ich habe mich gefreut, dass wir Sachen gesehen haben, die wir vorher besprochen haben. Dass das alles noch nicht gefestigt sein kann, ist normal“, bilanzierte Lewandowski. Der Anfang ist jedoch gemacht.