Zweite Liga

Union setzt auf die glorreichen Sieben

Für Union beginnt mit dem Spiel in Heidenheim die wichtigste Phase der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch die Hürden sind hoch.

Union setzt auch in Heidenheim auf den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft

Union setzt auch in Heidenheim auf den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Sicherlich gibt es bessere Momente, um als frisch gekürter Kapitän des 1. FC Union die Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten aufs Spielfeld zu führen. Doch weder die sportliche Situation der Köpenicker – Union ging als Tabellen-15. in den 13. Spieltag – noch die Übernahme des Amtes von Damir Kreilach werden vom Abwehrspieler so beabsichtigt gewesen sein.

Was nicht heißt, das sich Kessel am Sonnabend im Spiel beim 1. FC Heidenheim der Verantwortung entzieht. Im Gegenteil, der 28-Jährige geht voran, und will auch vorangehen. So ging der erste Appell auch an den immer wieder beschworenen Teamgeist: „Jeder muss sein Ego zurückstellen.“

Es ist die wohl wichtigste Phase in der jüngeren Vereinsgeschichte, die Union bevorsteht. „Man sagt immer so schön, dass man von Spiel zu Spiel denken muss“, sagte Kessel: „Wir müssen uns ein bisschen Luft nach unter verschaffen bis zum Winter. Dann wird der Verein sicher auch einige Maßnahmen ergreifen. Wir aber müssen den totalen Fokus auf die letzten sieben Spiele legen.“ Geht es nach den Köpenickern, werden es die glorreichen Sieben, die aus einem gefühlt fast aussichtslosen Unterfangen eine Geschichte mit Happy End werden lassen. Sprich: Union zumindest ins gesicherte Mittelfeld führen.

Spielerische Weiterentwicklung ist auf Eis gelegt

„Derzeit geht es nicht mehr um die spielerische Weiterentwicklung“, machte auch Union-Trainer Sascha Lewandowski deutlich. Es gehe darum, den mageren elf Zählern so viele wie möglich hinzuzufügen. „Wir haben vier Auswärtsspiele, und drei davon sind brutal hohe Hürden“, sagte Lewandowski. Die erste davon steht schon am Sonnabend in Heidenheim. Die Ost-Württemberger sind die heimstärkste Mannschaft der Liga, vier der sechs Auftritte wurden gewonnen, keines verloren.

Was in Heidenheim entstanden ist, „ist eng mit Frank Schmidt verbunden“, erklärte Lewandowski. Der Union-Coach absolvierte zusammen mit dem 41-Jährigen die Trainerausbildung, beide kennen sich gut. „Er war nicht einfach nur ein Kollege, sondern auch Kurssprecher“, erzählte Lewandowski.

Schmidt verpasste dem Vorjahres-Aufsteiger eine klare, einfache, aber effektive Spielweise. Jedenfalls so effektiv, um nach einem Drittel der Spielzeit in Schlagdistanz zu den Spitzenmannschaften zu liegen.

Bochum und Freiburg sind die nächsten schweren Auswärtsgegner

Die darauf folgenden Auswärtsfahrten haben es nicht weniger in sich. Zunächst geht es nach Bochum (20. November), wo der VfL seine Anhänger trotz seines derzeit leichten Tiefs von der Bundesliga träumen lässt. Und am 5. Dezember wartet kein Geringerer als der SC Freiburg auf die Berliner. Freiburg, der Bundesliga-Absteiger, der mit aller Macht zurück ins Oberhaus drängt.

Lewandowskis Einschätzung der Leistungsfähigkeit der eigenen Mannschaft lässt wiederum wenig Spielraum für Optimismus. „Wir müssen am Spieltag so funktionieren, dass wir eine Macht sind. Da haben wir noch ein großes Stück vor uns“, sagte der 44-Jährige. Die vergangenen Auftritte hatten die immer wieder als gut bewerteten Trainingseindrücke nicht bestätigt.

Wie man in Heidenheim erfolgreich sein kann, weiß immerhin Unions neuer Kapitän. Mit Eintracht Braunschweig trat Kessel in der vergangenen Saison zweimal gegen den damaligen Aufsteiger an. „Und wir haben sechs Punkte geholt“, erinnert er sich an ein 3:0 daheim und ein 1:0 auswärts. Und an ein durchaus mühsames Gastspiel. „Das sind immer eklige Spiele in Heidenheim. Sie stehen sehr kompakt, lassen ganz wenig zu. Wir müssen schauen, dass wir zumindest nicht mit leeren Händen zurück nach Berlin reisen.“

Nur so können die glorreichen Sieben – ähnlich wie der Western-Klassiker von John Sturges – auch für Union zu einem Erfolg werden.