Verfolgerduell

Union und die große Sehnsucht nach einem Sieg auf St. Pauli

Noch nie konnte der 1. FC Union beim FC St. Pauli gewinnen. Nun soll der Fluch am Millerntor endlich besiegt werden. Die Voraussetzungen für den Berliner Zweitligisten sind dafür besser denn je.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Die Sehnsucht beim 1. FC Union ist groß. Die Sehnsucht, endlich auch einmal beim FC St. Pauli nicht nur guter Gast, sondern auch ein erfolgreicher zu sein. Noch nie haben die Köpenicker Kicker am Millerntor gewonnen, in den bisherigen sechs Pflichtspielen seit 2003 sprangen lediglich drei Unentschieden heraus. Das soll sich am Montagabend (20.15 Uhr, Sport1 und Sky) ändern. Und die Voraussetzungen dafür sind so gut wie nie zuvor.

Stichwort Auswärtsstärke. In den vergangenen Jahren war Union vor allem eines: ein gern gesehener Gast. Zum einen, weil stets ein großer Tross an Fans mitreist. Zum anderen überließ der Berliner Fußball-Zweitligist die Punkte in schöner Regelmäßigkeit den Hausherren.

Das hat sich in dieser Saison geändert. Mit jeweils vier Siegen und vier Remis hat Union aus den bisherigen elf Auswärtsspielen 16 Punkte geholt – so viele wie noch nie in Liga zwei vor dem 23. Spieltag. Damit ist das Team von Trainer Uwe Neuhaus jetzt schon besser als in allen vier Spielzeiten zuvor am Saisonende.

Gute Mischung aus Entspannung und Anspannung

„Das ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Saison“, sagte Innenverteidiger Mario Eggimann: „Dass bei Union in den Heimspielen viele Spiele gewonnen werden, weiß man.“ Dass die Berliner nun auch auf des Gegners Platz überzeugen können, ist neu. Eggimann spricht von einem „Mix aus Entspannung und Anspannung“, den das Team zu nutzen weiß. „Wir müssen die Wochen jetzt einfach genießen. Ich denke, es gibt andere Mannschaften, die mehr Druck haben als wir“, erklärte der Schweizer mit Blick auf den möglichen Bundesliga-Aufstieg.

Hinzu kommt St. Paulis derzeitige Heimschwäche. Die vergangenen drei Partien gegen Köln (0:3), Karlsruhe (0.2) und Bochum (0:1) wurden allesamt verloren, noch dazu ohne eigenen Treffer. Das nimmt die Hanseaten zusätzlich in die Pflicht.

„Sicher wird uns St. Pauli unter Druck setzen. Dann wieder zum eigenen Spiel zu finden, ist eminent wichtig. Ich gehe davon aus, dass das Spiel lange auf der Kippe steht“, sagte Neuhaus: „Vielleicht will sich St. Pauli auch den schlechten Platz zunutze machen und uns früh abholen.“ Der Zustand des Rasens am Millerntor genügt in der Tat kaum Profianforderungen.

Großer Respekt vor Torsten Mattuschka

Stichwort Torsten Mattuschka. Wenn es einen Union-Spieler gibt, vor dem man auf St. Pauli höchsten Respekt hat, dann ist es der Kapitän. Aus gutem Grund, war Mattuschka seit Unions Zweitliga-Rückkehr 2009 doch an acht der 16 Treffer gegen die Hamburger direkt beteiligt (fünf Tore, drei Assists).

In guter Erinnerung ist dabei sein Doppelpack beim letzten Gastspiel in der Hansestadt. Mit zwei unglaublichen Fernschüssen sicherte Mattuschka seinem Team ein 2:2. Und beim bislang letzten Aufeinandertreffen in der Alten Försterei (3:2) war es sein Elfmeter, der Union nach einem schnellen 0:2-Rückstand wieder zurück ins Spiel brachte, und seine Vorlage, die Adam Nemecs Kopfball zum Ausgleich ermöglichte.

„Mattuschka ist schon ein Ausnahme-Spieler in der Zweiten Liga. Es ist schwer, ihn 90 Minuten aus dem Spiel zu nehmen und dafür zu sorgen, dass er möglichst wenig Torabschlüsse hat“, sagte FC-Torwart Philipp Tschauner.

Union ist in der Rückrunde noch ungeschlagen

Stichwort Konstanz. Neben dem SC Paderborn ist Union die einzige Mannschaft in der Liga, die in der Rückrunde noch ungeschlagen ist. Das schafft Selbstvertrauen und ist ein Pfund im Aufstiegsrennen. Zumal der Karlsruher SC am Sonntag beim 0:1 in Aalen die erste Pleite in dieser Halbserie kassierte.

Eggimann misst in diesem Zusammenhang vor allem den beiden Unentschieden gegen Dresden (0:0) und in Düsseldorf (1:1) eine große Bedeutung zu. „Ich sage immer, wie wichtig es war, keines dieser beiden Spiele verloren zu haben. Über diese Unentschieden haben wir uns in die Rückrunde reingekämpft. Wenn wir uns hängen gelassen hätten, wären wir nicht da, wo wir jetzt sind“, so der Schweizer.

In jedem Fall erwartet Union wieder ein Spektakel am Millerntor. Das Stadion wird mit knapp 30.000 Zuschauern voll besetzt sein, rund 3000 Union-Fans werden erwartet. „Der unerschütterliche Optimismus, dieses Unterstützen bis zum Schluss, das ist dort auch sehr ausgeprägt. Deswegen macht es in einer solchen Atmosphäre immer Spaß“, sagte Trainer Neuhaus. Erst recht, wenn dort endlich der erste Sieg gelingt.