Kirn im Landkreis Bad Kreuznach – eine beschauliche Kleinstadt mit rund 8500 Einwohnern in Rheinland-Pfalz, nicht wirklich verdächtig, zentraler Ausgangspunkt der Nation für große Karrieren zu sein. Gut, Frank Farian wurde hier geboren, einer der größten Musikproduzenten, die Deutschland hervorgebracht hat. Berühmte Profisportler suchte man bislang jedoch vergeblich.

Einer, der diese Lücke in der Stadtchronik zu füllen versucht, steht gut gelaunt in den Katakomben der Haupttribüne des Stadions an der Alten Försterei, als er seine Emotionen offen legt. „Besser gefühlt als momentan habe ich mich noch nicht“, sagt Fabian Schönheim.

Der Pfälzer Dialekt ist nicht zu überhören, wenn der 27-Jährige spricht, höflich, so wie es seine Art ist. Mit seinen stattlichen 1,91 Metern Körpergröße, dem kurzen schwarzen Haar und seinen braunen Augen verkörpert Schönheim den Typ Schwiegermutters Liebling. Es passt, dass sein Geburtstag der 14. Februar ist – Valentinstag.

Kopf an Kopf mit dem gegnerischen Angreifer

Doch es gibt auch den anderen Fabian Schönheim. Den, der als Innenverteidiger beim 1. FC Union kompromisslos seine Arbeit verrichtet. Der sich schon mal Kopf an Kopf stehend die gegnerischen Angreifer vornimmt. Oder den Ball andeutungsweise anspuckt, damit dieser den Weg vom Elfmeterpunkt nicht ins eigene Tor findet. Von wegen Schwiegermutters Liebling, wenn Schönheim seinen Dienst für den Berliner Fußball-Zweitligisten verrichtet, ist er stets „on fire“, wie er es selbst nennt.

„Ich habe inzwischen ein ganz gutes Feeling für die Mannschaft. Wenn ich merke, dass sie es braucht, dann quillt es auch mal aus mir heraus“, begründet Schönheim sein zweites Gesicht, das des kämpfenden, aggressiven Fußball-Profis. Oder es hält ihn gar nicht mehr hinten, so wie zuletzt gegen den FSV Frankfurt. Den Ball geschnappt und in die Hälfte des Gegners getrieben, Doppelpass mit Torsten Mattuschka gespielt und eiskalt den 2:0-Endstand erzielt.

„Ich glaube, wenn ich vor die Kiste komme, bin ich schon in der Lage, das Ding einzuschieben“, sagt Schönheim nur, mit einer Mischung aus Selbstvertrauen und Bescheidenheit. Und: „Ich versuche, mich so gut wie möglich einzubringen und der Mannschaft zu helfen. Ich denke, das mache ich ganz gut. Das ist offensichtlich auch die Meinung des Trainers, sonst würde er mich nicht spielen lassen.“ In dieser Saison waren es 19 Einsätze, alle über die volle Distanz. Nur zum Ende des Jahres 2013 setzte ihn ein Muskelfaserriss für drei Spiele matt.

Vertrag bis 2015, gültig auch für die Bundesliga

„Dass er einen guten Torabschluss hat, zeigt er auch oft im Training“, sagte Coach Uwe Neuhaus über seine Innenverteidiger, den er im Sommer 2012 vom Bundesligisten FSV Mainz ausgeliehen hatte und den er ein Jahr später mit einem Vertrag bis 2015 ausstattete, gültig auch für die Bundesliga. Dorthin will Schönheim wieder zurück.

An der Seite von Mario Eggimann zeigt er, wie ernst es ihm damit ist. Wohl wissend, dass er mit dem 33-jährigen Schweizer einen wichtigen Mitspieler an seiner Seite weiß. „Er hilft mit seiner Erfahrung natürlich ungemein. Ich nehme das auch gerne an, weil ich von ihm nur lernen kann. Ich glaube, dass wir uns ganz gut abgestimmt haben und ein gutes Duo bilden. Wenn wir zu Null spielen, ist das sicherlich auch ein gutes Lob für uns“, sagt Schönheim.

Dass er selbst längst noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist, musste er erst vor anderthalb Wochen erfahren, als ihm in Düsseldorf (1:1) der Fehler zum 0:1 passierte. „Das war auch ein Assist“, kann Schönheim inzwischen darüber lachen, um im nächsten Spiel wieder seine gewohnte Leistung zu bringen. „Man hat nicht den Druck, dass man gleich raus ist, wenn man einen Fehler macht. Wenn man dieses Vertrauen bekommt, kann man auch freier aufspielen. Das Gefühl habe ich bei Union.“

Die für ihn wichtigste Person ist und bleibt jedoch seine Frau Laura. „Sie spielt eine große Rolle. Damit ich gute Leistungen bringen kann, gehört sie auf jeden Fall dazu.“ Die Voraussetzungen, seine Geburtsstadt Kirn landesweit bekannt zu machen, könnten also kaum besser sein.