Zweite Liga

Union sieht sich für Verfolgerduell auf St. Pauli gerüstet

Bislang hat sich keine Mannschaft neben dem 1. FC Köln im Aufstiegsrennen absetzen können. Union hat nun auf St. Pauli die große Chance, sich weiter nach vorn zu schieben. Dank einer einfachen Methode.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Noch ist nicht entschieden. Das liegt schon in der Natur der Sache, schließlich ist nach 23 Spieltagen noch keine Mannschaft aus der Zweiten Liga aufgestiegen. Die aktuelle Saison ist jedoch ein Beleg dafür, dass es bis zum letzten Spieltag ein Rennen um den zweiten Aufstiegsplatz und Relegationsplatz drei geben kann. Oder anders ausgedrückt: Will denn keiner aufsteigen?

Selbst der 1. FC Köln, souveräner Spitzenreiter des Klassements, gab sich am Sonnabendnachmittag mit einem 2:2 (0:1) bei Erzgebirge Aue eine Blöße, auch wenn sich die Geißbock-Elf nach einem 0:2-Rückstand als moralischer Sieger fühlen darf. Dahinter jedoch sind es gleich sieben Vereine, die sich berechtigte Hoffnungen auf den Sprung in die Bundesliga machen dürfen, mittendrin der 1. FC Union.

Weil es keine Mannschaft schafft, den Kölnern zu folgen und sich von der Konkurrenz abzusetzen. „Es ist ein Trugschluss, wenn man glaubt, Kaiserslautern ist zu Hause schwieriger als Aalen. Es ist jede Woche immer wieder ein Test, ob wir schon so wir sind und es schaffen können“, sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus vor der Partie am Montag beim FC St. Pauli.

Für Kaiserslautern gerät der Aufstieg in Gefahr

Die Hamburger sind ein Beleg dafür, wie verrückt es im Aufstiegsrennen zugeht. Nach der Hinrunde lag der FC noch drei Zähler vor Union, inzwischen liegen die Köpenicker einen Punkt vor St. Pauli. Oder der 1. FC Kaiserslautern. Als Tabellendritter gingen die Pfälzer in die Winterpause, schlugen im ersten Spiel das Jahres sogar den damaligen Ligazweiten Fürth (2:1).

Danach setzte es Niederlagen in Aue (0:1), gegen Aalen (1:2) und nun beim abgeschlagenen Schlusslicht Cottbus (0:1) – der Aufstieg ist für den FCK, inzwischen nur noch Siebter, massiv in Gefahr. „Jetzt weht uns ein frischer Wind ins Gesicht“, sagte FCK-Vorstandsboss Stefan Kuntz.

Bislang verschont von solchen Schwankungen im Jahr 2014 ist: Union. Mit fünf von neun möglichen Punkten hat Union mit den Mitbewerbern Schritt gehalten. Lediglich der SC Paderborn ist an allen vorbeigestürmt. Das 4:1 am Freitag in Bochum erhöhte das Punktekonto auf zehn, gleichbedeutend mit Platz zwei. Es ist Mario Eggimann, der eine einfache, aber durchaus wirkungsvolle Herangehensweise verdeutlicht. „Es klingt zwar blöd, so etwas zu sagen, aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Ich glaube, dass dies die richtige Lösung ist“, erklärte der Schweizer.

Trainer Neuhaus stutzt Stürmer Nemec zurecht

Es ist besser, die Tabelle nur am Rande wahrzunehmen, um nicht feststellen zu müssen, welche Chance vergeben wurde, wenn es mal nur zu einem Remis reicht. Stattdessen gilt es, in der täglichen Trainingsarbeit nicht auch nur ein Prozent nachzulassen. Sonst ist einem der Zorn des Übungsleiters gewiss. „Wenn wir mit solch einer Einstellung auftreten, brauchen wir gar nicht erst hinzufahren“, stutzte Trainer Neuhaus Stürmer Adam Nemec zurecht. Der Angreifer war nur halbherzig in einen Zweikampf gegangen.

Dabei muss die Devise lauten: Sofort wieder aufstehen und weitermachen. Das gilt auch für das restliche Saisondrittel. Punktverluste sind sofort abzuhaken, um die Konzentration auf den nächsten Gegner und die nächste Siegchance nicht zu schmälern.

Union jedenfalls, das hat die gute Leistung zuletzt beim 2:0 gegen den FSV Frankfurt gezeigt, scheint mit der Methode des Nur-auf-sich-schauens einen erfolgreichen Weg gefunden zu haben. „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert“, unterstrich Coach Neuhaus den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen. Doch zugleich warnte er auch: „Ob es jetzt noch einmal eine Steigerung gibt, weiß ich nicht.“

„Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt richtig drin sind in der Rückrunde“

Das Selbstvertrauen, um noch eine Schippe draufzulegen, ist auf jeden Fall vorhanden. „Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt richtig drin sind in der Rückrunde und das auch auf dem Platz ausstrahlen“, sagte Eggimann. Was nicht bedeutet, dass Union am Montagabend im voll besetzten Millerntor überheblich auftreten wird.

„Ich glaube, dass in den nächsten Wochen keine Vorentscheidungen fallen werden. Die eine oder andere Mannschaft, die zu wenig Punkte holt, wird dann nicht mehr ganz so dicht dran sein“, sagte Neuhaus. In Kaiserslautern weiß man nach der Pleite in Aue ein Lied davon zu singen. Fakt ist nur eines: Entschieden ist in dieser Zweitliga-Spielzeit noch lange nichts.