Am Ende wussten alle, wem sie Lob zu zollen hatten. „Daniel Haas hat uns den Punkt festgehalten“, sagte Martin Dausch, Mittelfeldspieler des 1. FC Union. „Wir können uns bei Haas bedanken“, wusste auch Kapitän Torsten Mattuschka, wer beim 0:0 gegen Dynamo Dresden der beste Mann beim Berliner Fußball-Zweitligisten gewesen ist.
Der so Gelobte wollte dann auch nicht lange mit seinen Emotionen hinter dem Berg halten. „Dass wir kein Tor kassiert haben, ist sicherlich gut“, meinte Haas, „aber ich werde nicht mit einem Lachen nach Hause gehen.“
So viel hatte sich die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus zum Start nach der Winterpause vorgenommen. Ostderby, noch dazu in der heimischen Alten Försterei vor 21.717 Zuschauern. Und dann der Dämpfer gegen Dynamo. „Wir hatten uns sicher vorgestellt, den Platz als Sieger zu verlassen“, stimmte auch Michael Parensen ins Klagelied ein. So verlor Union jedoch zwei Zähler im Kampf um die Aufstiegsplätze. Eben jene Punkte liegen die Köpenicker nun hinter dem 1. FC Kaiserslautern, der Rang drei durch ein 2:1 im Spitzenspiel beim Tabellenzweiten Greuther Fürth festigte.
Beide Fanlager verhalten sich positiv
Dabei war alles gerüstet für das erste Fußballfest des Jahres in Köpenick. Prächtige Stimmung auf den Rängen, sowohl auf Berliner wie auf Dresdner Seite. Beide Seiten konzentrierten sich auf die Unterstützung der eigenen Mannschaft anstatt auf Schmähungen oder gar Randale. Bei der Anreise verlief alles weitgehend ruhig. Die 800 Dynamo-Anhänger, die per Sonderzug angereist waren, nutzten die bereitgestellten Bus-Shuttles.
Auch bei der Abreise blieb alles in geregelten Bahnen. Die insgesamt 1000 eingesetzten Polizeibeamten und 300 Ordnungskräfte im Stadion verlebten einen entspannten Nachmittag. Ein Verhalten, wie man es sich wünscht, erst recht bei einem Hochsicherheitsspiel.
Was fehlte, war eine Partie, die dem Rahmen gerecht wurde. Dabei dürfen sich vor allem die Unioner angesprochen fühlen. Parensen, der im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Baris Özbek erhalten hatte, versuchte sich an einer Erklärung: „Wir waren zu behäbig im Umschaltspiel, haben zu oft das Anspiel verpasst. Da müssen wir uns fragen, woran es liegt.“ Mattuschka sah einen Grund im wachen Auftreten der Dresdner: „Sie waren sehr aggressiv und haben die Räume eng gemacht.“
Nemec vergibt Unions beste Torchance
Es ist bezeichnend, dass Union in der gesamten zweiten Halbzeit nicht eine wirkliche Torchance herausspielte. Die beste Chance zur Union-Führung vergab Adam Nemec nach bereits vier Minuten. Der Slowake tauchte allein vor dem Tor der Gäste auf, scheiterte jedoch beim Versuch, Torwart Markus Scholz zu überlupfen. Dabei hatte Scholz beim Herauslaufen aus seinem Tor sogar noch gezögert, Nemec wusste dies jedoch nicht zu nutzen.
Auf der anderen Seite rückte Haas in den Mittelpunkt. Nach einem Konter stand er beim Schuss von Zlatko Dedic goldrichtig (55.), kurz darauf klärte er gegen Thorsten Schulz (60.), Vincenzo Grifo (62.) und Dynamo-Kapitän Romain Bregerie (66.). „Wir sind ein bisschen zu oft in die Konter gelaufen“, so Haas.
Als schließlich auch die letzte Möglichkeit, ein 25-Meter-Freistoß von Mattuschka, links am Dynamo-Tor vorbeiflog (86.), war klar: Union muss sich mit einem Punkt zufrieden geben. „Nächste Woche in Düsseldorf wollen wir die Punkte zurückholen“, wollte der Kapitän das Ostderby schnell vergessen. Und lieber auf die verbleibenden 14 Saisonspiele setzen.





