Die Polizeibeamten kamen bereits um sechs Uhr, und sie waren nicht wegen eines Freundschaftsbesuchs in den frühen Morgenstunden unterwegs. Es ging um die Aufklärung jener schweren Ausschreitungen, die das Freundschaftsspiel des 1. FC Union am 25. Januar bei Djurgardens IF Stockholm überschattet hatten.

Mit entsprechenden Beschlüssen der Staatsanwaltschaft Berlin ausgestattet, durchsuchten rund 130 Beamte am Donnerstagmorgen unter der Leitung des Landeskriminalamtes 71 insgesamt 31 Objekte in Berlin und Brandenburg. Die Polizei hatte zuvor 32 Verdächtige ermittelt, die an der Randale in Stockholm beteiligt gewesen sein sollen.

Dabei wurden umfangreiche Beweismittel wie Speichermedien und Kleidungsstücke sichergestellt. Bei 20 Tatverdächtigen wurden erkennungsdienstliche Maßnahmen durchgeführt, sprich Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen und Personenbeschreibungen aufgenommen. Gegen alle Verdächtigen wird wegen des Verdachts des besonders schweren Landfriedensbruchs ermittlet.

„Eine Hausnummer, die ich bei Union noch nicht erlebt habe“

Eine Großrazzia solchen Ausmaßes hat es in den vergangenen Jahren in Berlin nicht gegeben. „Das ist eine Hausnummer, die ich in zehn Jahren bei Union noch nicht erlebt habe“, sagte Anwalt Dirk Gräning, „ohne das bewerten zu wollen.“ Das Aufsichtsratsmitglied der „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG vertritt seit einem Jahrzehnt die Fans des Köpenicker Klubs.

Die große Zahl der eingesetzten Polizeibeamten dürfte in der Tatsache begründet liegen, dass die Vorkommnisse im Ausland stattgefunden haben. Somit wird es ein gesteigertes Interesse daran geben, die Vorfälle so schnell wie möglich und so genau wie möglich aufzuklären. Die hohe Zahl der von den Behörden ermittelten Verdächtigen ist auf die Personenzahl zurückzuführen, die das Union-Testspiel in Stockholm im Chaos hatte enden lassen.

Vor einem Monat hatten gut 100 Chaoten unter den rund 1000 mit nach Stockholm gereisten Anhängern den Platz gestürmt. Auslöser dafür war ein Banner mit Namen und Logo des früheren Stasi-Klubs BFC Dynamo, welches im Block der Djurgarden-Fans aufgehängt wurde. Auf dem Spielfeld wurden die Berliner Randalierer von schwedischen Chaoten mit Pyrotechnik beschossen. Die Partie musste nach 73 Minuten beim Stand von 1:1 abgebrochen werden, nachdem auf beiden Seiten wiederholt Pyrotechnik gezündet worden war. Im Anschluss kam es vor dem Stadion zu weiteren Ausschreitungen zwischen Hooligans und der Polizei.

Union erwägt, auch finanzielle Ansprüche geltend zu machen

Der 1. FC Union begrüßte die Großrazzia. „Wir hoffen, dass die Ermittlungen zügig abgeschlossen werden und Straftäter ermittelt werden“ sagte dazu Unions Pressesprecher Christian Arbeit. Der Zweitligist selbst hatte angekündigt, hart durchzugreifen. Die Zahl der Stadionverbote, von denen Union momentan 62 verhängt hat, dürfte sich drastisch erhöhen. „Die Jungs und Mädels werden in den nächsten Jahren kein Fußballspiel mehr besuchen“, hatte Union-Präsident Dirk Zingler nur wenige Tage nach den Ausschreitungen deutlich gemacht.

Selbst die Möglichkeit, finanzielle Ansprüche auf zivilrechtlichem Weg geltend zu machen, schließt der Klub nicht mehr aus. Dies unterstrich er bei der unlängst verhängten 45.000-Euro-Strafe durch den DFB-Kontrollausschuss wegen des Werfens von Gegenständen auf das Spielfeld und des Abbrennens von Pyrotechnik.

In der Fanszene der Köpenicker wird inzwischen nach Möglichkeiten gesucht, wie man künftig positiv auf das Klima im Fanblock einwirken kann. Bei einem extra einberufenen Fanclubtreffen Mitte des Monats wurden erste Möglichkeiten diskutiert.