Zweite Liga

Union beweist seine Willensstärke gegen den FC St. Pauli

Das Kopfballtor brachte den Sieg: In der 86. Minute traf Simon Terodde und sorgte für das 3:2. Die Köpenicker rannten, kämpften und spielten die Hamburger im Kultduell der Liga nieder.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Da kannte auch Daniel Haas kein Halten mehr. Mit großen Schritten kam der Torwart des 1. FC Union herangespurtet, zur Eckfahne in der gegnerischen Hälfte. Dort, irgendwo mittendrin im rot-weißen Knäuel, wurde Simon Terodde gefeiert. Für sein Kopfballtor in der 86. Minute, für den Siegtreffer im Zweitliga-Spiel gegen den FC St. Pauli. Mit 3:2 (1:2) gewannen die Köpenicker, rannten, kämpften und spielten die Hamburger im Kultduell der Liga nieder – und wurden mit Rang zwei, der zumindest bis Sonntagnachmittag Gültigkeit hat, belohnt.

Es wurde gefeiert in der Alten Försterei. 21.717 Zuschauer hatten das Schmuckkästchen schon vor der Partie in die Farben Rot und Weiß getaucht. Es sollte keinen Zweifel geben, wer den Rasen als Sieger verlassen würde. Nach spannenden, hart umkämpften, aber immer fairen 90 Minuten versuchte sich Torsten Mattuschka an einem Fazit. „Das war heute Union“, sagte der Kapitän. Wohl wissend, dass ein hartes Stück Arbeit hinter ihm lag.

Es war Mattuschka, der seine Mitspieler gegen seinen Lieblingsspieler schon nach knapp sechs Minuten aufrichten musste. denn kaum dass die Partie begonnen hatte, lag Union zurück. „Die Gefühlslage war nach dem 0:2 angespannt“, berichtete Trainer Uwe Neuhaus hinterher. Erleichterung ist wohl der Begriff, der die Emotionen des Übungsleiters am besten wiedergibt. Der Coach hatte der gleichen Formation vertraut, die zuletzt 1:1 in Frankfurt spielte – bis auf eine Änderung: Für den verletzten Mario Eggimann (Halsmuskelzerrung) rückte Christian Stuff in die Innenverteidigung. Der Schuss ging zunächst nach hinten los.

Stuffs Dank an die Mannschaft

„Ich weiß schon, was das für eine erste Halbzeit war, und will die auch so schnell wie möglich abhaken“, mochte sich Stuff nur bedingt über den Sieg freuen. Stattdessen dankte er seinen Teamkollegen: „Ich habe mich bei den Jungs schon bedankt, die haben etwas gut, können sich etwas aussuchen.“ Dass sie dem Abwehrrecken eine Feier aus den Rippen leiern, bei der er ordentlich zahlen muss, befürchtet Stuff zwar nicht. Gründe dafür gab es jedoch genug, zwei schwerwiegende, um genau zu sein.

Gerade einmal 28 Sekunden waren gespielt, die letzten Klänge der Union-Hymne von Nina Hagen noch nicht verklungen, das jubelten schon die Hamburger. Fin Bartels hatte eine Unachtsamkeit Stuffs („Plötzlich war der Ball weiter weg, als ich gedacht habe“) ausgenutzt, den Ball von links in den Strafraum gepasst, wo er mit John Verhoek einen dankbaren Abnehmer fand – 0:1. Knapp fünf Minuten später ließ sich Stuff von Bartels vernaschen, St. Paulis Offensivmann schaute kurz, und schlenzte zum 0:2 ein.

Vorwürfe aus den Reihen der Spieler? Fehlanzeige. „Fehler passieren, und wir hatte ja noch 85 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen“, sagte Mattuschka. Gesagt, getan. Weil Union sich nach 20 Minuten ins Spiel reingebissen hatte. Weil mit dem Kapitän ein echter Antreiber auf dem Platz stand, der auch beim Anschlusstreffer per Elfmeter (36., Thorandt hatte Brandy gefoult) die Nerven behielt. Und weil sich Adam Nemec mehr und mehr zur Tormaschine entwickelt. Mustergültig war sein Kopfball zum 2:2 nach einer Mattuschka-Ecke in der 58. Minute.

Den Sieg eingewechselt

Es war schon erstaunlich, wie St. Pauli die Partie nach der Führung aus der Hand gab. „Wir haben heute Lehrgeld bezahlt“, meinte Coach Michael Frontzeck: „Es geht nicht, dass wir uns im gegnerischen Stadion auskontern lassen.“ Einzig Torwart Philipp Tschauner war es zu verdanken, dass Union nicht längst führte, mit Glanztat in Minute 56, als er gegen den frei stehenden Benjamin Köhler mit einem Reflex klärte.

Zwei Wechsel Mitte der zweiten Halbzeit unterstrichen, dass Union mehr wollte als nur einen Punkt, und St. Pauli sich mit eben diesem zufrieden gab. Neuhaus löste nach 67 Minuten die Doppelsechs auf, brachte mit Terodde für Damir Kreilach einen zweiten Stürmer, Frontzeck entschied sich mit Florian Kringe für Marc Rzatkowski für eine defensivere Ausrichtung. Dann kam die 86. Minute Und nicht nur für Torwart Haas gab es dann kein Halten mehr.