Zwischenbilanz

Beim 1. FC Union ist noch jede Menge Luft nach oben

Die Köpenicker haben mit dem siebten Platz ihr Saisonziel erreicht. Doch zufrieden können Trainer Neuhaus und seine Mannschaft nicht sein.

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Eine der zahlreichen Fußballweisheiten besagt: Die Tabelle lügt nicht. Also werfen wir flugs einen Blick auf das Klassement der Zweiten Liga und stellen fest – der 1. FC Union liegt auf dem siebten Platz. Genau dies ist die untere Grenze jenes Saisonzieles, dass die Köpenicker Kicker vor der Spielzeit ausgerufen hatten. Das klingt nach einer Hinrunde, in der für Trainer Uwe Neuhaus und seine Mannschaft alles nach Plan verlaufen ist.

Die Morgenpost zeigt in ihrer Bilanz, dass dies nicht der Fall gewesen ist.

Punkteausbeute

Sechs Siege, sechs Unentschieden und fünf Niederlagen – 24 Zähler hat Union in den 17 Partien der ersten Saisonhälfte eingesammelt. Das ist nach dem katastrophalen Start in die vierte Zweitliga-Spielzeit unter Neuhaus eine beachtliche Ausbeute. Nicht ohne Grund spricht Mittelfeldspieler Michael Parensen von einer „ordentlichen Hinrunde. Nur die Spiele nach dem Fehlstart betrachtet, war es sogar eine gute.“ Tatsächlich verteilen sich allein 23 Punkte auf die vergangenen zwölf Spiele – nur Lokalrivale Hertha BSC (26.) und Spitzenreiter Eintracht Braunschweig (25) kommen in dieser Zeit auf bessere Werte.

Versöhnlich stimmt den Trainer dies dennoch nicht. „Mir fehlen fünf bis sechs Punkte“, sagte Neuhaus. Zu sehr wurmt ihn immer noch, dass man zum Auftakt in Kaiserslautern in einem guten Spiel einen 2:0-Vorsprung noch verspielt hat (Endstand 3:3). Dass es gegen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht derart stabile Braunschweiger ein 0:1 setzte. Es sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass Union durchaus Glück gehabt hat in der Hinrunde. Wie beim Remis auf St. Pauli (2:2) dank Mattuschkas Sonntagsschuss. Oder beim Zittersieg gegen den FSV Frankfurt (1:0).

Die Zwischenbilanz von Ligakonkurrent Hertha BSC - hier

Mannschaft

Gerade als die Saison nach dem verlorenen Derby gegen Hertha (1:2) komplett ins Negative abzurutschen drohte, besannen sich die Neuhaus-Schützlinge auf ihre ureigenste Tugend: den Teamgeist. „Nach dem Fehlstart sind wir noch enger zusammengerückt. Daraus schöpft man Kraft“, unterstrich Mittelfeldspieler Markus Karl: „Wenn man durch solche Tiefen geht, wie wir vor dem Köln-Spiel, wo es richtig gebrannt hat, dann ist man danach immer noch einen Tick stärker.“

Vorletzter mit einem mickrigen Punkt war Union Mitte September gewesen, mit vier Niederlagen in Folge im Gepäck. „Da haben wir uns schon öfter zusammengesetzt und uns die Meinung gegeigt“, erinnert sich Parensen. Auch Dinge im zwischenmenschlichen Bereich wurden angesprochen. Mit dem Ergebnis, dass erfahrene Akteure wie Mattuschka, Patrick Kohlmann oder auch Verteidiger Christian Stuff noch mehr vorangingen. „Die Qualität im Training hat sich auch gesteigert“, verdeutlichte Parensen: „Teamgeist hat Union ja schon immer ausgezeichnet.“ Und er war nach dem Debakel in der zweiten DFB-Pokalrunde (0:2 beim Drittligisten Kickers Offenbach) Anfang November auch bitter nötig, um im Ligaalltag nicht wieder in eine Negativspirale zu geraten. Und um auch Trainer Neuhaus („Die Niederlage war die größte Enttäuschung, seit ich bei Union bin“) wieder ein wenig zu besänftigen.

Qualität

Eines ist nicht von der Hand zu weisen: Fußballerisch bot Union viel zu wenig. Zahlreiche Auftritte fielen höchstens in die Kategorie Mittelmaß. Selbst der Übungsleiter kam nicht umhin festzustellen: „Ich glaube, dass wir spielerisch im vergangenen Jahr besser waren.“ Viel zu oft präsentierten sich die Köpenicker im Spielaufbau behäbig, wurden Kontergelegenheiten zu schlampig zu Ende gespielt. Gerade gegen stark defensiv eingestellte Gegner gab es kaum Ideen, wie man den Riegel knacken könnte. Von einer Mannschaft, die die Plätze fünf bis sieben anvisiert, darf man mehr erwarten.

Die spielerische Qualität zu verbessern, sei es durch entsprechende Übungsformen oder neue Spieler, ist nicht zuletzt Aufgabe des Trainers. Die Sommerzugänge haben jedenfalls noch nicht dazu beitragen können, dass Union einen Schritt nach vorne macht. Trotz der neuen Verteidiger Roberto Puncec und Fabian Schönheim kassierte Union 23 Gegentore – so viele wie keine andere Mannschaft aus den Top 12 und gerade mal eins weniger als zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Spielzeit. Torwart Daniel Haas, ebenfalls erst im Sommer verpflichtet, verhinderte sogar noch Schlimmeres, nicht nur zuletzt gegen Bochum (2:1). Der Schlussmann hegt deswegen zwar keinen Groll, ist „mit unserer Entwicklung zufrieden, auch weil es hier keine Grüppchenbildung gibt, wie man das von anderen Vereinen kennt“. Will Union jedoch im oberen Drittel verweilen, braucht es mehr Stabilität.

Offensiv brachte immerhin Eigengewächs Björn Jopek einigen Schub. Es wäre jedoch falsch, an dem 19-Jährigen die mangelnde Kreativität in der Vorwärtsbewegung festzumachen. Die Chancenverwertung bleibt dennoch ein Manko bei Union. Daran konnte auch Adam Nemec, der nun langsam in Schwung zu kommen scheint, bislang nichts ändern.

Zur Ehrenrettung sei festgehalten, dass mit Felipe Gallegos (Mittelfußbruch) und Björn Kopplin (Schambeinentzündung) zwei Zugänge praktisch die gesamte Hinrunde ausgefallen sind. Gerade von Gallegos erwartet man sich bei Union eine Steigerung der spielerischen Qualität.

Fazit

Union sollte mit dem bislang Erreichten zufrieden sein. Dass es besser geht, kann das Team noch vor Weihnachten gegen Kaiserslautern am Freitag und Braunschweig (17.12.) zeigen. Aber: Die Plätze fünf bis zwölf trennen gerade einmal vier Punkte. Bleiben Erfolge gegen die beiden Aufstiegskandidaten aus, überwintert Union doch nur in der unteren Tabellenhälfte. Gelingt ein guter Start in die Rückrunde, dann ist auch das anvisierte Ziel Platz fünf möglich. Für mehr mehr wird es für Union aber nicht reichen, dafür ist insbesondere das Spitzentrio zu stark.