Einsam brannte ein Scheinwerfer oben am Flutlichtmast. So als wollte er der Sonne irgendwie Paroli bieten. Vielleicht war er auch bewusst vor Spielbeginn eingeschaltet worden, damit die Mannschaft des 1. FC Union nach der Länderspielpause schnell erleuchtet werde, wenn es wieder im Kampf um Zweitliga-Punkte geht. Es blieb ein frommer Wunsch, denn was die Berliner gegen den FSV Frankfurt zeigten, war alles andere als eine Partie, die in keiner Saisonchronik fehlen darf. „Dass es kein schönes Spiel gewesen ist, weiß jeder von uns“, sagte Torsten Mattuschka. Unions Kapitän, zugleich Schütze des einzigen Tores gestern Nachmittag, fügte nach dem 1:0 (1:0) gegen die Hessen aber auch hinzu: „Wir müssen uns nicht schämen für die drei Punkte.“
Ein richtiges Zeichen der Fans
Union feierte den dritten Heimsieg in Folge, blieb zum fünften Mal ungeschlagen und verbesserte sich auf Rang zehn.
Wer geglaubt hatte, die Fans der Köpenicker Kicker würden nach dem Statement gegen das Sicherheitskonzept von DFB und DFL, das sie gemeinsam mit dem Union-Präsidium verfasst und am vergangenen Mittwoch veröffentlicht hatten, erneut in die Offensive gehen, sah sich getäuscht. Bis auf ein kurzes, lautstarkes „Fußballmafia DFB“ aus dem Union-Block wenige Minuten vor dem Anpfiff sowie ein kleines Transparent, gerichtet an Ligaboss Reinhard Rauball („GeRauballter Populismus von den Fans bezahlt, während die eigene Vita im Zwielicht erstrahlt“), gab es keine Schmähungen. Ein wohltuendes Szenario, mehr noch, ein richtiges Zeichen, wenn man in einen respektvollen Dialog mit den Verbänden treten will. Um Längen sinnvoller als die Randale, die die Chaoten von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 vor dem Revierderby angezettelt hatten.
Früher Platzverweis
Union übernahm von Beginn an das Kommando, wie erwartet. Und die Hessen begegneten den Angriffsbemühungen der Hausherren mit zwei Viererketten, ebenfalls wie erwartet. Dann lief die 17. Minute, und das Spiel der Unioner bekam den entscheidenden Knacks. Der Reihe nach. Frankfurts Marc Heitmeier nahm nach einem Union-Eckball die Hand zur Hilfe – Gelbe Karte. Und da der FSV-Mittelfeldspieler nach sechs Minuten wegen eines Fouls schon einmal Gelb gesehen hatte, folgte der Platzverweis. Den fälligen Strafstoß verwandelte Mattuschka, Gäste-Torwart Patrick Klandt ließ sich beim vierten Saisontreffer des Union-Spielführers verladen. Die 15.701 Zuschauer waren zufrieden, doch das Zittern begann.
Dabei war alles wie gemalt für einen lockeren Heimsieg. Union in Überzahl, nach wie vor mit mehr Ballbesitz als der Gegner, dazu die Kulisse im Rücken – was sollte schon groß passieren? Später sagte Unions Torwart Daniel Haas: „Man darf nicht darüber nachdenken, ob man Fehler macht oder nicht.“ Doch seine Teamkollegen taten es offensichtlich. Denn eines sollte unbedingt erhalten bleiben: das Zu-Null. Erstmals sollte der Gegner ohne Torerlebnis bleiben, unbedingt. Und genau dieses Zittern, im entscheidenden Moment vielleicht doch mit einer falschen Aktion dem FSV einen Treffer zu ermöglichen, lähmte die Gastgeber immer mehr.
Man brauchte nur die Reaktionen auf dem Rasen zu beobachten, um festzustellen, dass etwas nicht stimmte. „Spiel doch“, raunzte Mattuschka Innenverteidiger Christian Stuff an, doch der fand niemanden, weil sich viel zu wenig bewegt wurde. Auch Trainer Uwe Neuhaus wurde unruhig. Immer öfter sprang er auf, rief Anweisungen auf den Platz, gestikulierte wie wild, ja sogar die Werbebande hinter ihm wurde beinahe unschuldiges Opfer eines Gefühlsausbruchs. Dann musste er auch noch Talent Björn Jopek sicherheitshalber auswechseln – Gelb-Rot-gefährdet (41.). „Ein zweites Tor wäre für uns sicherlich die Befreiung gewesen“, sagte der Coach. Und gab nach dem Spiel zu: „Vielleicht bin ich auch selber schuld, weil ich in der Halbzeit den Spielern gesagt habe: Für uns steht es immer noch 0:0.“ Es sollte die Mannschaft daran erinnern, weiter hoch konzentriert zu Werke zu gehen. Möglichkeiten, das Spiel frühzeitig zu entscheiden, gab es genug. Doch passend zum Gesamtbild wurden die größten Chancen zum Teil kläglich verschludert (Nemec/23., Stuff/51., Terodde/57. und 66., Belaid/82. und 84., Mattuschka/90.+1).
Im Endeffekt müssen sich die Unioner bei Haas bedanken, dass er bei den meist klug vorgetragenen FSV-Angriffen zur Stelle war. Vor allem Mathew Leckie und John Verhoek waren gefährlich. „Ein Sieg wäre auch mit einem Gegentor schön gewesen. So ist es aber noch schöner“, gab sich der Union-Schlussmann in doppelter Hinsicht erleichtert – doch noch ein Lichtblick.



