Zweitligist

Union-Trainer kündigt Pokalversagern härtere Gangart an

Mit 0:2 verloren die Berliner krachend in Offenbach und flogen aus dem DFB-Pokal. Union-Fans stellten das Team nach dem Spiel zur Rede.

Foto: Nicolas Armer / dpa

Es ist schon ein besonderes Verhältnis, das die Mannschaft des 1. FC Union und die Fans des Fußball-Zweitligisten pflegen. Man kann schon fast von einer Art Symbiose sprechen, in der sich beide Seiten vor allem in den Heimspielen begegnen. Die Rechnung dabei ist einfach: Wer Leistung bringt, bekommt – meist unabhängig vom Spielausgang – Kredit beim treuen Anhang. Einen Teil dieses Kredits hat das Team von Trainer Uwe Neuhaus nun jedoch offensichtlich verspielt.

Das 0:2 von Offenbach, das Aus im DFB-Pokal bei einem Drittligisten, hat deutlich Spuren hinterlassen. Auf allen Seiten. „Für diese Leistung gibt es keine Entschuldigung“, sagte Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter, „nicht für die Massen, die an einem Wochentag mit nach Offenbach gefahren sind.“

Gut 1000 Union-Fans hatten sich am Mittwochabend im Offenbacher Stadion eingefunden. Und sie ließen die Spieler ihren Unmut über die Pleite, vor allem aber über die Art und Weise, wie sich Union aus dem nationalen Cupwettbewerb verabschiedet hat, spüren. Minutenlang standen Christian Stuff oder auch Markus Karl nach 90 enttäuschenden Minuten im Gästeblock. „Die Fans sind natürlich enttäuscht, genau so wie wir“, sagte Stuff: „Sie wollten von uns eine Erklärung, diese hatten sie auch verdient.“

Es sollte erklärt werden, warum es den Zweitliga-Profis nicht gelang, ihrem Status als Favorit gerecht zu werden. Warum sie sich gegen an sich harmlose Offenbacher in der entscheidenden Schlussphase den Schneid abkaufen ließen und sich nicht mit aller Macht gegen das drohende Scheitern stemmten. Schließlich war nach dem 0:1 noch eine Viertelstunde Zeit, um mit der Brechstange wenigstens eine Verlängerung zu erzwingen. Nico Schäfer fasste es treffend zusammen: „Wenn man gegen einen mittelmäßigen Drittligisten spielt, dann muss man anders auftreten.“

Keine Erklärung für fehlendes Aufbäumen

Bei allem spielerischen Fortschritt, den die Mannschaft in der laufenden Saison – wenn auch in noch viel zu geringem Maße – bereits gezeigt hat, nichts erzürnt die Fanseele mehr, als fehlender Einsatz, fehlende Bereitschaft, alles zu geben. Diese Eigenschaften sind – wenn man so will – die Grundlage für das gute Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans. Markus Karl, Unions defensiver Mittelfeldspieler, versuchte sich an einer Erklärung: „Die Offenbacher wollten nicht wirklich mitspielen, sondern haben nur auf Fehler von uns gewartet.“ Das mag den uninspirierten Auftritt vor dem ersten Tor erklären, nicht jedoch das fehlende Aufbäumen danach.

Karl fügte mit Blick auf die letzten 15 Minuten gegen die Kickers hinzu: „Wir haben einfach die Defensivzweikämpfe weggelassen. Das müssen wir schleunigst ändern, sonst erwartet uns in Dresden ähnliches.“ Doch genau dies ist die spannende Frage. Gelingt es dem Trainer und der Mannschaft, vor dem Ostderby, in dem Kapitän Torsten Mattuschka (Schüttelfrost) wohl fehlen wird, wieder den richtigen Kurs einzuschlagen? Neuhaus kündigte jedenfalls an, dass „ich meine Art und Weise gegenüber der Mannschaft deutlich verändern werde“. Inwiefern, das wollte er nicht verraten: „Das wird sie sicherlich irgendwann merken.“ Denn eines ist klar: Eine Niederlage in Dresden verzeihen die Fans erst recht nicht.