Revanche geglückt

2:1-Sieg gegen Union – Hertha ist neuer Stadtmeister

Der 1. FC Union verliert das spannende und intensive Derby. Ronny erzielt den Siegtreffer per Freistoß kurz nach seiner Einwechslung.

Die Hertha-Fans waren obenauf: „Die Nummer eins der Stadt sind wir“, sangen sie. Die Profis in Blau-Weiß tanzten dazu ausgelassen vor dem Gäste-Fanblock. Bei den Profis in Rot-Weiß war die Stimmung gedrückt. Mit hängenden Schultern bedankten sich die „Eisernen“ bei ihren Anhängern für deren frenetische Unterstützung. 2:1 (1:0) hatte Hertha BSC ein packendes, intensives Derby beim 1. FC Union gewonnen. Damit ist dem Favoriten im dritten Anlauf endlich der erste Sieg im Prestigeduell gelungen. Während Union nach der dritten Saisonniederlage auf Platz 16 stehenblieb, kletterte Hertha nach dem zweiten Sieg auf Rang sechs.

„Ich freue mich für unsere Fans, aber vor allem für unsere Mannschaft. Wichtig ist, dass die Mannschaft eine breitere Brust bekommt“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. Manager Michael Preetz freute sich über den Aufstieg in der Tabelle: „Wir haben den Anschluss nach oben hergestellt.“ Gutes Gespür für die Bedeutung des Resultats zeigte Hertha-Kapitän Peter Niemeyer: „Für die Fans sind das mehr als drei Punkte.“

Burchert für Kraft im Tor

Den ersten Aufreger hatte es bereits vor dem Anpfiff gegeben. Eigentlich hatte Hertha die Rückkehr von Thomas Kraft (24) erwartet. Der stand nach abgesessener Vier-Spiele-Sperre auch als Nummer 1 auf dem Spielbogen und machte sich warm. Als es jedoch los ging, stand Sascha Burchert (22) im Tor. Eine Rückenblockade hatte die Zweitliga-Premiere von Kraft zunichte gemacht. Die 16.750 Zuschauer erlebten ein verbissen geführtes Derby. Vorab hatten die Union-Fans ein aufwendige Choreographie gestaltet: „Da hilft kein Gericht im ganzen Land – eines hat für immer Bestand“, dadrüber war ein überdimensionales Foto des letzten Derby-Resultates zu sehen: Hertha – Union 1:2. Dieses Ergebnis liegt zwei Spielzeiten zurück, aktuell war den Gastgebern die Verunsicherung nach dem misslungenen Saisonstart anzumerken. Union geriet von Beginn an unter Druck. Hertha verteidigte weit in der Hälfte des Gegners, so dass Union-Torwart Daniel Haas sehr viele Bälle von seinen Manndeckern zugespielt wurden, die Folge waren weite, wenig genaue Abschläge. Wie nicht anders zu erwarten, wurde um jeden Ball gekämpft.

Bei den Gästen entpuppten sich Niemeyer und Peer Kluge als beinharte Zweikämpfer, von Maik Franz war das ohnehin zu erwarten. Bei Union versuchte Stürmer Adam Nemec mehrfach Schiedsrichter Peter Gagelmann zu einem Freistoß und einer Karte gegen Franz zu bewegen, doch der Unparteiische schüttelte jedes Mal den Kopf. Je länger die erste Hälfte dauerte, desto mehr gewannen die Hertha-Aktionen an Klarheit. Nach 35 Minuten der Lohn: Sandro Wagner luchste dem Unioner Marc Pferzel den Ball im Aufbau ab, bediente Änis Ben-Hatira auf der linken Seite. Der passte flach Richtung Elfmeterpunkt, Kluge ließ den Ball abtropfen, und aus vollem Lauf schob Wagner den Ball unten links ein, 1:0. Eine Kombination wie aus dem Lehrbuch, euphorisch von den Herthanern vor ihrem Fanblock gefeiert.

Die Hausherren brauchten lange für erste gefährliche Angriffe. In der 65. Minute konnte sich Burchert auszeichnen: Reaktionsschnell bekam er seine Hand in eine scharfe Terodde-Flanke. Wenige Sekunden später blieb Burchert so lange gegen den heranstürmenden Patrick Kohlmann stehen, bis ihm der Unioner den Ball in die Beine schoss. Die Hausherren gaben sich nicht geschlagen. Parensen flankte von links, Herthas Hubnik verlängerte im eigenen Fünfmeter-Raum mit dem Kopf – und am zweiten Pfosten hechte Christopher Quiring den Ball ins Tor, 1:1, das Derby war wieder offen (69.).

Parensen droht langer Ausfall

Die Kulisse trieb die Rot-Weißen nun gewaltig nach vorn, während Luhukay ein gutes Händchen bewies. Mit dem Ausgleich wechselte der Hertha-Trainer Ronny (für Wagner) ein. Und der Brasilianer bestätigte den Ruf, der ihm aus seiner Zeit in Portugal vorausgeeilt war: den, ein exzellenter Freistoßschütze zu sein. Ben-Hatira war 24 Meter vor dem Union-Tor zu Fall gebracht worden. Ronny lief an und jagte den Ball durch die Mauer hindurch, der Ball zappelte im Netz, 1:2 (73.). Ein Treffer, wie ihn ganz ähnlich Torsten Mattuschka auf Union-Seite im Februar 2011 ins Hertha-Tor erzielt hatte. Diesmal nicht. Mattuschka hatte seine Freistoß-Chance. Doch Burchert tauchte in die richtige Ecke und wehrte den Ball ab (79.).

In der verbleibenden Spielzeit brachte Hertha das Resultat über die Runden, die Chance auf den dritten Treffer vergab Adrian Ramos leichtfertig mit einem Heber über das Union-Tor (90.). „Wir haben nicht schlecht gespielt“, haderte Mattuschka. „Jetzt haben wir einen Punkt aus vier Spielen, das ist alles andere als schön. Doch wir sind aus solchen Krisen schon öfter herausgekommen.“ Union-Trainer Uwe Neuhaus ärgerte sich über das 1:2. „Jeder weiß, dass Ronny einen Wahnsinnsschuss hat“, sagte er. „Die Niederlage tut richtig weh, denn sie war überflüssig.“ Zudem schied Michael Parensen kurz vor Schluss mit Verdacht auf Schien- oder Wadenbeinbruch aus.

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