Stadtentwicklung

Neues Stadion für Hertha: Senat sucht Platz in Tegel

Der Olympiapark soll es nicht sein. Stattdessen könnte das neue Hertha-Stadion in Tegel entstehen. Aber dort gibt es viele Probleme.

Berlin. In der Diskussion um ein neues Stadion für Hertha BSC wird jetzt eine Alternative zum Olympiapark ernsthaft geprüft. Die Tegel Projekt GmbH, die das Noch-Flughafengelände zu einem Technologiepark und einem angrenzenden Wohngebiet entwickeln soll, ist mit der genaueren Untersuchung von vier Standorten betraut.

Diese Aufgabe erhielt Tegel-Projekt-Chef Philipp Bouteiller diese Woche von einer Runde aus Staatssekretären verschiedener Senatsressorts. Offiziell möchte niemand darüber sprechen, aber mehrere Teilnehmer der Runde bestätigten die Informationen der Berliner Morgenpost.

Innensenator erteilte Hertha-Stadion am Olympiastadion Absage

Damit folgt Berlin einer Aussage des Sportsenators Andreas Geisel. Der Sozialdemokrat hatte dem von dem Bundesligisten für sein reines Fußballstadion bevorzugten Standort am U-Bahnhof Olympiastadion eine Absage erteilt.

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Neues Stadion für Hertha: Geisel brachte Tegel als Standort ins Gespräch

Haupthindernis sind 24 Wohnungen einer Genossenschaft, die für die Arena weichen müssten. Geisel hatte daraufhin im Sommer Tegel ins Gespräch gebracht, diesen Vorschlag aber zwischenzeitlich wieder zurückgenommen. Nun folgt eine weitere Wendung.

Kommentar: Der Standort Tegel ist falsch

Vier Standorte sollen nun genauer betrachtet werden. In sechs Wochen soll der am besten geeignete Platz identifiziert sein. In der Auswahl sind drei Flächen auf dem derzeitigen Flughafen-Gelände. Einer ganz im Westen, der aber im Wasserschutzgebiet liegt.

Eine andere Option wäre der Norden des Rollfeldes, in etwa dort, wo heute das Regierungsterminal liegt. Die dritte Option wäre ein Stadion näher am Gewerbegebiet, das unter der Marke „Urban Tech Republic“ geplant wird. Und eine weitere Möglichkeit ist der Zentrale Festplatz östlich der Stadtautobahn A111.

Straßen, S- und U-Bahn: Verkehrliche Anbindung in Tegel fehlt

Von vornherein geeignet für eine neue Fußballarena, die Hertha zuletzt immer für rund 50.000 Zuschauer plante, ist keiner der vier Standorte. Es fehlt eine verkehrliche Anbindung. Umstritten ist auch, wie viel Platz das Stadion wirklich braucht. Hertha geht von rund 50 Hektar aus, allein die Parkplätze würden knapp die Hälfte der Fläche einnehmen.

Damit die Fans das Stadion erreichen können, wären neben Straßen vor allem Anschlüsse an S- oder U-Bahn nötig. Noch ist nicht entschieden, ob das Tegel-Areal überhaupt mit einer U-Bahnlinie erschlossen wird. Die BVG erstellt gerade eine Machbarkeitsstudie. Die Schwierigkeit, einen Abzweig vom U-Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz zu bauen, liegt im Untergrund. Eine U-Bahnlinie müsste den Autobahntunnel unterqueren. So wird auch eine Schienenanbindung von Süden vom S- und U-Bahnhof Jungfernheide erwogen.

Verlängerung der Siemensbahn wäre eine Option

Ebenfalls eine Option wäre die Verlängerung der Siemens-Bahn auf das Tegeler Gelände. Der Senat hat die Reaktivierung dieser stillgelegten Strecke als Bedingung dafür zugesagt, dass Siemens seinen neuen Campus an der Nonnendammallee baut. Die Linie soll bis auf die als Neubaugebiet für Wohnungen vorgesehene Insel Gartenfeld weiterführen.

Eine Verlängerung auf das Flughafengelände ist unabhängig von der Stadionfrage im Gespräch. Allerdings wäre das wohl erst nach 2025 möglich. Und in diesem Jahr möchte Hertha nach Aussagen der Club-Verantwortlichen schon gern im eigenen Stadion auflaufen.

Weiteres Hindernis in Tegel sind die Feldlerchen

Das meist halb leere Olympiastadion mit seinen 74.000 Plätzen und der Laufbahn bietet aus Sicht des Managements den Fans nicht das in reinen Fußballarenen gewohnte Erlebnis und stelle einen Wettbewerbsnachteil für die Berliner Fußballer dar.

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Als großes Hindernis für das Stadion in Tegel sehen Teilnehmer der Runde den Naturschutz. Berlin dürfe nicht einfach die neben Technologiepark und Wohngebiet in Tegel zwischen Terminal und Jungfernheide vorgesehene Grünzone bebauen, hieß es.

Für einen solchen Fall würden weitere Ausgleichsflächen für den Wegfall von innerstädtischem Grün gefordert. Diese seien aber in der Umgebung nicht vorhanden. Schon die bisherigen Planungen auszugleichen, sei nicht einfach, hieß es. Zudem auf dem Rollfeld allerlei seltene Tiere leben. So war die Rede von etwa 50 Paaren der Feldlerche. Diese müssten womöglich umgesiedelt werden.

Sorgen machen sich die Politiker, dass die Gedankenspiele für ein neues Stadion die bisherigen Planungen für das Kurt-Schumacher-Quartier und die „Urban Tech Republic“ gefährden könnten. Dem Vernehmen nach hat vor allem Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vor Auswirkungen auf die fast fertigen Bebauungspläne gewarnt. In der Runde habe es insgesamt Skepsis gegeben, ob das Stadion in Tegel gebaut werden kann.