Kommentar

Der Standort Tegel ist falsch

Ein Hertha-Stadion in Tegel? Wie sollen denn bitte Zehntausende Fans zu dem neuen Stadion kommen? Gilbert Schomaker kommentiert.

Mittlerweile ist Tegel der Inbegriff für alle Wünsche der Politik, meint Gilbert Schomaker.

Mittlerweile ist Tegel der Inbegriff für alle Wünsche der Politik, meint Gilbert Schomaker.

Foto: dpa/Reto Klar / BM

Berlin. So kennen wir den Berliner Innensenator. Andreas Geisel (SPD) – im politischen Raum häufig etwas hemdsärmelig unterwegs – bringt völlig unvermutet eine Idee aufs Spielfeld: Das neue Hertha-Stadion könnte auch auf dem Gelände des Flughafens Tegel gebaut werden. Das solle nun geprüft werden, so der Senator, der in seinem Ressort auch für den Sport in Berlin zuständig ist. Und wieder dreht sich die Diskussion um Herthas Lieblingsprojekt – ein neues, kleines, reines Fußballstadion für 55.000 Fans.

Also prüfen wir einmal: Tegel hat vieles - nur keine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Wie sollen denn um alles in der Welt Zehntausende Fans zu dem neuen Stadion kommen? Mit dem Auto? Oder BVG-Bussen? Was am bisherigen Standort, dem Olympiastadion, sehr gut funktioniert, ist die An- und Abreise per S- und U-Bahn. Selbst wenn das geplante Quartier in Tegel auch eine neue öffentliche Anbindung erhalten soll – so gut wie am Olympiastadion wird es wohl nie werden. Das würde also eher dafür sprechen, eine neues Stadion auf dem Olympiagelände zu errichten – wie es Herthas Plan ist.

Hertha in Tegel: ein Deckel auf die öffentliche Diskussion

Dass der Innensenator nun die Idee Tegel spielt, muss man auch vor dem Hintergrund der Flughafendebatte sehen. Der Senat will Tegel schließen. Mit dem neuen Stadion käme quasi ein Deckel auf die öffentliche Diskussion. Aber mittlerweile ist Tegel der Inbegriff für alle Wünsche der Politik: mal neue Wohnungen, dann riesige Freiflächen, dann die Beuth Hochschule, dann ein geeigneter Standort für Industrie – und jetzt auch noch ein Stadion. Das große Flughafenareal ist Projektionsfläche für alles – nur nicht für einen weiteren Flughafenbetrieb, wie es eigentlich die Mehrheit der Berliner im Volksentscheid wollte.

Von den Hertha-Verantwortlichen gab es nach Geisels Vorstoß verhaltenen Applaus. Es sei ein gutes Signal, dass die Landesregierung die Bedeutung einer eigenen Arena für Hertha BSC anerkenne, teilte der Verein mit. Immerhin möchte man meinen. Wenigstens hier ist ein Fortschritt zu erkennen. Besser wäre es allerdings, der Senat würde sich um einen alternativen Standort für die Wohnungen einer Genossenschaft kümmern, die dem Stadionneubau auf dem Olympiaareal im Weg stehen. Der Sport sollte auf dem Olympia-Gelände konzentriert werden.

Dort ist Herthas Heimat, dort soll sie bleiben.