Forderung der SPD

Zentraler Festplatz soll Wohnquartier mit Schulen werden

Rummel adé? SPD und Linke wollen auf dem Zentralen Festplatz ein neues Stadtquartier errichten. Doch dem Plan steht manches im Weg.

Stat Jahrmarkt könnten künftig Wohnungen auf dem Zentralen Festplatz gebaut werden.

Stat Jahrmarkt könnten künftig Wohnungen auf dem Zentralen Festplatz gebaut werden.

Foto: Jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Rummel, Buden, Fahrgeschäfte: Dafür steht in Berlin seit vielen Jahren der Zentrale Festplatz in Wedding. Ob das auch in Zukunft noch so sein wird, ist ungewiss. Der massive Flächenmangel im Berliner Zentrum macht auch vor dem Veranstaltungsgelände nahe dem Flughafen Tegel nicht Halt.

Nun kommen aus dem Bezirk Mitte neue Pläne, die große Freifläche künftig anders zu nutzen. Die SPD im Bezirk fordert, auf dem Zentralen Festplatz ein neues Stadtquartier zu errichten - samt Wohnungsbau und Schulstandorten.

Nötig machten dies unter anderem erwartete Mehrbedarfe an Schulplätzen, heißt es in einem Antrag der Fraktion, der demnächst in einer gemeinsamen Sitzung von Schul- und Stadtentwicklungsausschuss diskutiert werden soll. Unterstützung erhalten die Sozialdemokraten dabei von den Linken.

Zentraler Festplatz ist letzte große Freifläche im Norden des Bezirks

„Wir bekommen die Infrastrukturbedarfe auf eigenen Flächen kaum noch abgedeckt“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Sascha Schug. Es gebe „einen großen Druck auf die Innenstadt“. Das zwinge dazu, sich umzuschauen. So landeten die Sozialdemokraten beim Zentralen Festplatz, der letzten Fläche in benötigter Größenordnung im Norden des Bezirks.

Für eine Bebauung des Festplatzes spricht sich auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) aus. „Ich sehe hier die große Chance, in Nachbarschaft zum neuen Schumacher-Quartier und zur Urban Tech Republic ein urbanes Quartier mit Wohnhäusern, Schule und Kita zu entwickeln.“ Obwohl zentrumsnah liegt das fast 38 Hektar große Grundstück aktuell ziemlich abgelegen im Niemandsland neben Flughafen, Autobahn und der Julius-Leber-Kaserne der Bundeswehr. Das wird sich schon in den kommenden Jahren ändern.

Eine Google Map zeigt die Lage des Zentralen Festplatzes in Berlin

Nahe dem Festplatz entsteht die Urban Tech Republic und das Schumacher-Quartier

Mit der Schließung des Flughafens Tegel beginnt auf dem Gelände der Umbau zur Urban Tech Republic. In den Terminals und Hangars von heute werden künftig etliche Unternehmen und die Beuth-Hochschule untergebracht sein. Daneben entstehen im Schumacher-Quartier bis zu 6000 Wohnungen. „Entlang des Kurt-Schumacher-Damms sehe ich das Potenzial, gewerbliche Häuser für Handwerk, Produktion und Forschung in städtischer Hand zu entwickeln“, sagt Gothe. Der Festplatz wird plötzlich im Herzen eines der bedeutendsten Entwicklungszentren Berlins liegen.

Die hochfliegenden Pläne sind jedoch kaum zeitnah realisierbar. Vorerst ist die Fläche Volksfesten und Shows vorbehalten. Noch bis 2028 ist die Fläche an die Zentrale Festplatz GmbH vermietet. „Es gibt einen gültigen Mietvertrag bis 2028 mit dem Land Berlin, der erst vor einem Jahr geschlossen wurde“, sagt Geschäftsführer Carsten Langenfeld. „Deswegen gehen wir davon aus, dass sich natürlich beide Seiten an diesen halten.“

Mietvertrag für Zentralen Festplatz läuft noch bis 2028

Derzeit fänden jährlich drei große Volksfeste auf dem Gelände statt. Dazu mehrere Tagesfestivals mit Stars der Neunziger oder Partyhits. Die Zeit neben den Volksfesten sei immer besser ausgelastet, erklärt Langenfeld und befindet: „Das ist eine Nutzung, die das Land Berlin auch so braucht.“ Innerstädtische Veranstaltungsflächen würden wegen der Wohnbebauung immer rarer. Die aktuelle Debatte kann der Mieter auch deshalb nicht nachvollziehen, weil der Senat erst 2011 die Sondernutzung als Veranstaltungsplatz im Bebauungsplan festgeschrieben hat. „Es hat mit dem Bebauungsplan die Entscheidung des Landes Berlin gegeben, hier genauso so eine Eventfläche haben zu wollen“, so Langenfeld.

Auch aus Sicht von Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) eigne sich die Fläche „kurz und mittelfristig nicht als Schulstandort“. Als Gründe nennt er die Randlage im Bezirk sowie die schwierige Anbindung per öffentlichem Nahverkehr. Zwar könne sich dies nach Schließung Tegels ändern. Doch dann stände einer Umnutzung immer noch der Bebauungsplan im Weg. „Der B-Plan müsste also angepasst werden, dies dauert bekanntlich mehrere Jahre“, so Spallek.

Diese Argumente sind SPD-Fraktionschef Schug nicht unbekannt. Wohnungen und Schulen könnten dort „nur auf lange Sicht“ umgesetzt werden. Das ändere nichts an der Bedeutung der Fläche. Auch gebe es so die Möglichkeit, sich rechtzeitig um die Zukunft des Standorts zu kümmern. „So eine große Fläche im Innenstadtbereich“, sagt Schug, „muss man schon mal anfangen zu planen.“