STADIONBAUPLÄNE

Hertha erhält Abfuhr für Stadion-Pläne im Olympiapark

Hertha wollte Wohnungen im Olympiapark erwerben, um diese für den Stadionneubau abreißen zu lassen. Der Eigentümer hat nun abgesagt.

Herthas Wunschstandort für ein neues Stadion.

Herthas Wunschstandort für ein neues Stadion.

Foto: C. Schlippes, HerthaBSC/HHVision

Berlin.  Das Schreiben ist zwölf Zeilen kurz – der Inhalt aber für Hertha BSC ein schwerer Rückschlag, bei den 84 ­Anwohnern in der Sportforumstraße ­dagegen sorgt dieser Brief für Erleichterung.

Die 1892ste Baugenossenschaft, Eigentümer der Gebäude in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions, schrieb an Klaus Teichert, den Stadion-Manager von Hertha: „Gerne knüpfen wir an unsere Gespräche in den vergangenen zwei Jahren an, müssen Sie aber heute darüber informieren, dass wir mit Ablauf des 31. März 2019 nicht länger bereit sind, unsere Häuser in der Sportforumstraße an Hertha BSC zu veräußern.“

Damit nicht genug. In dem Schreiben, das der Morgenpost vorliegt, kündigt die Baugenossenschaft an, „mit dem Bezirk auszuloten, ob und inwieweit ­Erweiterungsmöglichkeiten bestehen.“

Herthas Stadionpläne scheitern: Spott für den Bundesligisten

Die Interpretationen ließen nicht lange auf sich warten. In einer gemeinsamen Erklärung der Senatsfraktionen erklärten die sportpolitischen Sprecher Dennis Buchner (SPD), Philipp Bertram (Linke) und Nicole Ludwig (Grüne): „Nachdem die Genossenschaft erklärt hat, dass sie das Grundstück und die Häuser nicht verkaufen wird, ist ein Hertha-Stadion im Olympiagelände nicht zu realisieren.“

Ähnliche Töne wurden von der Opposition angeschlagen. Stefan Förster, sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus sagte: „Eigentor für Hertha BSC. Hier hat der Klub die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Nun steht der Verein vor einem selbst verschuldeten Scherbenhaufen. Das Abrissvorhaben von Wohnhäusern, mangelnde Kooperationsbereitschaft mit dem Abgeordnetenhaus und die Inkaufnahme eines leerstehenden Olympiastadions hat Hertha bis jetzt kein Stück vorangebracht. Jetzt ist der Ball wieder beim Verein, den Mietvertrag zu verlängern oder sich Alternativen außerhalb des Olympiaparks zu suchen.“

Hertha mit viel Selbstbewusstsein, aber wenig Unterstützung

Mit dieser Entwicklung dürfte der Plan von Hertha hinfällig sein, ab 2025 in einer Arena mit 55.137 Plätzen im Olympiapark zu spielen. Der Bundesligist wirbt seit zwei Jahren selbstbewusst für dieses Vorhaben – findet bisher nur wenig Unterstützung. Dem Plan, als Alternative nach Ludwigsfelde in Brandenburg zu ziehen, hatten die Vereins­mitglieder umgehend die Rote Karte ­gezeigt: Hertha gehöre nach Berlin.

Für ein Bauvorhaben im Olympiapark auf dem Gelände, wo sich derzeit Herthas Trainingsplätze befinden, braucht der Klub einen Erbbaupacht­vertrag, dem das Abgeordnetenhaus zustimmen muss. Um den Zeitplan bis 2025 einhalten zu können – solange läuft der aktuelle Mietvertrag im Olympiastadion – hatte Hertha mit Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) eine Entscheidung für diesem Sommer vereinbart. Dazu wird es nach der Entscheidung der Baugenossenschaft aber nicht mehr kommen.

Hertha fühlt sich unfair behandelt

Der Bundesligist fühlt sich ungerecht behandelt. Hertha habe mit sieben Jahren Vorlauf dem Vermieter des Olympiastadions mitgeteilt, 2025 ausziehen zu wollen. Hertha habe dem Land Berlin die Zusammenarbeit für ein Nachnutzungskonzept zugesichert. Um ­finanziellen Schaden für Land und Steuerzahler abzuwenden, habe Hertha Berlin zudem eine Fertigstellungs­bürgschaft für die Arena zugesagt.

Noch vergangene Woche hatte Hertha-Manager Michael Preetz erklärt: „Ich kann ihnen versichern, dass wir auf alle Fragen Antworten haben.“

Hertha kritisiert den Berliner Senat

In einer Erklärung teilte Hertha am Dienstag mit, dass ein Verbleib im Olympiastadion über 2025 hinaus keine Option sei. Die Entscheidung der Baugenossenschaft „rührt in keiner Weise an unseren Plänen, ab 2025 in einer eigenen Fußballarena zu spielen. Ebenso bleibt es der ausdrückliche Wunsch von Hertha BSC, diese Arena in Berlin zu bauen, idealerweise im Olympiapark. Unser Projekt könnte ein wichtiger Impuls für die weitere Entwicklung dieses einzigartigen Standorts sein.“

Hertha fühlt sich von der Politik ­unfair behandelt. Der Verein habe in den vergangenen 18 Monaten mehrere „Ersatzstandorte für die Wohnanlage vorgeschlagen. Deren Erwerb hätte aufgrund der begrenzt verfügbaren Flächen im nahen Umfeld der Zustimmung des Landes Berlin bedurft.“ Der Vorwurf des Bundesligisten: „Entgegen öffentlicher, positiver Bekundungen seitens des Senats, unser Projekt und damit den Standort Berlin für Hertha BSC zu unterstützen, sind entsprechende Entscheidungen der Politik bislang leider ausgeblieben.“

Nun beginnt die Suche nach Alternativen

Die Politik hingegen beklagt das Fehlen von befriedigenden Antworten durch Hertha. Sportsenator Andreas Geisel sagte der Morgenpost: „Die Lösung der Wohnungsfrage ist eine zentrale für uns. Wir haben Hertha immer gesagt, dass keine einzige Wohnung einem Stadionneubau zum Opfer fallen darf. Wir werden jetzt mit Hertha in weitere Gespräche gehen, um auszuloten, welche Möglichkeiten es noch gibt. Für ist klar: Hertha gehört nach Berlin.“

Wie geht es weiter? Gibt es im Olympiapark noch ein anderes potenzielles Areal, von dem bisher nicht die Rede war? Gibt es unter den Standorten in Berlin, die Hertha im Vorfeld geprüft hatte (siehe Infokasten), eine Alternative, etwa im Norden der Stadt? Was macht Hertha, wenn sich in Berlin keine Lösung finden lässt?

Wie auch immer die Diskussion läuft: Der Wunschtermin von einer Arena-Eröffnung am 25. Juli 2025 wird kaum zu halten sein. Immerhin hat Hertha die Option ausgehandelt, das Olympiastadion auch von 2025 bis 2030 mieten zu können.

Diese Standorte bleiben für ein neues Hertha-Stadion übrig

Bei Herthas Standortsuche waren zwölf in die engere Auswahl gekommen. Da die Mitglieder alsbald den Umzug nach Brandenburg ausschlossen, bleiben nach Absage für den Olympiapark nun drei im Stadtgebiet übrig: Tegel, Buchholz Nord und Lichterfelde. In Tegel dürfte das Thema Lärm nach Airport-Schließung bremsen, die besten Voraussetzungen bietet daher Buchholz Nord, weil dort in Senatsbesitz 200 Hektar strategische Vorhaltefläche für Gewerbe zwischen zwei Autobahnabfahrten auf Vermarktung warten. Autobahn-Nordring und das nahe S-Bahn-Kreuz Karow werden derzeit mit großem Aufwand ausgebaut.