Immer Hertha

Elf gute Vorsätze müsst ihr sein

Nach dem mäßigen Fußballjahr 2017 kann 2018 vieles besser werden. An Chancen mangelt es jedenfalls nicht, meint Jörn Lange.

Stark durch Teamspirit: Hertha BSC

Stark durch Teamspirit: Hertha BSC

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Halten Sie noch durch? Das neue Jahr ist ja erst vier Tage alt, die Chance, die guten Vorsätze für 2018 einzuhalten somit noch recht groß. Ich für meinen Teil habe mir noch keinen Fehltritt erlaubt – mal abgesehen von der Tatsache, dass ich streng genommen noch gar nicht angetreten bin zu meinen gut gemeinten Missionen. Weniger Koffein. Mehr bewusster Genuss. Regelmäßiger Sport treiben und sich ausreichend Zeit für Freunde nehmen. Das Übliche eben – Ziele, die sich so oder ähnlich geschätzte 40 Millionen Bundesbürger zum Jahreswechsel setzen. Völlig zu Recht, wie ich finde, wo soll man denn auch anfangen mit dem Verbessern des Hier und Jetzt, wenn nicht mit guten Vorsätzen?

Der Traum vom attraktiven Fußball

„Die Welt ist zwar kein Fußball, aber im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt“, hat der Autor Ror Wolf einmal geschrieben. Viel trefflicher lässt es sich nicht formulieren, und so stünden ein paar gute Vorsätze natürlich auch dem Fußball gut zu Gesicht. Zu verbessern gäbe es schließlich einiges, auch in Berlin. Stellen Sie sich nur mal vor, wie erquickend es wäre, wenn Hertha plötzlich nicht nur halbwegs erfolgreichen, sondern auch richtig ansehnlichen Fußball spielen würde. Ballsicher und flott, mit Spielwitz, Mut und Torchancen en masse, so wie es bislang nur in Ausnahmefällen klappt.

Die Zuschauer könnten die Berliner Fußballlandschaft genauso bereichern, indem sie das Olympiastadion nicht nur bei Gastspielen von Bayern München oder Borussia Dortmund fluten, sondern Hertha auch gegen Hoffenheim, Mainz oder Köln den Rücken stärken. 2018 häufiger Fußball live erleben, statt bequem vor dem Fernseher zu lümmeln – sicher nicht der schlechteste Vorsatz.

Der Videobeweis muss transparenter werden

Wobei: Rückhaltlos empfehlen kann ich den Stadionbesuch momentan nicht, denn seit dieser Saison herrscht viel zu häufig Ratlosigkeit auf den Rängen, immer dann, wenn der Videobeweis zum Einsatz kommt. Womit wir gleich beim nächsten guten Vorsatz wären, einem, der die Regelhüter im Hintergrund betrifft. Deren größtes Anliegen sollte es 2018 sein, die Entscheidungsfindung der Schiedsrichter für die Zuschauer transparenter zu machen.

Beim Weltverband Fifa gilt der Videobeweis trotz der bisherigen Defizite als Erfolg. Geht alles seinen Gang, kommt er im Sommer auch bei der WM in Russland zum Einsatz. Die (hoffentlich möglichst offensiv ausgerichteten) Vorsätze der Teams wird das nicht tangieren, und die ihrer Anhänger erst recht nicht. Ob jene sich ein friedliches, nationenverbindendes Fußballfest auf die Fahnen geschrieben haben oder so unerträgliche Gewaltexzesse wie bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren, wird sich zeigen.

Für Hertha wäre ein weiterer Auftritt in Europa wichtig

Und nach dem Turnier? Ist bekanntlich schon wieder vor der Bundesliga. Die könnte mit etwas Glück sogar endlich wieder spannend werden, wenn die vielen Nationalspieler des FC Bayern nach den WM-Strapazen auf dem Zahnfleisch gehen und die Bosse von Borussia Dortmund ihren Vorsatz umsetzen, auf dem Trainermarkt einen echten Coup zu landen.

Welche Rolle Hertha dann spielt? Im besten Fall erneut eine in Europa. Dann hätten die Berliner die Chance zu beweisen, dass sie mehr drauf haben als sie beim enttäuschenden Abschneiden 2017 gezeigt haben. Und – noch wichtiger – sie hätten gute Argumente, um ihre vielversprechendsten Spieler wie Mitchell Weiser oder Niklas Stark zu halten. Wer weiß schon, wie stabil deren Vorsatz, bei Hertha zu bleiben, noch ist, wenn irgendwann klangvollere Namen anklopfen und die Entwicklung des Hauptstadtklubs stagniert?

Um Stillstand zu verhindern, will die Vereinsführung 2018 nicht nur am Kader arbeiten, sondern auch am Ziel eines eigenen Stadions. Die Fans würde das freuen. Als kleines Dankeschön könnten sie sich zum Vorsatz nehmen, weniger durch Pyrotechnik und geschmacklose Banner aufzufallen. Wie wahrscheinlich das alles ist? Nun ja, Studien gehen davon aus, dass nur 30 Prozent aller Vorsätze eine realistische Chance haben, sich zu verfestigen. Nicht berauschend. Aber immerhin ein Anfang.

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