Bundesliga

Herthas Schrittmacher Darida läuft wieder

Vladimir Darida will Hertha nach langer Verletzungspause wieder helfen. Doch die Mannschaft hat sich in seiner Abwesenheit verändert.

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Berlin.  Ruckartig bewegte Vladimir Darida (27) seinen Oberkörper hin und her. Dann trat er mit dem Fuß auf den Boden, kurz aber fest, so als wolle er seine Worte in der Praxis bestätigen. „Ich habe keine Schmerzen mehr, ich kann mich frei bewegen und alles machen“, sagte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC nach der zweiten Trainingseinheit in diesem Jahr.

Lange Zeit war das nicht der Fall. Mitte Oktober zog sich der tschechische Nationalspieler gegen Schalke eine Knieverletzung zu. Außenbanddehnung lautete die Diagnose, zwei bis drei Wochen Pause. Doch die Schmerzen wollten nicht verschwinden, immer wieder musste Darida das Training abbrechen. Erst eine Operation brachte Besserung, doch am Ende waren es zehn Wochen, in denen der Berliner Bundesligist auf seinen Schrittmacher verzichten musste.

Mehr Punkte ohne Darida als mit dem Tschechen

Nun ist Darida wieder da, doch die Mannschaft, in die er zurückkehrt, ist eine andere als vor seiner Verletzung. Während seiner Abwesenheit erwiesen sich Per Skjelbred und Fabian Lustenberger als zuverlässiges Gespann – und dann war da noch Arne Maier. Der 18-Jährige spielte sich ab Oktober vehement in den Vordergrund und bekam von Trainer Pal Dardai immer mehr Vertrauen und Einsatzzeit. Was sehr lange als ungeschriebenes Gesetz galt, ist inzwischen obsolet: Darida ist nicht mehr unantastbar. Das belegen auch die statistischen Werte. Mit ihm holte Hertha in der Bundesliga im Schnitt 1,1 Punkte, ohne ihn waren es 1,6.

„Arne Maier hat seine Sache gut gemacht. Jetzt haben wir richtig Konkurrenzkampf auf der Position“, sagt Dardai. Unter Berücksichtigung von Niklas Stark und Valentin Stocker, die ebenfalls im zentralen Mittelfeld spielen können, bewerben sich sechs Spieler um die gewöhnlich zwei freien Plätze. Darida, Typ Musterprofi, nimmt die neue Situation professionell. „Für die Mannschaft“, sagt er, „ist es gut, dass es so viele Optionen gibt. Jeder muss sich im Training beweisen.“

Was oft nur als Fußballerphrase daherkommt, stimmt bei Hertha tatsächlich. Chefcoach Dardai hat derzeit einen fitten und gesunden Kader zur Verfügung, in den kommenden Tagen sollen noch die angeschlagenen Mitchell Weiser und Karim Rekik zur Mannschaft stoßen und beim Rückrundenstart am 13. Januar in Stuttgart wieder einsatzbereit sein. Dann sind alle Positionen mindestens doppelt besetzt.

Arne Maier hat den Ausfall erstaunlich gut kompensiert

Allerdings gibt es längst nicht mehr so viele Spiele wie im Herbst, als Hertha in drei Wettbewerben vertreten war. Im DFB-Pokal und der Europa League sind die Berliner ausgeschieden, ab sofort gilt wieder der Sieben-Tage-Rhythmus. Dardai wird seine intensiv betriebene Rotation stoppen, was den Wettbewerb untereinander enorm befeuert. „Ich denke auch, dass wir nicht mehr so viel rotieren werden“, sagt Darida. Für ihn und andere Etablierte könnte das im ungünstigsten Fall weniger Spielzeit bedeuten.

Eine Erkenntnis aus der Hinrunde lautet, dass Herthas Kader vom Leistungsgefälle enger zusammengerückt ist. Nachwuchskräfte wie Maier, Verteidiger Jordan Torunarigha oder Maximilian Mittelstädt haben nachgewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist und sie ernsthafte Alternativen sind.

Gerade in der Europa League zeigten sie sich oft hungriger und auch effektiver als ihre erfahrenen Kollegen. Mittelstädt verdrängte zeitweise Champions-League-Sieger Salomon Kalou auf die Bank, Maier bestritt acht Bundesligaspiele, fünf davon von Beginn an. Freiwillig überlässt niemand von ihnen einem der Etablierten seinen Platz. Das war auch am Mittwoch im Training zu sehen, als Torunarigha immer wieder mit einer Intensität und Härte in die Zweikämpfe ging, als handle es sich um eine Partie in der Bundesliga.

Aus der vorigen Verletzungspause gelernt

„Die Mannschaft hat gut gespielt. Wir haben 24 Punkte, das ist in Ordnung“, sagt Darida. Was ihn angeht, erhofft sich Dardai von seiner Rückkehr vor allem mehr Kreativität und Torgefahr aus dem Mittelfeld, einerseits als Vollstrecker, vor allem aber als Initiator. In Sachen Laufbereitschaft und Spielverständnis gibt es bei Hertha ohnehin wenige, die es mit ihm aufnehmen können.

Die Frage ist, wie schnell Darida zu alter Form findet. In der vergangenen Saison, als er in er Hinrunde acht Spiele verpasste, dauerte es, bis er wieder an seine alten Leistungen anknüpfen konnte. „Ich habe jetzt mehr Erfahrung, was diese Situation betrifft. Ich komme dieses Mal stärker zurück“, sagt Darida. Gut möglich, dass er eine Position vorrückt und nicht als zentraler defensiver Mittelfeldspieler aufläuft. Dann könnte er mit Maier gemeinsam wirken. Was die Position angeht, habe er keine Präferenzen, sagt Darida. Sechser, Achter, Zehner – alles könne er spielen. Ab sofort muss er das wieder neu beweisen.