Trainingsstart

Bei Hertha ist die Schonzeit vorbei

Bei Herthas Trainingsstart ins neue Jahr ist der Konkurrenzkampf größer denn je. Trainer Pal Dardai muss harte Entscheidungen treffen.

Zurück im Profi-Alltag: Vedad Ibisevic, Davie Selke, Alexander Esswein und Salomon Kalou (v.l.)

Zurück im Profi-Alltag: Vedad Ibisevic, Davie Selke, Alexander Esswein und Salomon Kalou (v.l.)

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Der Auftakt zog sich ein wenig. Mit vier Minuten Verspätung erschienen Herthas Profis am Dienstag zum ersten Training des neuen Jahres, und selbst dann nur peu à peu. Zuerst traute sich das Trainerteam um Chefcoach Pal Dardai in die Kälte, gefolgt von dünnen Grüppchen dick eingepackter Spieler. Als Letzte kamen die beiden Erfahrensten – Vedad Ibisevic (33) und Salomon Kalou (32). Der Ivorer hatte zwei Tage zuvor noch in Badehose am Pool in seiner Heimat gelegen, nun wurde er erst in den nasskalten Berliner Winter gescheucht und dann ausdauernd über das Feld. So viel vorab: Seiner Position am Ende des Feldes blieb Kalou dabei treu.

Der Routinier wird nicht der Einzige gewesen sein, der seinem Winterurlaub hinterhertrauerte. Viele der Berliner Profis nutzten die Feiertage für einen Abstecher in die Sonne, allerdings mit sportlichen Hausaufgaben im Gepäck. Ob jene auch gewissenhaft erledigt wurden? Darüber wird wohl erst das offizielle Wiegen am heutigen Mittwoch Auskunft geben, doch Dardais Blick-Diagnose ließ hoffen. "Man hat gespürt, dass die Jungs gut gearbeitet haben", sagte er, "das sah gut aus."

Schonung für Weiser und Rekik – Darida kehrt zurück

So blieb der einzige Dämpfer das Fehlen von Mitchell Weiser und Karim Rekik. Beide haben noch mit leichten Verletzungen zu kämpfen und werden in dieser Woche individuell trainieren. Kleiner Trost: Mit Vladimir Darida und Valentin Stocker meldeten sich zwei zuvor angeschlagene Kräfte zurück.

Spätestens seit gestern hat es also ein Ende mit Urlaub und Müßiggang. Dardai drückt aufs Gas, schließlich bleiben bis zum Rückrundenstart in Stuttgart nur noch zehn Tage. Wenig Zeit, begründet durch die WM im kommenden Sommer. Um nicht noch weitere Tage zu verlieren, verzichteten acht der 18 Bundesligisten auf ein Trainingslager in wärmeren Gefilden – so auch Hertha. Die Spieler nehmen es sportlich. "Es ist sinnvoll, hier zu bleiben", sagte Verteidiger Sebastian Langkamp, "es ist nicht zu kalt, wir haben hier gute Bedingungen."

Die Chancen scheinen größer als die Risiken

Klammert man den fröstelnden Kalou aus, wirkte die Stimmung ohnehin ungetrübt. Nach dem goldenen Dezember mit Siegen gegen Hannover und Leipzig sehen die Berliner beim Blick auf 2018 weit mehr als nur einen Silberstreif. Von drohender Krise kann keine Rede mehr sein. Der Abstand auf einen Champions-League-Platz beträgt nur vier Punkte; der auf den Relegationsplatz bereits neun. Die Chancen scheinen derzeit größer als die Risiken, wäre da nicht Herthas fataler Hang zu enttäuschenden Rückserien.

Die Bilanz der zweiten Saisonhälften liest sich erschütternd. Seit dem Aufstieg 2013 brachen die Berliner nach der Winterpause wenig zustande, landeten in drei der vier Saisons unter den drei schlechtesten Rückrundenteams der Liga. Dass Dardai nach einem guten Omen für 2018 sucht, wundert daher kaum. "Meiner Erinnerung nach sind wir unter Huub Stevens auch mal im Winter hier geblieben", sagte er über seine Zeit als Profi, "ich glaube, das war die beste Rückrunde von Hertha BSC." Das allerdings stimmt nur zur Hälfte. Den starken 31 Punkten der Rückserie 2002/03 war ein Trainingslager in Belek vorausgegangen.

Vorbereitungsturnier am Sonnabend in Bielefeld

Aber: Wichtiger als der Blick in der Vergangenheit ist ja ohnehin der in die Zukunft. Und die kann 2018 spannend werden für Hertha. Einerseits, weil der Klub mit dem Senat die Weichen für den Stadionbau stellen will. Zum anderen, weil dem im Sommer gut verstärkten Team diesmal eine ordentliche Rückrunde zuzutrauen ist. Personell hat Dardai mehr Alternativen denn je, am Dienstag standen 28 Akteure auf dem Platz. Die große Kunst wird sein, den neuen Konkurrenzkampf bei nur einem Wettbewerb zu moderieren. "Pädagogisch ist das nicht gesund", sagte Dardai, "aber ich kann nichts verschenken. Die Profis werden dafür bezahlt, das zu akzeptieren und auch mal zu leiden."

In die erste Runde geht das Ringen um die Plätze am Sonnabend beim Mini-Turnier in Bielefeld, an dem neben Gastgeber Arminia auch der 1. FC Köln und Hannover 96 teilnehmen. Bis zum Rückrundenstart bleibt danach noch eine Woche, in der die Mannschaft schnell ihren Rhythmus finden muss. "In Stuttgart", sagte Dardai, "wollen wir gleich Vollgas geben."

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