Kolumne

2017 war im Fußball das Jahr der Comebacks

Das Fußballjahr 2017 hat prächtige Geschichten von Unbeugsamen und Rückkehrern geschrieben. Davon kann man etwas für 2018 lernen.

Am 8. März schaffte der FC Barcelona ein Fußball-Wunder: Nach einem 0:4 im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Paris siegte Barca im Rückspiel 6:1. Der entscheidende Treffer von Sergi Roberto fiel in der fünften Minute der Nachspielzeit

Am 8. März schaffte der FC Barcelona ein Fußball-Wunder: Nach einem 0:4 im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Paris siegte Barca im Rückspiel 6:1. Der entscheidende Treffer von Sergi Roberto fiel in der fünften Minute der Nachspielzeit

Foto: Actionplus / picture alliance / Actionplus

In der Sportgeschichte hat es immer wieder beeindruckende Comebacks gegeben, aber manche hat die Zeit verschluckt. Haben Sie zum Beispiel mal den Namen Wsewolod Bobrow gehört? Wahrscheinlich nicht – und wenn doch, gebührt Ihnen meine Hochachtung. Bobrow war einst Soldat in der Roten Armee, bevor er seine Fußballkarriere bei ZSKA Moskau begann. Vor 65 Jahren war der Angreifer maßgeblich an einer der größten Wenden der Fußballhistorie beteiligt. Bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1952 traf Bobrow gegen Jugoslawien dreimal und sorgte so dafür, dass die UdSSR einen 1:5-Rückstand in nur 15 Minuten in ein 5:5 drehte. Gebracht hat die Sache Bobrow und den Sowjets nichts. Das Rückspiel gegen Jugoslawien verloren sie 1:3. Es kann also sein, dass man Historisches schafft, und dennoch nicht der Gewinner ist.

Das Fußballjahr 2017 hat zu jener Geschichte der Comebacks ein paar Kapitel beigetragen. Anfang März geschah in Barcelona, was noch nie zuvor im Europapokal geschehen war. Der FC Barcelona drehte ein 0:4 im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Paris und zog durch ein 6:1 im Rückspiel in die nächste Runde ein. Bis zwei Minuten vor Schluss hatte es noch 3:1 gestanden. Ein Fußballwunder. Blöd nur, dass es Barca neben einem Eintrag in die Geschichtsbücher wenig brachte. Im Viertelfinale war gegen Juventus Schluss.

Die Geschichte von Sevillas Eduardo Berizzo

Bleiben wir in der Königsklasse. Da gab es im November ebenfalls ein Comeback, diesmal schön und tragisch zugleich. Der FC Sevilla lag zur Halbzeit 0:3 gegen Liverpool hinten und schaffte in der Nachspielzeit noch ein 3:3.Sevillas Trainer, Eduardo Berizzo, hatte seinen Spielern erzählt, dass bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert worden sei. Lange angehalten hat jene besondere Magie der Aufholjagd aus Anteilnahme am Schicksal des eigenen Trainers nicht: Kurz vor Weihnachten wurde Berizzo von seinem Klub entlassen, eine Woche nach seiner Rückkehr von der Krebsoperation.

Wären wir in der Bundesliga angekommen. Auch hier gab es ein schier unmögliches Comeback, das keinen Sieger kürte, dafür aber einen Verlierer fand. Schalke holte Ende November im Revierderby in Dortmund ein 0:4 in der zweiten Halbzeit auf. 4:4 stand es am Ende. Ein Spiel wie ein Roman. Der Verlierer war Dortmunds Trainer Peter Bosz, der wenig später entlassen wurde. Ferner gab es neulich ein 4:3 des SC Freiburg nach 0:3-Rückstand zur Pause gegen Köln. Bis zur letzten Spielminute hatte es noch 2:3 gestanden. Weil es aber das kleine Freiburg war, wird man sich in 65 Jahren wohl nicht daran erinnern, obwohl es auch hier einen Helden wie Bobrow gab. Er hieß Nils Petersen und traf ebenfalls dreimal.

Hertha gelang ein 2:2 nach 0:2-Rückstand gegen den FC Bayern

Auch bei Hertha BSC gab es 2017 ein Comeback, das keiner für möglich gehalten hätte: Anfang Oktober lagen die Berliner 0:2 gegen den FC Bayern hinten und drehten das Spiel noch zu einem 2:2. Ein Moment der Hinrunde für mich.

Von jenen Geschichten der Unbeugsamkeit lässt sich etwas – zugegeben – Kalenderspruchhaftiges für das neue Jahr mitnehmen. Dass man nie aufgeben darf, selbst wenn die Sache aussichtslos erscheint. Oder eben, dass es immer irgendwie weitergeht. Denn es gab noch eine andere Art des Comebacks 2017: die Wiederkehr. Jupp Heynckes übernahm im Oktober aus dem Ruhestand erneut als Trainer beim FC Bayern und führte das schlingernde Schlachtschiff zurück in den sicheren Hafen der gewohnten Erfolge. Oder Peter Stöger. Beim 1. FC Köln im Dezember als Letzter mit nur drei Punkten entlassen, verpflichtete ihn Dortmund weg vom Mittagstisch seiner Mutter nur eine Woche später als neuen Trainer.

Ein besonderes Comeback schaffte übrigens auch Wsewolod Bobrow auf der olympischen Bühne – und diesmal war er der Gewinner. Bobrow spielte neben Fußball nämlich auch Eishockey. Vier Jahre nach der Niederlage gegen Jugoslawien trat er 1956 mit der UdSSR bei den olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo an und gewann mit dem Eishockeyteam die Goldmedaille.