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Ernährung bei Hertha BSC - Manchmal muss es Gulasch sein

Hertha-Trainer Pal Dardai lässt seinen Spielern beim Essen freie Wahl – anders als Dortmunds Trainer Thomas Tuchel.

Berlins Trainer Pal Dardai

Berlins Trainer Pal Dardai

Foto: dpa

Über die richtige Beilage wollte Pal Dardai gar nicht erst diskutieren, wichtig sei das Gulasch, sagte der Hertha-Coach. Wer will da schon widersprechen, schließlich ist der Ungar quasi qua Geburt Experte für dieses etwas aus der Mode gekommene Nationalgericht der Magyaren.

Schon sein Vater Pal senior, auch er einst Fußballprofi, beschwor die kräftigende Wirkung des Gulyás, so wie aktuell sein Sohn. Wie er seinen Spieler Genki Haraguchi aufpäppeln wolle, wurde Dardai gefragt, der Japaner müsse durch Länderspiele in der Heimat und in Australien ja erhebliche Reisestrapazen verkraften. Die mit hausgemachtem ungarischen Pulverpaprika gewürzte Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Ich werde ihn mit Gulasch vollstopfen.“

Trainer Pal Dardai – "Ich muss so hart sein"

Nun werden markige Statements im modernen Fußball immer seltener, also wurde der Satz schnell über die gängigen Kanäle verbreitet. Auch bei Herthas heutigem Gegner in Dortmund wird man ihn registriert haben, was wiederum die Frage aufwirft, ob nicht manch BVB-Profi plötzlich sehnsüchtig nach Berlin blicken musste. Denn was den Speiseplan betrifft, gelten unter Thomas Tuchel bekanntlich besondere Regeln bei der Borussia.

Schon in seinem Sabbatjahr hatte sich der Coach das hagere Erscheinungsbild eines eisernen Asketen zugelegt, ehe er bei Amtsantritt auch die Essgewohnheiten seiner Spieler veränderte. Seither stehen in Dortmund-Brackel regelmäßig Quinoasamen und Hirsesalat auf dem Tisch – Produkte also, die man sonst nur in trendbewussten Berliner Delis findet.

Tuchel weist Dardai-Kritik in Fouldebatte zurück

Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: Nationalspieler Mats Hummels etwa verlor auf diesem Weg prompt ein paar Pfunde, reduzierte den Verzehr von Fisch und Fleisch und fand so zurück zu seiner Weltmeister-Form.

Für Gulasch-Fan Dardai keine Lösung. Er lässt seinen Spielern in Ernährungsfragen freie Wahl. „Sie können von mir aus auch Rührei und ungarische Salami essen“, sagte er, nachdem er Anfang 2015 die Profis übernommen hatte. Er selbst habe als Profi „ständig Gulasch gefressen“ (gerne mit Kamm und Hoden von jungen Hähnen) und konnte „laufen ohne Ende“.

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Die Frage „Grünkern oder Gulasch?“ geht weit über den Tellerrand hinaus. Wenn man so möchte, steht sie stellvertretend für zwei unterschiedliche Trainertypen.

Hier der mitunter getrieben wirkende Tuchel, ein Vordenker auf den Spuren Pep Guardiolas, der als Koch wohl in der Molekularküche experimentieren würde; dort der traditionsbewusste Dardai, der dem Fortschritt keineswegs abgeneigt ist, im Zweifel aber auf sein Bauchgefühl vertraut und sein Gulasch gegen kein Gericht der Welt eintauschen würde.

Innovative Rezepte gegen ehrliche Hausmannskost – auf dem Tisch wie auf dem Rasen. Während der BVB die Konkurrenz mit seinem leichtfüßigen Hochgeschwindigkeits-Fußball schockfrosten möchte, will Dardais Hertha den Gegner mit Hartnäckigkeit und Geduld mürbe machen. So wie das Fleisch in einem guten Gulasch eben.

Respekt, Herr Dardai!

Was Tuchel und Dardai eint, ist die Tatsache, dass sie ihre kulinarische Überzeugung authentisch verkörpern (was keineswegs als Seitenhieb auf die jeweilige Statur verstanden werden soll). Beide gäben jedenfalls höchst glaubwürdige Testimonials für eine Ernährung jenseits der gängigen Convenience-Produkte ab.

Wäre doch mal ein Ansatz, schließlich hat sich der Fußball beim Werben für Nahrungsmittel bislang nicht mit Ruhm bekleckert. Franz Beckenbauer löffelte sich „Kraft in den Teller“ (und stellte sich Knorr auf den Tisch), Lothar Matthäus bekannte sich zu Sahnepudding und das Nationalteam wirbt bis heute für Zuckerdrinks und Fast-Food.

Ob mit oder ohne Sponsorenvertrag: Pal Dardai wird weiter auf Gulasch setzen. So wie vor dem bislang letzten Liga-Duell gegen Dortmund. Damals postete er bei Twitter ein Bild von sich mit Kochtopf. „Gulaschessen mit dem Team“, stand darunter. Später rang Hertha dem Favoriten ein 0:0 ab. Thomas Tuchel schmeckte das gar nicht.