Fussball

Herthas Julian Schieber spielt wie zu besten Zeiten

Julian Schieber ist endlich wieder wichtig für Hertha. Nun fiebert er seiner Rückkehr nach Dortmund entgegen. MIt einiger Verspätung.

Durchsetzungsstark: Julian Schieber (Mitte) im Duell mit den HSV-Profis Goutoku Sakai und Cleber (v.r.)

Durchsetzungsstark: Julian Schieber (Mitte) im Duell mit den HSV-Profis Goutoku Sakai und Cleber (v.r.)

Foto: imago sportfotodienst / imago/MIS

Berlin.  Den Moment hat Julian Schieber nicht vergessen, genauso wenig wie den Anblick der gelben Wand aus knapp 25.000 Dortmunder Fans. Dreieinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass sich der heutige Hertha-Stürmer, damals noch in Diensten des BVB, in einem Menschenknäuel aus schweißüberströmten Spielern wiederfand. Um ihn herum Flutlicht und ekstatischer Jubel, und mittendrin er, halb liegend, mit gereckter Faust gen Südtribüne.

Dieser Augenblick nach dem 3:2-Siegtor in der Nachspielzeit des Champions-League-Viertelfinals gegen Malaga sei die schönste Erinnerung an seine Zeit als Borusse, sagt Schieber. Ohne den von ihm vorbereiteten Treffer wäre der BVB damals ausgeschieden.

Am Freitag (20.30 Uhr/Sky) kehrt der 27 Jahre alte Stürmer nun erstmals zurück an den Ort dieses unvergesslichen Triumphs, was insofern kurios ist, als dass er schon seit mehr als zwei Jahren in Berlin spielt. Doch immer wenn der Hertha-Tross seither gen Dortmund rollte, musste Schieber verletzt zurückblieben. Das Knie. Dafür ist die Vorfreude jetzt umso größer. „In Dortmund“, sagt er, „steht eines der besten Stadien der Welt, und ohnehin dreht sich dort alles nur um Fußball. Ich hatte dort eine wundervolle Zeit.“

Ein Herz für die alte Liebe

Noch immer hat er ein Herz für seine alte Liebe. Als der BVB im Mai in Berlin um den DFB-Pokal spielte, saß Schieber auf der Tribüne, umringt von schwarz-gelben Fans. Auch zu früheren Kollegen wie Nuri Sahin oder Sven Bender hält er weiterhin Kontakt. Von Sehnsucht zu sprechen, wäre jedoch vermessen. In Berlin hat Schieber schließlich ein neues Glück gefunden, oder besser gesagt: wiedergefunden.

Fast ein Jahr hatte er ja wegen eines Knorpelschadens pausieren müssen, einer Verletzung, die in anderen Fällen schon zum Karriereende geführt hat. Nicht so bei Schieber, er hat sich in dieser Saison eindrucksvoll zurückgemeldet.

Am 1. Spieltag schoss der Joker Hertha gegen Freiburg in der Nachspielzeit zum 3:2-Sieg und sorgte damit für ähnlich Rauschzustände wie einst in Dortmund. In Ingolstadt gelang ihm anschließend das entscheidende 2:0, wieder als Einwechselspieler.

„Habe meine Verletzung unterbewusst als Entschuldigung benutzt“

Zwei Tore, die zu sechs Punkten führten – und dazu, dass sich die Skepsis zersetzte, die sich nach dem Zerplatzen des Europa-League-Traums und dem denkbar knappen Sieg bei Jahn Regensburg im DFB-Pokal breitgemacht hatte. „Diese zwei Siege“, sagt Schieber, „haben unserem Selbstvertrauen gutgetan.“

Das gesteigerte Selbstbewusstsein betrifft vor allem ihn selbst. „Julian hat inzwischen wieder eine ganz andere Körpersprache“, sagt Trainer Pal Dardai, der ihn in der Vorbereitung in die Pflicht genommen hatte. Schieber müsse mehr zeigen, sagte Herthas Chefcoach, müsse Druck machen auf die etablierten Stürmer Vedad Ibisevic und Salomon Kalou. Eine Ansage, die Wirkung zeigte.

Schieber gibt zu: „Ich bin da in ein Muster verfallen und habe meine Verletzung unterbewusst als Entschuldigung benutzt.“ Dafür, dass er nach zwölf Monaten Pause und sporadischen Kurzeinsätzen noch nicht wieder so auftrat wie früher. Jetzt aber schwärmt Dardai: „Endlich habe ich wieder den alten Julian!“ Den Schieber, der nach seiner Ankunft in Berlin in zehn Spielen sechs Tore schoss.

Mindestens sieben Tore als persönliches Saisonziel

An Schiebers Rolle als Edeljoker wird sich vorerst trotzdem nichts ändern. Kapitän Ibisevic ist als alleinige Spitze gesetzt. „Dafür ist Julian einer, der immer zusetzen kann, wenn der Gegner an Kraft verliert“, sagt Kollege Sebastian Langkamp. Bislang wurde er in allen sechs Saisonspielen eingewechselt.

Um wieder wertvoll zu werden fürs Team, hat Schieber konsequent an sich gearbeitet. Erstmals seit 2014 konnte er wieder eine Sommervorbereitung absolvieren, verlor Gewicht und gewann an Dynamik. Seine persönlichen Saisonziele hat er so schon fast erfüllt. Abnehmen: check. Der „alte Schieber“ werden: ebenfalls abgehakt. Nun will er mindestens sieben Tore schießen. Das dritte am liebsten schon in Dortmund.

„Natürlich sind wir in diesem Duell nicht der Favorit“, sagt Schieber. Bleibt es aber lange knapp am Freitagabend, wird sein Pulsschlag stetig steigen. Noch einmal jubeln an alter Wirkungsstätte, das wär’s. Nur diesmal vor dem Gästeblock.