Hertha BSC

Alex Baumjohann ist bereit für den Rollentausch

Alexander Baumjohann ist Herthas bester Fußballer. Trotzdem kommt er nur von der Bank - dabei hat der Spielmacher das Zeug für mehr.

Nach zwei Kreuzbandrissen will sich Alexander Baumjohann (28) endlich als Herthas Spielgestalter etablieren

Nach zwei Kreuzbandrissen will sich Alexander Baumjohann (28) endlich als Herthas Spielgestalter etablieren

Foto: imago/Sebastian Wells

Berlin.  Ein kurzer Wackler und ein schneller Schritt, danach ein beherztes Dribbling vorbei an zwei Gegenspielern – in vollem Tempo, den Ball eng am Fuß, den Mitspieler im Blick, und schließlich das geschickte Zuspiel in den Rücken der Abwehrspieler auf Salomon Kalou. Schuss, Tor, Szenenapplaus.

Es liegt an Momenten wie diesen, dass Trainer Pal Dardai seinen Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann als „Herthas besten Fußballer“ bezeichnet. Und es sind Szenen wie jene aus dem Training in dieser Woche, die die Berliner am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) brauchen werden. In Darmstadt warten bekanntlich zehn Abwehrmalocher plus Torwart auf die Hauptstädter. Und Schwerstarbeit.

Gänzlich neu ist diese Herausforderung nicht für Hertha. Beim Aufsteiger FC Ingolstadt trafen die Berliner auf ähnlich verteidigungswütige Gegner. Baumjohann stand damals in der Startelf, und auch in Darmstadt gilt er als Kandidat für die Anfangsformation.

Die Kreuzbandrisse sind abgehakt

„Ich bin stärker, wenn ich von Anfang an spiele“, sagt Baumjohann im Gespräch mit der Morgenpost. Bislang muss er damit leben, dass sein Platz bei Hertha zu Spielbeginn meist auf der Bank ist. Außer in Ingolstadt kam er stets als Joker. Die Zahlen: zwölf Einsätze und gut 23 Spielminuten im Schnitt.

Dabei spielen die Nachwirkungen seiner zwei Kreuzbandrisse keine Rolle mehr. Die Physis stimmt, das Knie hält – sein spezielles Krafttraining dient nur der Prävention. „Ich bin heiß auf mehr“, sagt Baumjohann. Spätestens in der Rückrunde möchte er zur ersten Elf gehören.

Während Alexander Baumjohann mit seiner bisherigen Rolle hadert, hat seine Mannschaft bereits eine neue eingenommen: Immer öfter geht sie als Favorit ins Spiel. Dass Hertha auf Tabellenplatz vier steht und nur gegen die Topteams der Liga verlor, hat Eindruck gemacht. „Wir waren selbst gegen die Großen nicht chancenlos“, sagt Baumjohann, „das nehmen auch unsere Konkurrenten wahr.“ Vom 1:0 beim FC Augsburg am ersten Spieltag bis zum jüngsten 2:1 gegen Bayer Leverkusen ist das Berliner Selbstvertrauen in dieser Saison kontinuierlich gewachsen.

Neue Leichtigkeit statt verkrampfter Abstiegskampf

Wenn man oben steht, sagt Baumjohann, habe man eben auch das nötige Glück. So wie beim 1:0 gegen die TSG Hoffenheim vor drei Wochen. Da brachte Hertha das Kunststück fertig, nur ein einziges Mal aufs Tor zu schießen und trotzdem als Sieger vom Platz zu gehen.

Die neue Berliner Leichtigkeit, sie schlägt sich nicht nur in Herthas verbesserter Spielanlage nieder, sondern auch im Kopf. Im Abstiegskampf der Vorsaison war die Mannschaft so sehr auf Punkte angewiesen, dass sie nicht selten verkrampfte. Großer Druck, kleines Selbstbewusstsein – eine fatale Mischung. „Jetzt“, sagt Baumjohann, „ist es viel einfacher.“

Tatsächlich haben die Berliner ihr Hinrunden-Ziel von 20 Punkten ja längst erfüllt. Trotzdem geht es bis Weihnachten um weit mehr als die Kür. Auf Darmstadt folgt in der Bundesliga Mainz 05, dazwischen steht das Achtelfinale im DFB-Pokal in Nürnberg an. Drei Spiele, in denen sich Herthas „Mundgeschmack für Weihnachten“ (Dardai) entscheidet.

Drei Vorlagen und ein Treffer

Profi-Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft – eine Tatsache, die in Berlin noch wahrer ist als an unaufgeregten Standorten wie Augsburg oder Mainz. Dass Michael Preetz zu besonderer Vorsicht mahnt, kommt nicht von ungefähr. Die Partie in Darmstadt, sagt der Manager, werde ein „Gegenentwurf zur Partie gegen Leverkusen“, auf den sich die Mannschaft „mental völlig anders einstellen“ muss. Mit technischer Finesse allein werden die Herthaner in Darmstadt sicher nicht gewinnen. Ob sie es ohne schaffen, darf allerdings auch bezweifelt werden.

Baumjohann ist dabei mehr als eine Option von vielen. Trotz seiner überschaubaren Spielzeit hat er bereits drei Tore vorbereitet und einen Treffer selbst erzielt. Er zählt zu der Art Fußballer, die gern als „Unterschiedspieler“ bezeichnet werden. Dass er bei Hertha nicht gesetzt ist, wird andernorts mit Verwunderung registriert, sagt aber eine Menge aus über den blau-weißen Status quo.

Vertragsgespräche in der Winterpause

Baumjohann spielt zwar wenig, genießt aber trotzdem viel Wertschätzung. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, in der Winterpause sind Gespräche geplant. „Von unserer Seite spricht nichts dagegen, mit Alex weiterzumachen“, sagte Preetz der Morgenpost.

Aktuell gibt es drängendere Themen. Darmstadt zum Beispiel. „Das Erfolgsrezept wäre ein frühes Führungstor“, sagt Baumjohann, „und wenn es nicht so kommt, müssen wir Geduld beweisen.“ So wie er selbst auf seinem Weg zum Stammspieler.