Hertha BSC

Sebastian Langkamp nimmt die Sache selbst in die Hand

Langkamp übernimmt Verantwortung – für Hertha und für sich selbst. Im letzten Spiel in Wolfsburg stand er nicht im Kader, nun ist er gesetzt.

Seit dem bisher letzten Spiel gegen Wolfsburg Ende Februar hat Sebastian Langkamp keine einzige Sekunde auf dem Rasen für Hertha verpasst

Seit dem bisher letzten Spiel gegen Wolfsburg Ende Februar hat Sebastian Langkamp keine einzige Sekunde auf dem Rasen für Hertha verpasst

Foto: Dennis Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Für Michael Preetz war das neu. Da saß Herthas Manager vor ein paar Wochen in seinem Büro, um einen seiner wichtigsten Spieler zu überzeugen, den Vertrag zu verlängern, und konnte ihm dabei tatsächlich ins Gesicht schauen. Sebastian Langkamp hatte sich entschieden, selbst aufzutauchen und keinen Berater zu schicken. Hin und wieder bekam er familiäre Unterstützung. Aber einen Agenten, wie ihn in der Profibranche heute eigentlich jeder hat, brauchte Langkamp nicht.

„Ich bin nun in einem Alter, in dem ich die Verhandlungen für mich gern selbst in die eigene Hand nehmen wollte“, sagt der 27-Jährige. Ungewöhnlich ist das, weil es in solchen Gesprächen ja auch heiß hergeht. Weil man sich nicht nur erzählt, wie sehr man sich schätzt, sondern um Zahlen feilscht. Da hat jede Seite naturgemäß andere Interessen. Es geht auch ums Geld, „ums Eingemachte“, sagt Langkamp.

Seit er 19 Jahre alt war, hatte er mit Steffen Schneekloth denselben Berater. Nun aber wollte er für sich allein eintreten. Im Sommerurlaub bereitete er sich auf die Gespräche vor, übte ein, was er sagen wollte. „Es war der wichtigste Vertrag meiner Karriere. Und den wollte ich für mich so aushandeln, wie ich mir das vorgestellt habe“, erzählt der Innenverteidiger.

Bei der Vertragsverhandlung ohne Berater aufgetreten

Michael Preetz haben diese Gespräche beeindruckt. Normalerweise muss sich der Manager mit Beratern auseinandersetzen, mit ausgebufften Profis, die nicht nur für ihre Klienten, sondern auch für die eigene Gage verhandeln. Manche sind windig.

Andere gibt es beim nächsten Treffen schon gar nicht mehr, weil der Spieler mal wieder einen neuen Agenten beauftragt hat, wie bei Hany Mukhtar einst, oder aktuell bei John Brooks. „Sebastian hat Verantwortung für sich übernommen. Das unterscheidet ihn von anderen. Ich finde das gut, denn es zeigt, dass er für seine Position eintritt“, sagt Preetz.

Den 48-Jährigen hat das auch etwas an sich selbst erinnert. Auch Preetz trat zum Ende seiner Spielerkarriere ohne Berater auf. „Weil ich irgendwann das Gefühl hatte, dass ich das allein besser für mich kann“, sagt er heute. Sicher, es waren andere Zeiten. Man könne das nicht mit heute vergleichen. Das Geschäft sei viel komplexer geworden.

Raus nach dem Trainerwechsel von Luhukay zu Dardai

Umso bemerkenswerter aber ist Langkamps Entscheidung, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das hat etwas mit Mündigkeit zu tun – in einer Branche, in der Spielern immer mehr abgenommen wird. Am Ende verlängerte Sebastian Langkamp seinen Vertrag bei Hertha vorzeitig um drei Jahre bis 2019.

Langkamp sagt, ein Grund, warum er dafür keinen Berater brauchte, sei seine sportliche Situation bei Hertha gewesen. Er wusste, dass Preetz verlängern wollte und dass er im Abwehrzentrum der Berliner auch in Zukunft fest eingeplant war. Aber damit das überhaupt so weit kommen konnte, hatte er zuvor auch ein paar andere Dinge in die eigene Hand nehmen müssen. Denn es sah zunächst erst einmal nicht danach aus.

An diesem Sonnabend treten Langkamp und Hertha beim VfL Wolfsburg an (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). Langkamp wird dabei in der Startelf stehen. Bei der bisher letzten Reise nach Wolfsburg im Februar allerdings gehörte er nicht einmal zum Kader – erstmals in seiner Zeit bei den Berlinern überhaupt, wenn er gesund war.

Langkamp steht vor seinem 50. Bundesligaspiel für Hertha

Kurz zuvor wurde Trainer Jos Luhukay entlassen, und Pal Dardai übernahm. In seinem dritten Spiel verzichtete der Ungar komplett auf Langkamp, der unter Luhukay noch immer gespielt hatte. „Das musste ich erst einmal runterschlucken“, sagt Langkamp.

Erste-Hilfe-Maßnahmen von neuen Trainern ähneln sich oft: Zunächst werden Spieler gefördert, die beim entlassenen Coach keine Rolle spielten – und die, die gesetzt waren, haben es erst einmal schwer. Langkamp zum Beispiel.

Dardai schien nicht überzeugt. Und wer in dieser Zeit genau hinsah, der konnte erkennen, dass dies Langkamp beschäftigte. Aber das änderte sich. Der Verteidiger sagt: „Es hat sich eingependelt.“ Seit dem letzten Spiel gegen Wolfsburg hat Dardai keine Sekunde auf ihn verzichtet. Jede Partie spielte er durch und macht nun, da es wieder zum VfL geht, sein 50. Bundesligaspiel für Hertha.

Fixpunkt in der Defensive

Was ist nach dem 1:2 in Wolfsburg damals passiert? „Es ist dasselbe passiert wie vorher bei Luhukay“, sagt Langkamp. Mit dem Niederländer hatte er vor Hertha schon in Augsburg zusammengearbeitet.

„Es hieß immer, wir seien Luhukay-Zöglinge. Aber das ist Unsinn. Luhukay wusste mich persönlich und sportlich einzuschätzen. Er hat mir vertraut. Aber das musste ich mir erst erarbeiten. Und genau dieses Vertrauensverhältnis habe ich versucht, mir auch bei Pal zu erarbeiten“, sagt er.

Er hat die Sache auch hier selbst in die eigene Hand genommen und Überzeugungsarbeit geleistet. Dardai nennt Langkamp nun „einen wichtigen Spieler für mich“ und verzichtet nicht mehr auf ihn – diesmal auch nicht gegen den Vizemeister Wolfsburg mit der imposanten Offensive. „Er ist ein Fixpunkt in unserem defensiven Gerüst und schafft es jede Woche, zuverlässig und nahezu fehlerlos sein Potenzial abzurufen“, sagt Preetz. Und auch das ist im Profigeschäft ja ungewöhnlich.