Hertha BSC

Beerens kleine Verletzung hat eine große Wirkung

Der Ausfall von Roy Beerens zwingt Herthas Cheftrainer Pal Dardai zu Veränderungen. Diese aber könnten gegen Wolfsburg sogar hilfreich sein.

01.08.2015, Ludwig-Jahn-Stadion, Berlin, GER, 1.FBL, Hertha BSC VS. CFC GENUA, im Bild Roy Beerens (Hertha BSC Berlin) Foto © nordphoto / Engler

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Berlin.  Mit dem Wort Hoffnung ist das so eine Sache. Pal Dardai jedenfalls versucht diesen Begriff zu vermeiden, „eigentlich“, sagt Herthas Cheftrainer, „mag ich ihn nicht.“ Vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg (Sonnabend, 15.30 Uhr) ist das ein bisschen anders.

„Diesmal“, sagt Dardai, „habe ich die Hoffnung, dass wir eine große Mannschaft überraschen können“. Woher er sie schöpft? Wohl aus den guten Trainingseindrücken dieser Woche – und natürlich aus dem gewachsenen Selbstvertrauen. Sieben Punkte aus den ersten vier Bundesligaspielen haben die Brust der Berliner ein ganzes Stückchen breiter werden lassen.

Keine Hoffnungen macht sich Dardai indes in Bezug auf Roy Beerens. Der Niederländer hatte am vergangenen Wochenende einen Schlag auf die Wade bekommen. Das daraus resultierende Hämatom macht bislang wenig Anstalten, aus Beerens’ Unterschenkel zu verschwinden. Dardai plant deshalb inzwischen ohne den Flügelspieler.

Weiser probiert es im Abschlusstraining

Die kleine Verletzung könnte eine große Wirkung haben. Denn: Viele Optionen stehen Hertha nicht mehr zur Verfügung. Mitchell Weiser, der mit einem gebrochenen kleinen Zeh zu kämpfen hat, erprobt zwar aktuell, ob er mit einem Spezialschuh spielen kann, wird im Fall der Fälle aber rechts hinten benötigt. Er muss den an der Schulter operierten Peter Pekarik ersetzen. Sollte Weiser kein grünes Licht geben, darf der junge Niklas Stark in der Abwehr sein Startelf-Debüt geben .

Als Beerens gegen Stuttgart vom Feld humpelte, brachte Dardai mit Vedad Ibisevic einen zweiten Stürmer. Vielleicht auch eine Variante für Wolfsburg: „Wir haben im Training zweimal 20 Minuten gespielt“, erklärte Dardai, „eine Halbzeit mit zwei Angreifern und eine mit einem.“ Beide Konstellationen hätten gut funktioniert. Aber ob eine derart offensive Ausrichtung gegen ein Top-Team wie Wolfsburg tatsächlich das Mittel der Wahl ist? Fraglich.

Hegeler vor Rückkehr in die Startelf

Wahrscheinlicher scheint eine andere Lösung. Für Beerens könnte Genki Haraguchi, zuletzt auf der linken Außenbahn, die Seite tauschen. Seinen Posten würde Valentin Stocker übernehmen – für den dadurch freiwerdenden Platz im zentral-offensiven Mittelfeld könnte dann Jens Hegeler ins Team rücken.

Den hatte Dardai in der Vorbereitung aus dem defensiven Mittelfeld nach vorn gezogen. Überzeugen konnte der 27-Jährige in der neuen Rolle zwar nicht, aber Hegeler bringt eine Qualität mit, die sich gegen Wolfsburg als äußerst wertvoll erweisen könnte: Mit 1,93 Metern verfügt er über ein gutes Kopfballspiel.

Ballbesitz und Passquote hat Hertha im Vergleich zum Vorjahr schon spürbar verbessert. Eine Schwäche hat Dardai seiner Mannschaft aber noch nicht austreiben können. Die Anfälligkeit bei Standards. Vergangene Saison kassierte Hertha 14 Gegentore nach ruhenden Bällen. In den ersten vier Partien der aktuellen Spielzeit waren es schon zwei.

Naivität bei Standards

Nun gilt Wolfsburg bei Standards als eines der gefährlichsten Teams der Liga. Mit Ricardo Rodriguez hat der DFB-Pokalsieger einen der gefährlichsten Freistoßschützen der Liga – zudem ist Naldo mit seinen 1,98 Metern bei Ecken nur schwer am Kopfball zu hindern. Selbiges gilt für Stürmer Bas Dost (1,91 Meter), zumal Hertha am Sonnabend auf den hochgewachsenen John Brooks (Muskelverhärtung) verzichten muss.

Das Verteidigen bei Standards, sagt Dardai, sei eine Frage der Mentalität. „Wir sind da ein wenig naiv. Wenn das in Zukunft nicht besser funktioniert, müssen wir taktisch etwas ändern, dann müssen wir den Raum decken.“ Noch aber glaubt der Ungar daran, dass seine Spieler aus ihren Fehlern lernen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.