Es waren nur einige wenige Profis unterwegs, die auf dem Schenckendorff-Platz ihre Runden drehten. Neun, um genau zu sein – einer grüßte im Vorbeilaufen die Medienvertreter, die am Rande der Bande zuschauten. „Ich bin noch da“, sagte Ronny. Hertha BSC hätte den Brasilianer gern abgegeben.

Doch auch nach Ende der Sommer-Transferperiode in Europa mit dem gestrigen Montag steht Ronny beim Berliner Bundesligisten auf der Gehaltsliste. Dennoch sind die Verantwortlichen bei Hertha zuversichtlich, den Angestellten mit seinem Jahres­salär von 1,5 Millionen Euro bald zu verabschieden.

Noch zwei Wochen für Ronny

In Saudi-Arabien, wo die Klubs Al-Nasr Riad und al-Ittihad Interesse an Ronny bekundet haben, sind Wechsel bis zum 14. September möglich. In Dubai und dem Oman noch eine ­Woche länger.

Ein anderer, der gerade ein Arbeitspapier bis 2017 bei Hertha unterzeichnet hat, fehlte. Der Bosnier Vedad Ibisevic war wie die meisten anderen Spieler auf dem Weg zu seiner Nationalmannschaft. Dort wird der 65-malige Nationalspieler in der EM-Qualifikation gegen Belgien (3. September) und Andorra (6.) spielen.

Hertha prüfte andere Stürmer-Optionen

Manager Michael Preetz bestätigte der Morgenpost, dass Hertha bei der Suche nach Verstärkung für den Sturm „zwei, drei andere Optionen geprüft hat“. Weil die sich kurzfristig zerschlugen und parallel der VfB Stuttgart von seinen hohen Ablöseforderungen in Sachen Ibisevic herunterkam, entschied sich Hertha für die Verpflichtung des 31-Jährigen, den die Schwaben am Ende ablösefrei gehen ließen und noch eine satte Abfindung zahlten.

Hertha-Trainer Pal Dardai sagte, mit der Verpflichtung von Ibisevic „bin ich sehr zufrieden. Er war mein Wunschspieler. Er ist torgefährlich, groß und kopfballstark. Ich traue es mir zu, es hinzubekommen, dass Vedad seine alte Form bekommt.“

Erst startet Kalou, dann kommt Ibisevic

Seine alte Form aus erfolgreichen Hoffenheimer Tagen wird Ibisevic brauchen, um Hertha weiterzuhelfen. In Stuttgart hatte der Topverdiener mit einer Mischung aus Formproblemen, Torflaute und Roten Karten den Kredit auf eine erfolgreiche Zukunft verspielt.

Sein erstes Hertha-Spiel soll Ibisevic am 12. September gegen den VfB Stuttgart bestreiten. Trainer Dardai baut einer möglichen Erwartungshaltung vor. „Zunächst wird Salomon Kalou spielen, ­Vedad sicher nicht von ­Anfang an. Aber er kann hinten raus noch ein Tor schießen.“

Preetz: Es war eine komplizierte Transferperiode

Somit beendet Hertha eine „komplizierte Transferperiode“, so Manager Preetz, ohne Verpflichtung am letzten Tag. Trainer Dardai fasst die Wechselfrist so zusammen: „Es war nicht einfach, mit unserer Tüte einkaufen zu ­gehen.“ Zum Teil war die Bredouille selbstverschuldet. Hertha hatte es in der vergangenen Saison versäumt, frühzeitig Planungssicherheit zu schaffen und sich das Startrecht für die neue Saison erst am letzten Spieltag 2014/15 gesichert.

Zudem lief nur ein Vertrag aus (Marcel Ndjeng/ablösefrei zum SC Paderborn). In der Folge brauchte es viele Wochen, bis sieben weitere Planstellen freigeworden waren: John Heitinga (ablösefrei zu Ajax Amsterdam), Fabian Holland, Peter Niemeyer, Sandro Wagner (alle zum SV Darmstadt), Sascha Burchert (ausgeliehen an ­Valerenga Oslo), Nico Schulz (drei Millionen Euro Ablöse zu Borussia Mönchengladbach) und Hajime Hosogai (ausgeliehen zu Bursaspor).

Hertha hat sich nach Moritz Leitner erkundigt

Unter dem Strich konnte Hertha mit „kleiner Tüte“ vier Neue verpflichten: Mitchell Weiser (21 Jahre/ablösefrei vom FC Bayern), Vladimir Darida (25/3,8 Millionen vom SC Freiburg), Niklas Stark (20/drei Millionen vom 1. FC Nürnberg) und Ibisevic. Die drei Erstgenannten ­haben alle Potenzial, sich weiterzuentwickeln. Dass die Hertha-Finanzen knapp sind, zeigt die Ibisevic-Verpflichtung. Dessen letztes Bundesliga-Tor datiert vom Januar 2014. Im Angriff, dort, wo die Berliner den größten Bedarf ­haben, geht Hertha das meiste Risiko.

Auf dem Wunschzettel von Dardai standen weitere Positionen: Ein starker zentraler Mittelfeldspieler wäre schön, Hertha hatte sich nach Moritz Leitner erkundigt. Auch ein Außenbahnspieler mit mehr Geschwindigkeit würde helfen. Aber die Klubführung muss dem Tribut zollen, dass Hertha in der Fünf-Jahres-Wertung der TV-Geldrangliste in ­dieser Saison mit 23,1 Millionen Euro knapp neun Millionen weniger bekommt als etwa Augsburg oder Hannover (beide 31,8 Mio.).

Langkamp unterschreibt bis 2019

In Zeiten wie diesen ist es eine gute Nachricht, dass Hertha beim Abwehrchef auf Kontinuität setzen kann. Der Vertrag mit Sebastian Langkamp, 27, wurde bis 2019 verlängert. „Sebastian Langkamp ist die Konstante in unserer Abwehr, Stammspieler und absoluter Leistungsträger“, sagt Manager Preetz.

Langkamp freute sich über den langfristigen Kontrakt und sagte der Morgenpost: „Ich habe mir eine gute Position innerhalb der Mannschaft erarbeitet und möchte künftig noch mehr Verantwortung übernehmen.“

Ziel sorgenfreie Saison

Wie stark der Hertha-Jahrgang 2015/16 ist, muss sich noch erweisen. Der Bundesliga-Start mit einem Sieg, einem Remis und einer Niederlage, dem 1:3 gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund, war ordentlich. Das Ziel heißt: eine sorgenfreie Saison.