Herthas BSC

John Brooks – „Ich habe auf die harte Tour lernen müssen“

Gegen Bayer Leverkusen ist die Abwehr der Berliner gefragt. Dort soll Brooks den verletzten Langkamp ersetzen. Nach einer turbulenten Spielzeit hofft der 21-Jährige, nun konstanter zu spielen.

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Und dann stehen da plötzlich all diese Kinder. Sie strecken sich hoch zu John Brooks, um ihm auf die Schulter zu tippen. Autogramm-Wünsche bedienen, oder weiter Reporterfragen beantworten? Brooks überlegt kurz, und dann spricht Herthas Abwehrmann einfach weiter darüber, wie das so ist, wenn man in einer Saison von der Rasanz der Ereignisse hoch- und wieder runtergeschleudert wird. Das klingt dann so: „Ich habe auf die harte Tour lernen müssen.“

Brooks ist erst 21, und doch fühlt sich diese letzte Saison an wie eine ganze Karriere. Erstes Bundesliga-Spiel, erstes Tor. Berufung zur US-Nationalmannschaft. Oben.

Zweimal schon in der ersten Halbzeit von Herthas Trainer Jos Luhukay vom Platz geholt worden, weil er wacklig war. Rückschläge, Verletzungen. Und dann diese Sache mit seinem Rückentattoo, das ihn in die Schlagzeilen brachte und raus aus der Mannschaft. Unten.

Dann kam die WM in Brasilien, sein Siegtreffer gegen Ghana. Wieder oben. „John hat in der letzten Saison ein echtes Wellental durchlaufen“, sagt Luhukay. Und wenn man Brooks heute reden hört, könnte man meinen, dass ihm das gut getan hat.

Vier-Augen-Gespräch mit Trainer Luhukay

Er will sich nun nicht mehr ablenken lassen – nicht im Pressegespräch und überhaupt. „Ich bin ein reiferer Profi geworden. Ich habe aus dem vergangenen Jahr viel gelernt. Mein Ziel muss sein, konstanter zu werden. Ich hoffe, das gelingt mir“, sagt Brooks.

In der vergangenen Woche bat Luhukay seinen jungen Defensivspieler zu einem Vier-Augen-Gespräch. Thema: Weiterentwicklung. Nun kann der Niederländer dies schneller überprüfen, als er sich gewünscht hat. Nach dem Ausfall von Sebastian Langkamp wird Brooks beim Auswärtsspiel gegen Bayer 04 Leverkusen am Sonnabend (15.30 Uhr/im Liveticker bei immerhertha.de) neben John Heitinga die Innenverteidigung bilden.

Und dass es gegen die fulminant in die Saison gestartete Werkself vor allem auf die Defensive ankommen wird – also auch auf Brooks –, ist Luhukay bewusst: „Bayer ist eines der besten Teams. Die Mannschaft verbindet Technik und Schnelligkeit. Zudem haben sie mit Stefan Kießling einen der besten Stürmer der Liga.“

Keine Sprachbarriere mit John Heitinga

Luhukay traut Brooks zu, die Aufgabe zu lösen und in den kommenden Wochen der Abwesenheit Langkamps eine Stütze in der Defensive zu sein: „John bringt alles mit: Er ist stark in der Antizipation, braucht keine Fouls, ist kopfballstark und passsicher in der Spieleröffnung. Allein, er muss es konstanter zeigen. Das muss der nächste Schritt sein.“

Das Oben und das Unten – John Brooks würde vorerst gern mit dem Dazwischen vorliebnehmen. Gegen Leverkusen wird der erfahrene Heitinga versuchen, ihm dabei zu helfen. „Von ihm kann ich viel lernen. Ich beobachte ihn und versuche, mir Dinge abzuschauen“, sagt Brooks.

Sprachlich zumindest passen beide gut zusammen. Auf dem Platz kommunizieren der Niederländer Heitinga und der Deutsch-Amerikaner Brooks auf Englisch. Das ist dann fast wie bei der WM. Und die, sagt Brooks zum Ende, „hat mich selbstbewusster werden lassen“. Erst dann gibt es Autogramme.