Bundesliga

Hoffen auf buntere Zeiten bei Hertha BSC

Der Berliner Cheftrainer Jos Luhukay wünscht sich gegen Wolfsburg einen „unerwarteten Sieg“ und setzt dabei auf altbewährte Methoden. Kalou wird sein Startelfdebüt geben, Brooks dagegen sitzt draußen.

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Es kommt ein bisschen Farbe ins Spiel von Hertha BSC. Gelbe Sterne, rote, grüne und hellblaue. Sie sind auf das Trikot gedruckt, mit dem die Berliner am Mittwoch im Olympiastadion gegen den VfL Wolfsburg (20 Uhr/Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) bestehen wollen. Ein Sonderdress ist das. Es soll auf die Wichtigkeit eines Wettbewerbs hinweisen, dessen Siegerehrung zeitgleich zur Partie stattfindet: „Jugend trainiert für Olympia“. Kinder sind schließlich die Zukunft. Klar. Und daher ist das auch eine ehrenwerte Sache.

Die Gegenwart aber ist weniger bunt bei Hertha. Die Sterne sind nur vom Logo des Jugendwettbewerbs geliehen. Eigene Farbtupfer konnte die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay in den ersten vier Ligaspielen nicht setzen. Im Gegenteil: Ihre Auftritte provozierten eher Schwarzmalerei. Hertha hat noch keine Partie gewonnen und zuletzt gegen Freiburg so schwach gespielt, dass man sich tatsächlich Sorgen machen muss.

Dass nun mit dem VfL ausgerechnet eine Mannschaft kommt, die es am Sonntag gegen das Spitzenteam Bayer Leverkusen selbst ziemlich bunt trieb und 4:1 gewann, spricht nicht gerade dafür, dass nach der Partie ein fröhlicheres Bild vom Hauptstadtklub zu zeichnen sein wird.

Die Mannschaft ist verunsichert

Jos Luhukay weiß das. Zu den positiven Eigenschaften des Niederländers gehört, dass er kein Fan von Schönfärberei ist. Dass seine Mannschaft derzeit verunsichert ist, sagt Luhukay ganz deutlich. Dass sie unerwartet stark auf der Suche nach sich selbst ist, auch. „Ich habe mit der Mannschaft gar nicht so viel über die Stärken des Gegners gesprochen, denn das würde sie vielleicht noch mehr beunruhigen.

Ich will, dass sie ihre eigenen Stärken sieht“, sagte der 51-Jährige. Und deshalb hat er sich entschieden, nicht wie am zweiten Spieltag gegen Leverkusen, als es zumindest eine Stunde gut gelang, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten, mit einer Dreierkette zu spielen, die bei gegnerischem Ballbesitz zu einer Fünferkette mutiert.

Es wäre ja denkbar gewesen, dass mit dieser defensiveren Ausrichtung etwas mehr Stabilität in die löchrige Abwehr kommt, die schon elf Gegentore hinnehmen musste – kein Team kassierte mehr. Aber Luhukay sagte: „Wir werden mit unserem gewohnten 4-3-3-System spielen. Die Mannschaft braucht Sicherheit und kann sich auf die alte Formation zurückziehen.“

„Wir wollen den Bock umstoßen“

Nun ist es ja so, dass Wolfsburg eigentlich alles andere als der passende Aufbaugegner ist. „Sie sind mit ihrer Qualität wieder auf dem Weg unter die Top-Fünf“, sagte Luhukay.

Doch vielleicht ist es wiederum auch so, dass gerade gegen solche Teams, gegen die nur wenige einen Erfolg von der angeschlagenen Hertha erwarten, der ersehnte Befreiungsschlag gelingen kann. „Es ist eine Herausforderung, gegen diese Mannschaft endlich den Bock umzustoßen und einen unerwarteten Sieg zu holen“, sagte Luhukay. Der Bock aber war zuletzt ziemlich stur und ließ sich mit keiner der vier verschiedenen Startaufstellungen auf die Seite werfen.

Zwei Spiele Sperre für Schulz

Weil Linksverteidiger Nico Schulz gegen Freiburg die Rote Karte sah und nun für zwei Spiele gesperrt ist, muss Herthas Trainer seine Mannschaft erneut umstellen. Schulz’ etatmäßiger Vertreter wäre eigentlich Johannes van den Bergh, doch der steht nicht einmal im Kader, obwohl auch die andere Alternative Marvin Plattenhardt nach Verletzung noch nicht wieder fit genug ist.

„Johannes ist derzeit auf der Suche nach seiner Form. Gegen solch einen Gegner wie Wolfsburg aber brauche ich Spieler, die den Glauben an sich haben“, sagte Luhukay. Den Bock zum Gärtner machen braucht er dennoch nicht.

Rechtsverteidiger Peter Pekarik hat schon in der Vorsaison bewiesen, dass er auch links verlässlich ist. Und weil Luhukay gegen die Niedersachsen zudem auf den zuletzt noch am stabilsten wirkenden Innenverteidiger John Brooks verzichtet, wird John Heitinga neben Fabian Lustenberger ins Abwehrzentrum rücken.

Der alte Leitsatz: Mentalität schlägt Qualität

Spieler, die bedingungslos an sich glauben, hat Luhukay aktuell nicht allzu viele. Einer davon ist der neue Stürmer Salomon Kalou. Der Ivorer dürfte für Julian Schieber beginnen, denn Luhukay sagte: „Wir haben zuletzt das Training der Offensive voll auf ihn ausgerichtet“.

In der angespannten Situation hat sich Luhukay zudem entschieden, einen Leitsatz wieder hervorzuholen, der schon in der Vergangenheit recht gut funktionierte: „Ich will, dass wir 90 Minuten lang alles geben. Wir müssen versuchen, mit Mentalität die Qualität des Gegners zu schlagen“, sagte der Trainer. Es ist also kein ganz neuer Anstrich, mit dem Luhukay das derzeit ramponierte Selbstbild seines Mannschaft zu restaurieren gedenkt.

Aber er könnte am Ende wieder Farben ins Spiel bringen.