Bundesliga

Nico Schulz soll für Hertha zum Problemlöser werden

Nach seiner Verletzung ist der 21-Jährige wieder fit. Nun soll er in die Startelf zurückkehren – und die Probleme auf der linken Abwehrseite beheben. Warum Schulz für Hertha ein Hoffnungsträger ist.

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Eigentlich könnte sich Nico Schulz über die aktuelle Länderspielpause freuen. Sein Körper musste schließlich gerade erst einen Muskelfaserriss wegstecken – da kommt die zusätzliche Trainingszeit, um die eigene Physis wieder auf Vordermann zu bringen, gerade recht.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. „Wenn ich ehrlich bin“, sagt der Linksverteidiger von Hertha BSC, „hätte ich am liebsten schon wieder ein Bundesligaspiel gehabt.“ Schulz brennt auf sein Comeback.

Seinem Trainer dürfte es nicht anders gehen. Nach dem internen Testspiel, das der Berliner Bundesligist am Freitag veranstaltete, gab es jedenfalls ein Sonderlob für das Hertha-Eigengewächs. „Nico hatte mehrere gute Offensivaktionen“, sagte Jos Luhukay. Einer Rückkehr in die Startelf stehe nichts mehr im Weg.

Konstanz als neue Stärke

Anders als den anderen Hertha-Talenten John Brooks und Hany Mukhtar ist es Schulz in der laufenden Spielzeit gelungen, sich in der Stammformation fest zu spielen. Immer, wenn er einsatzfähig war, lief er von Beginn an auf. Das mag auch an den Verletzungen seiner direkten Konkurrenten gelegen haben, vor allem aber an seiner persönlichen Entwicklung.

„Egal ob wir als Mannschaft gut oder schlecht gespielt haben – ich glaube, meine Leistung ist nie großartig nach unten abgefallen“, sagt der 21-Jährige. Tatsächlich lässt sich der Unterschied zum Nico Schulz der Vorsaison ziemlich gut auf ein Wort herunterbrechen: Konstanz. Gut vier Jahre nach seinem Profi-Debüt ist er vom Nachwuchstalent zu einem Hoffnungsträger gereift.

Seine Verletzung liegt inzwischen gut drei Wochen zurück. Damals gewann Hertha 3:0 gegen den Hamburger SV. Schulz erlebte den bislang letzten Sieg der Berliner nur zur Hälfte. Weil sein Oberschenkel schmerzte, blieb er zur Pause in der Kabine – und stellte Luhukay vor ein Problem.

Linke Abwehrseite als Problemfall

Denn einen gelernten Linksverteidiger suchte der Niederländer auf der Hertha-Bank vergeblich. Weil weder Johannes van den Bergh (Muskelfaserriss), noch Marvin Plattenhardt (Aufbautraining) im Kader standen, musste Peter Pekarik von der rechten auf die linke Seite wechseln. Rechts spielte fortan Routinier Marcel Ndjeng. Ein Kunstgriff, der gegen den HSV funktionierte, in den folgenden drei Spielen jedoch nicht.

Die Statik im Spiel der Berliner bekam durch die Rochade einen empfindlichen Knacks. Beim bitteren Pokal-Aus in Bielefeld liefen die meisten Angriffe über Ndjengs Seite, und spätestens beim ähnlich ernüchternden 1:3 in Paderborn wurde sichtbar, dass Pekarik auf links weit weniger wertvoll ist als auf seiner Stammposition.

Das sah offenbar auch Luhukay so. Gegen Hannover hieß der Mann für hinten links daher Marvin Plattenhardt, doch der Sommerzugang erlebte bei seinem Startelf-Debüt einen Tag zum Vergessen. Bei beiden Gegentoren ließ sich seine Rolle bestenfalls als „unglücklich“ bezeichnen.

Kurzum: Während Schulz den größten Teil seiner Arbeitszeit auf den Pritschen der Physiotherapeuten verbrachte, entwickelte sich Herthas linke Abwehrseite zu einem Problemfall. Die Zuversicht, dass Hertha am Sonnabend (18.30 Uhr) beim 1. FC Köln endlich wieder ein Erfolgserlebnis einfährt, ist eng mit Schulz‘ Comeback verknüpft.

Einer der Schnellsten der Liga

Tatsächlich könnte er mit seinen Qualitäten zum Problemlöser werden. Bissig geführte Zweikämpfe, dynamische Tempoverschärfungen und Mut zum Dribbling – vieles von dem, was Schulz im simulierten Ernstfall am Freitag auf den Platz brachte, hat den Berlinern zuletzt gefehlt.

Die Prioritäten sind dabei klar. „Ich will versuchen, meine Seite zuzumachen“, sagt der U-21-Nationalspieler. „Aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich mich offensiv einbringen.“

Helfen wird ihm dabei seine Geschwindigkeit. Sein Bestwert in der Saison 2014/15 lautet 34,58 km/h. Unter den Bundesligaspielern liegt er damit in den Top Ten, noch vor Bayerns Arjen Robben. Schulz ist ein Mann fürs Tempo. Wie eingangs erwähnt: Manchmal kann es ihm gar nicht schnell genug gehen.