DFB-Pokal

Hertha gerät bei Arminia Bielefeld aus dem Tritt

Beim Pokal-Aus gegen den Drittligisten fehlt es den Berlinern an Leidenschaft und Torchancen. Der nächste unbequeme Gegner wartet bereits, doch Trainer Jos Luhukay plagen vorerst Personalsorgen.

Foto: INA FASSBENDER / REUTERS

HSV, Bielefeld, Paderborn – es sollte eine Woche werden, um Schwung und Selbstbewusstsein für den Rest des Jahres zu holen. Der erste Schritt gelang Hertha BSC mit einem überzeugendem 3:0 gegen Hamburg. Doch im zweiten Schritt, der zweiten Runde im DFB-Pokal, stürzten die Berliner böse ab: Nach 120 torlosen Minuten unterlag der Bundesligst im Elfmeterschießen bei Drittligist Arminia Bielefeld mit 2:4.

Nichts wird es aus der breiten Brust, mit der Hertha in den Jahres-Endspurt gehen wollte. Stattdessen werden die Mitglieder kritische Fragen stellen bei der Veranstaltung „Hertha im Dialog“ am kommenden Montag (3. November) und bei der Mitgliederversammlung (10. November).

Warum die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay auch nach drei Monaten im Pflichtspiel-Betrieb keine Stabilität hat? Warum die Mannschaft um Kapitän Fabian Lustenberger in der intensiv geführten Pokalschlacht vor 23.100 Zuschauern in Bielefeld nicht mit der Leidenschaft und Hingabe unterwegs ist wie der zwei Klassen tiefer spielende Gegner? Wie es sein kann, dass Verletzungsausfälle (wie am Dienstag von Änis Ben-Hatira, Nico Schulz und Per Skjelbred) dazu führen, dass die Mannschaft außer Tritt gerät – wo doch im Sommer neun Neue geholt wurden, um mehr Qualität in der Breite zu haben.

Das Problem mit Jens Hegeler

„Das Fatale ist, dass wir das Pokal-Ausscheiden nicht mit einem Sieg im nächsten Spiel wieder gut machen können“, sagte Manager Michael Preetz. Seine kühle Analyse: „Wir haben keine Antworten gefunden und es über 120 Minuten nicht geschafft, unser Spiel durchzusetzen. Wir habe nicht mit dem nötigen Nachdruck und dem nötigen Biss gespielt.“

Eine fatale Entscheidung des Trainers war es, im Zentrum des Hertha-Spiels Jens Hegeler aufzubieten. Doch wie schon in der Liga gegen Mainz (1:3) enttäuschte Hegeler mit einem Mangel an Tempo und Dynamik. Luhukay nahm seinen Mittelfeldakteur in Schutz. „In Bielefeld hat nicht Jens Hegeler verloren, sondern die ganze Mannschaft.“

Über die Abwehrseite von Marcel Ndjeng liefen die gefährlichen Bielefelder Angriffe. Im Abwehrzentrum schwammen Fabian Lustenberger und John Brooks eine Halbzeit erheblich. In der Offensive fand Genki Haraguchi überhaupt nicht statt. Roy Beerens mühte sich, hatte aber einen seiner schwächeren Tage.

Ronny sorgt für mehr Struktur

„Wir hatten uns viel vorgenommen“, sagte Stürmer Sandro Wagner. „Aber wir haben uns in 120 Minuten gegen einen Drittligisten nicht eine Chance herausgespielt. Dass wir uns so präsentieren, kann nicht sein.“

Wenn man Bielefeld, Spitzenreiter in Liga drei, die Qualität eines ordentlichen Zweitligisten attestiert: Hertha hat zwei Kräfte, die oft bewiesen haben, dass sie sich auf diesem Niveau prima durchsetzen können. Doch Ronny und Peter Niemeyer standen nicht in der Startelf.

Der Brasilianer sorgte nach seiner Einwechselung (62.) für mehr Struktur und Kreativität. Niemeyer kam nicht zum Einsatz. Luhukay sagte, Hegeler sei offensiver ausgerichtet. Zu konstatieren bleibt jedoch: Zum wiederholten Mal präsentierte sich Hertha in einem K.O.-Spiel als ein Team, dem es an Winner-Mentalität fehlt.

Hertha bestätigte wieder einmal das Vorurteil, Pokal nicht zu können. Zum sechsten Mal in den vergangenen sieben Jahren scheiterte der Hauptstadt-Klub an einem unterklassigen Gegner. Hertha verpasste es einmal mehr, Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Der nächste unbequeme Gegner wartet schon

Der Investor KKR, der im Februar dieses Jahres mit 61 Millionen Euro eingestiegen ist, wird nicht auf ein einzelnes Pflichtspiel schauen. Aber grundsätzlich sind positive sportliche Schlagzeilen sicher erwünscht. Ganz abgesehen davon, dass das Aus dem Hauptstadt-Klub Geld kostet. Für den Einzug ins Pokal-Achtelfinale erhält Arminia Bielefeld 527.000 Euro. Im Viertelfinale winken 1,04 Millionen, im Halbfinale 2,07 Millionen. Zum Vergleich: Hertha verabschiedet sich aus dem Cup-Wettbewerb mit 308.000 Euro.

Sportlich wird es nicht einfacher. Hertha hat einige angeschlagene Spieler. John Heitinga hat Wadenprobleme, Julian Schieber schmerzt der Oberschenkel, Ronny erhielt einen Schlag aufs Sprunggelenk, Roy Beerens einen Tritt auf das große Zehengelenk. Zudem werden Nico Schulz und Änis Ben-Hatira mit ihren Muskelverletzungen im Oberschenkel laut Luhukay „mindestens drei Wochen“ fehlen.

Der nächste Gegner am Sonntag wird ähnlich unbequem. Der SC Paderborn irritiert die Liga damit, dass der Aufsteiger jede Bundesliga-Partie wie ein Pokalspiel angeht. Hertha-Manager Michael Preetz. „Wir brauchen in Paderborn einen anderen Auftritt. Mit einer Leistung wie in Bielefeld haben wir dort keine Chance.“