Bundesliga

Sturm und Drang – Hertha sucht einen Nachfolger für Ramos

Der beste Angreifer der Berliner wechselt zu Borussia Dortmund. Hertha BSC erzielt eine Rekordablöse, benötigt nun aber ein glückliches Händchen bei der Stürmer-Wahl. Zwei Angreifer sollen kommen.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Der Mann, der nun die Segel streicht, hätte eigentlich gar nicht da sein sollen. Zumindest nicht, wenn es für Michael Preetz im Sommer 2009 nach Plan gelaufen wäre.

Damals hatte Preetz als Manager von Hertha BSC zunächst nicht die Absicht, Adrian Ramos zu verpflichten. Eine größere Nummer sollte es werden: der russische EM-Star Roman Pawljutschenko. Die Lücke im Kader klaffte schließlich an einer exponierten Stelle – im Sturm. Und die Abgänge waren so schillernd, dass ein großer Name als Ersatz her musste: Marko Pantelic und Andrej Woronin.

Ein großer Name wurde es nicht. Pawljutschenko, mit dem sich Preetz einig war, ließ Tottenham im letzten Moment doch nicht gehen. Also kam mit Ramos kurz vor Transferschluss ein kleiner Name, gedieh jedoch in viereinhalb Jahren selbst zu einem klangvollen, sodass Hertha ihn jetzt abgeben muss.

Rekordablöse für die Berliner

Im Gleichschritt wurde am Mittwochmittag um 12 Uhr Vollzug vermeldet: „Adrian Ramos wechselt zu Borussia Dortmund“, lauteten die Nachrichten bei Hertha und beim BVB, der nach dem 2:0 im Viertelfinalrückspiel gegen Real Madrid gerade aus der Königsklasse ausgeschieden ist.

Der Kolumbianer (16 Saisontore) erhält in Dortmund einen Vertrag bis 2018 und soll als einer von zwei neuen Angreifern den scheidenden Robert Lewandowski beerben. Über die Ablösemodalitäten haben beide Klubs Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen der Morgenpost überweist der Revierklub 9,7 Millionen Euro an Hertha und muss erfolgsabhängig noch einmal nachlegen.

Damit kassiert Hertha für einen Spieler die höchste Ablöse der Vereinsgeschichte. Es sei sein Wunsch gewesen, „diesen nächsten Karriereschritt zu gehen und Champions League spielen zu können“, wurde Ramos zitiert.

Preetz dagegen hatte lange gehofft, Ramos zum Bleiben bewegen zu können. „Aber das ist nun mal das Geschäft“, sagte der Manager gegenüber der Morgenpost. „Wenn Klubs wie der BVB kommen, wird es schwer für uns mitzuhalten.“

Lasogga und Mister X sollen kommen

Hertha-Trainer Jos Luhukay war froh, dass das Gezerre um seinen Stürmer nun ein Ende hat: „Adrian hat es sich verdient, zum BVB zu wechseln. Er ist ein Topstürmer, der in dieser Saison von den Toren her explodiert ist.“

Aber was nun? Wer folgt bei Hertha auf den torgefährlichsten Stürmer der vergangenen Jahre? Wer eröffnet eine neue Ära im Sturm? Pierre-Michel Lasogga?

Den will man bei Hertha gern zurück. Ob der zum HSV Verliehene aber auch tatsächlich wieder nach Berlin kommen wird, ist noch völlig offen. Preetz hat jetzt eine gefüllte Kasse, um einen Ramos-Nachfolger zu finden, der, so die Überlegungen im Klub, auch dann kommen könnte, wenn Lasogga zurückkehrt. „Wir dürfen uns nicht abhängig von einem Spieler machen“, forderte Luhukay.

Preetz hat damit aber das Problem, lange zweigleisig fahren zu müssen, bis die Personalie Lasogga geklärt ist und er endlich weiß, ob eine 1A- oder nur eine 1B-Lösung nötig ist.

In der Vergangenheit half oft der Zufall

In der Vergangenheit, das zeigt nicht nur der Fall Ramos/Pawljutschenko, spielte bei Hertha oft der Zufall mit, wenn es galt, eine neue Sturm-Ära einzuläuten.

Als der Rekordtorjäger des Klubs, Michael Preetz, sowie Alex Alves 2003 gingen, tönte Manager Dieter Hoeneß, er habe mit Fredi Bobic und Artur Wichniarek „26 Saisontore eingekauft“, weil die zuvor zusammen auf jene Quote kamen.

Sie wurden Flops, und es kam zwei Jahre später der serbische Torschützenkönig Pantelic, obwohl man lange zögerte. Er hatte sich bezüglich des Jugoslawien-Krieges ziemlich patriotisch gezeigt, was man den Kroaten Josip Simunic und Niko Kovac im Team eigentlich nicht zumuten wollte.

Woronin als Glückfall

Als Pantelic nach dem Abgang von Zwölf-Tore-Leihstürmer Christian Giménez allein da stand, lieh Hertha 2008 Woronin aus Liverpool aus, der prompt elf Tore schoss.

Aber Woronin wäre eigentlich nach Dortmund gegangen, wie er einmal erzählte. Der damals neue BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte sein Interesse hinterlegt, doch Liverpool zögerte, Woronin abzugeben, und Klopp holte stattdessen Nelson Valdez.

Woronin hätte wohl auch länger bei Hertha für Tore gesorgt, wenn die Blau-Weißen 2009 nicht am letzten Spieltag die Teilnahme an der Champions League verspielt hätten, sodass er nicht zu bezahlen war.

Und Lasogga? Er kam nach dem Abstieg 2010 aus der Leverkusener Jugend, wo man den Stürmer zwar für talentiert, aber – nun ja – auch für zu dick hielt. Bei Hertha war er eigentlich für die U23 eingeplant. Er überzeugte sofort, führte den Klub mit 13 Toren zum Aufstieg und stand plötzlich für Herthas Zukunft. Dieses Etikett könnte er bald wieder tragen.