Bundesliga

England lockt Herthas Sturmhoffnung Lasogga

Trotz Verletzung soll Lasogga den HSV vor dem Abstieg retten und dann nach Berlin zurückkehren. Doch nun bekommt Hertha Konkurrenz aus der Premier League. Ein Angebot aus Spanien wurde abgelehnt.

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Auf dem linken Unterarm von Pierre-Michel Lasogga prangt, wovon sie in Hamburg träumen. In gelber und grüner Tinte trägt der Stürmer einen Phönix unter der Haut. Jenes Federvieh also, das mythologisch betrachtet erst im Feuer verbrennt, um dann aus der eigenen Asche aufzuerstehen. Der Phönix ist das Sinnbild für das längst verloren Geglaubte, das unverhofft in neuem Glanz erscheint.

Und so steht der tätowierte Phönix auf Lasoggas Arm auch für seinen Besitzer selbst, denn Lasogga verkörpert die Hoffnung des Hamburger SV, die schon verloren geglaubte Bundesliga-Zugehörigkeit doch noch irgendwie zu retten.

Schon gegen Mainz soll Lasogga spielen

Am Dienstag trainierte der 22-Jährige zum ersten Mal nach seiner schweren Muskelverletzung im Oberschenkel vor vier Wochen wieder leicht mit der Mannschaft des HSV. Eigentlich, so hieß es, sollte der Angreifer, der bis Sommer von Hertha ausgeliehen ist, frühestens in den möglichen Relegationspartien (15. und 18. Mai) gegen den Dritten der Zweiten Liga wieder einsatzfähig sein.

Doch die Sorgen des Tabellen-16. sind groß, und Lasogga ist, glauben sie in Hamburg, der einzige, der sie lindern kann. Schon im letzten Saisonspiel gegen Mainz 05 am Sonnabend soll er wieder mitwirken und den HSV vor dem ersten Abstieg seiner Bundesliga-Geschichte retten. „Lasogga ist wichtig für uns. Mit ihm sind die Chancen deutlich größer“, sagte HSV-Trainer Mirko Slomka.

Selbst ein Startelfeinsatz gegen Mainz sei nicht ausgeschlossen: „Wenn Lasogga zwei Tage voll mitmacht, kann er auch von Beginn an auflaufen“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer.

Vier Muskelverletzungen in dieser Saison

Für Hertha sind das keine guten Nachrichten. Lasogga erlitt bereits vier Muskelverletzungen in den vergangenen Monaten beim HSV, kam aufgrund der prekären Lage der Hanseaten oft zu früh zurück, um dann erneut auszufallen.

Während die Hamburger im Existenzkampf um den Klassenerhalt aber auch das Risiko eingehen, dass Lasogga (zwölf Saisontore) seine Gesundheit aufs Spiel setzt, haben die Berliner völlig andere Interessen. Lasogga soll ab Sommer Adrian Ramos bei Hertha beerben. Publik wurde ein Treffen zwischen Lasogga und Herthas Cheftrainer Jos Luhukay in Berlin.

Aus Lasoggas Umfeld heißt es, das Gespräch sei sehr positiv verlaufen. Luhukay habe glaubhaft seine Absicht hinterlegt, unbedingt mit dem Stürmer in die neue Saison gehen zu wollen – unabhängig davon, ob dieser das Angebot einer Vertragsverlängerung über das Jahr 2015 hinaus annimmt.

Nun schauen die Verantwortlichen bei Hertha mit etwas ängstlichen Blicken nach Hamburg: Die Bedenken, dass Lasogga erneut zu früh spielen muss, sich wieder verletzt und dann angeschlagen zu Hertha zurückkehrt, sind begründet.

Atlético Madrid wollte den Stürmer verpflichten

Vielleicht aber wird es diese Rückkehr nach Berlin niemals geben: Nach Informationen der Morgenpost liegen Lasogga konkrete Angebote von mehreren englischen Klubs sowie aus der Bundesliga vor – und der Spieler ist nicht abgeneigt.

Auch eine Offerte von Champions-League-Finalist Atlético Madrid hat es gegeben. Diese jedoch hat Lasogga abgelehnt. Die spanische Liga reizt ihn nicht. Dafür aber die englische Premier League: „Wer Pierre kennt, der weiß, dass er schon immer von England geträumt hat“, sagt Kerstin Lasogga, Mutter und zugleich Beraterin des Spielers, auf Anfrage der Morgenpost.

„Aber Pierre will sich jetzt erst einmal voll auf den HSV konzentrieren und mithelfen, dass sie da unten rauskommen.“

Tipps von Markus Babbel

Nach Ende der Saison inklusive einer möglichen Teilnahme des HSV an der Relegation wird zeitnah eine Entscheidung über Lasoggas Zukunft gefällt. In seinem Umfeld raten ihm viele zu einem Wechsel nach England.

Der belgische Spielerberater Didier Frenay, ein Freund der Familie und in der Vergangenheit federführend bei Transfers zum VfL Wolfsburg, hilft bei der Sondierung des Marktes.

Zudem hat sich Lasogga eine Einschätzung von Markus Babbel über die Premier League geholt – Herthas Ex-Trainer, bei dem Lasogga einst zum Stammspieler reifte, und der selbst viele Jahre in England für den FC Liverpool spielte.

Hertha ist noch im Rennen

Aber noch ist Hertha nicht aus dem Rennen um Lasogga. „Pierre ist ein Berliner Junge, und er hängt an Hertha“, sagt seine Mutter. Seinen Vertrag verlängern aber wird Lasogga zeitnah nicht.

Die Verhandlungsposition für seine Seite ist günstig, weil Hertha dringend einen Topstürmer braucht und Lasogga selbst sich mit starken Auftritten beim HSV auf die Liste finanzstärkerer Klubs gespielt hat.

Es geht um Geld, aber auch darum, Vertrauen, das in den letzten Wochen vor der Ausleihe in Berlin verloren ging, wieder aufzubauen. Sollte Lasogga am Ende dennoch gehen wollen, wird Hertha ihn wohl oder übel verkaufen. Vielleicht nach England.