Bundesliga

Für Herthas Ramos geht es gegen Bremen um mehr als den Sieg

Im Spiel gegen Werder hat der kolumbianische Stürmer noch zwei wichtige Ziele: Er will Torschützenkönig werden und sich für die WM empfehlen. Manager Preetz sagt: „Adrian hat es sich verdient.“

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Das Kriegsgerät steht im Büro. Bronze auf hölzernem Sockel. Immer, wenn Adrian Ramos in den vergangenen Monaten im Arbeitszimmer von Michael Preetz saß, konnte er eine Miniatur-Kanone sehen. Herthas Manager gewann die Trophäe für den besten Torjäger der Bundesliga in der Saison 1998/99. 23 Tore erzielte er damals für die Berliner. Preetz hat Ramos die Kanone gern mit dem Beisatz gezeigt: „Nur gucken. Nicht anfassen.“

Anfassen darf Ramos die Kanone erst, wenn er sie selbst gewinnt. Auf 16 Tore kommt der Stürmer in dieser Saison, zwei weniger als seine Konkurrenten um die Auszeichnung des besten Torjägers – Robert Lewandowski (Dortmund) und Mario Mandzukic (München) mit je 18 Treffern.

Und weil aus Herthas Partie an diesem Sonnabend bei Werder Bremen (15.30 Uhr/im Liveblog auf morgenpost.de) größtenteils die Luft raus ist – für beide Teams geht es in der Tabelle weder bemerkenswert nach oben noch nach unten –, präsentiert sich die Trophäe als schöner Grund, noch einmal volle Kanone zu gehen.

Durststrecke in der Rückrunde

Von einer „zusätzlichen Motivation“ für Ramos spricht Herthas Trainer Jos Luhukay. „Wir wünschen es Adrian“, sagte Preetz. „Denn es wäre auch eine Auszeichnung für die gesamte Mannschaft.“ Allerdings liegt Ramos’ letztes Tor schon mehr als einen Monat zurück.

Gegen den FC Bayern Ende März traf er vom Elfmeterpunkt. Danach verletzte sich der Kolumbianer gegen Hoffenheim und verpasste zwei Partien. In seinen letzten zehn Spielen erzielte Ramos nur zwei Tore, was belegt, dass auch an ihm die schwache zweite Halbserie der Berliner nicht vorbeiging.

Preetz: „Adrian hat alles getan, um mitfahren zu müssen“

Gegen Bremen und eine Woche später im letzten Saisonspiel gegen seinen künftigen Arbeitgeber BVB noch ein paar Treffer mehr zu sammeln, soll Ramos zum Nahziel Torjägerkanone führen und gleichermaßen den Weg zu einem Sehnsuchtsziel in der Ferne ebnen: Brasilien.

Der 28-Jährige hofft noch auf einen Platz im WM-Kader Kolumbiens im Sommer. Zuletzt hatte sich Nationaltrainer José Pekerman zurückhaltend über Ramos geäußert. Die Konkurrenz im Angriff der Südamerikaner ist groß.

Für Preetz wäre es allerdings kaum nachvollziehbar, sollte sich Pekerman am Ende gegen Ramos entscheiden: „Adrian hat alles dafür getan, mit zur WM zu müssen“, sagte er. „Er spielt sehr erfolgreich in einer der stärksten Ligen weltweit und steht unter den Top-Drei der Torschützen. Er hat sich seine Nominierung verdient.“

Brooks kämpft um seine WM-Chance

Neben Ramos gesellt sich im Berliner Kader noch ein weiterer Profi, für den die Partie in Bremen alles andere als bedeutungslos ist: Innenverteidiger John Anthony Brooks. Am 13. Mai nominiert US-Nationalcoach Jürgen Klinsmann seinen vorläufigen WM-Kader für Brasilien, und Brooks will unbedingt dabei sein.

Dafür braucht es aber nach einer Saison mit persönlichen Höhen und Tiefen eine ähnlich überzeugende Leistung wie zuletzt gegen Braunschweig, als er ein Tor erzielte und zum Spieler des Spieltages gewählt wurde, sowie in Augsburg. „Die WM“, sagte Luhukay, „würde ihm unglaublich helfen in seiner Entwicklung.“

Auch Preetz glaubt, dass der 21-Jährigen, dem oft ein seltsames Phlegma im Weg stand, durch die Erfahrungen in Brasilien reifen würde: „Das könnte für den Jungen einen unglaublichen Schub bedeuten. Er ist in einer entscheidenden Entwicklungsphase, in der es darum geht, sich final im bezahlten Fußball durchzusetzen.“

Ausgebremst auf dem Weg zurück zu alter Stärke wurde dagegen Alexander Baumjohann. Nach Vereinsangaben liege das an einem grippalen Infekt. Nach Informationen des „Kicker“ zeigte aber das gerade erst von einem Kreuzbandriss genesene Knie eine Reaktion, die Anlass zur Sorge bereiten könnte. Gegen Werder Bremen wird Baumjohann ebenso fehlen wie Tolga Cigerci.