Stürmer-Suche

Lasogga kommt nur zurück, wenn Hertha ihm vertraut

Berlins Stammstürmer Ramos ist weg. Doch die Rückkehr des Wunschnachfolger Lasogga wird eine Hängepartie, obwohl ihm seit Monaten ein Angebot vorliegt. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit.

Foto: Oliver Hardt / Bongarts/Getty Images

„Nein“, sagt Michael Preetz, „Pierre hat unser Angebot noch nicht abgelehnt“. Herthas Manager hält kurz inne: „Aber er hat es eben auch noch nicht angenommen.“ Seit Dezember liegt Pierre-Michel Lasogga eine Offerte für die Verlängerung seines Vertrages über 2015 hinaus vor – zu deutlich höheren Bezügen.

Nach dem nun offiziell bestätigten Abgang von Stammstürmer Adrian Ramos zum BVB wünschen sie sich in Berlin, dass der zum HSV entliehene Angreifer im Sommer zurückkehrt und Ramos beerbt.

Doch auf eine baldige Entscheidung kann niemand hoffen: „Das kann noch Wochen dauern, vielleicht aber auch noch Monate“, sagt Preetz.

Aber warum eigentlich? Ramos ist weg, das weiß die Branche seit geraumer Zeit. Der Weg für Lasogga wäre frei, zu dem Klub heimzukehren, bei dem er einst zum Bundesligaprofi reifte und zu dem er lange ein fast liebevolles Verhältnis pflegte. Warum wird die Rückholaktion des 22-Jährigen zu einer Hängepartie, die letztlich auch Preetz vor schwerwiegende Planungsprobleme stellt?

Familienunternehmen Lasogga

Die prekäre Situation von Lasoggas aktuellem Klub HSV im Abstiegskampf ist eine Antwort. Dass er nun erneut zwei Wochen wegen muskulärer Probleme pausieren muss, kommt erschwerend hinzu. Doch die Suche nach den Gründen muss bereits vor knapp vier Jahren anfangen, als Lasoggas Karriere begann. Damals traf der Angreifer für Leverkusen in der A-Jugendbundesliga nach Belieben. Den Durchbruch zu den Profis trauten sie ihm dennoch nicht zu, und Lasogga kam nach Berlin.

Eine latente Skepsis gegenüber Fußballmanagern resultiert aus jener Zeit im Umfeld des Stürmers – ein Umfeld, das kein gewöhnliches ist. Es ist ein Familienunternehmen Lasogga geworden.

Beraten wird der Torjäger von seiner Mutter Kerstin, einer Frau, die von der Geradlinigkeit des Ruhrgebiets geprägt ist und welche die Belange ihres Sohnes resolut aus der Mutterrolle heraus vertritt.

Bei Lasoggas geht es nicht nur um das Geschäft. Hier geht es um Vertrauen. Enttäuschungen werden nicht leicht verziehen. Und enttäuscht, ja gekränkt war Lasoggas Seite, als sich Herthas Trainer Jos Luhukay 2013 für Ramos und gegen Lasogga als Stammstürmer entschied. Weggeschickt fühlte man sich, als Lasogga zum HSV verliehen wurde, obwohl er gern in Berlin geblieben wäre.

Herthas Taktik der Lobpreisung

Hier setzt Hertha nun an: Während Preetz, der zu Lasogga ein besonderes Verhältnis pflegt und ihn als eine seiner ersten, großen Entdeckungen versteht, seit Monaten öffentlich sagt, den Leihstürmer im Sommer definitiv zurückhaben zu wollen, stimmt nun auch Luhukay in die Loblieder auf Lasogga ein: Er freue sich auf ihn, sagte der Niederländer.

Er wäre seine klare Nummer eins im Sturm ab Sommer. Kein Wort davon, dass Luhukay lange mit der strafraumzentrierten Spielweise des Angreifers fremdelte.

Vertrauen ist das einzige, mit dem Hertha Lasogga zur dauerhaften Heimkehr bewegen kann. Luhukay und Preetz müssen ihm glaubhaft vermitteln, dass er der Wunschstürmer ist. Sie müssen versuchen, die weichen Faktoren, die für Hertha sprechen, hervorzuheben – sein Stellenwert im Team und als Liebling der Fans sowie die Stadt, die Lasogga weiterhin oft besucht.

Denn mit zwölf Saisontoren für den HSV hat Lasogga nicht nur Bundestrainer Joachim Löw auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch andere, finanzstärkere Klubs.

Für Hertha geht es aber auch darum, mit öffentlich vorgetragener Wertschätzung einerseits den Preis für Interessenten stabil hoch zu halten und sich andererseits auch keinerlei Vorwürfen aussetzen zu müssen, wenn sich Lasogga am Ende dennoch gegen Berlin entscheidet. Dann würde man ihn verkaufen, hätte Geld, aber vorerst keinen Topstürmer.