Bundesliga

Hertha BSC kehrt zur Zufriedenheit zurück

Die Berliner werten das Unentschieden gegen Hoffenheim als einen ersten Schritt raus aus der jüngsten Tristesse. Stürmer Adrian Ramos verletzte sich zwar, kann aber wohl gegen Leverkusen auflaufen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Am Montagnachmittag griff Jos Luhukay zum Telefon. Am anderen Ende nahm Zsolt Petry ab, ein alter Weggefährte, und empfing ein paar tröstliche Worte. Petry, der unter Herthas heutigem Chefcoach 2005/06 als Torwarttrainer beim SC Paderborn angestellt war, arbeitet nunmehr in gleicher Funktion bei der TSG Hoffenheim – Herthas Gegner vom Sonntag.

Trost benötigte der Ungar, weil das Wiedersehen mit Luhukay für ihn mit Schrecken endete: Beim 1:1 der beiden Tabellennachbarn brach sich Petrys Schützling, Hoffenheims Stammkeeper Koen Casteels, das Schienbein, als er mit dem Berliner Torjäger Adrian Ramos zusammenprallte.

Noch am Sonntagabend wurde Casteels operiert und muss bis Mittwoch in Berlin im Krankenhaus bleiben. Die WM in Brasilien, an welcher der 21-Jährige mit Belgien teilnehmen wollte, findet ohne ihn statt. Ebenso wird er der TSG in der Schlussphase der Liga fehlen.

Wechsel nach Dortmund steht kurz bevor

Tröstende Worte hätte auch Petry seinem alten Chef Luhukay übermittelt können, wäre es gekommen, wie am Montagmorgen befürchtet. Denn der unappetitliche Zusammenstoß zwischen Casteels und Ramos hatte auch für Hertha Folgen: Ramos erlitt in jener Szene eine Muskelquetschung im Oberschenkel und drohte auszufallen.

Doch ein MRT am Nachmittag sorgte für Entwarnung: Der Stürmer wird voraussichtlich schon am Mittwoch wieder individuell trainieren können. Sein Einsatz gegen Bayer 04 Leverkusen am Sonntag ist damit möglich.

Bis dahin dürfte der Wechsel des 28-Jährigen zu Borussia Dortmund für 9,7 Millionen Euro vermeldet sein. Eine offizielle Bestätigung des BVB wird zeitnah nach dem Champions-League-Rückspiel gegen Real Madrid erwartet.

Präsident Gegenbauer fordert positives Denken

Luhukay hat sich damit abgefunden, seinen besten Angreifer (16 Saisontore) zu verlieren. Nicht damit abfinden aber wollte sich der Niederländer, dass seine Mannschaft in der Rückrunde und mit zuletzt vier Niederlagen in Folge den guten Eindruck der Hinserie verspielte.

Obwohl Hertha mit 37 Punkten das Saisonziel Klassenerhalt frühzeitig erreicht hat, umgibt den Aufsteiger nach sieben Spielen ohne Sieg eine merklich gedämpfte Stimmung.

Das rief sogar Präsident Werner Gegenbauer auf den Plan, der im Stadionheft zur Hoffenheim-Partie „die üblichen Skeptiker und Berufspessimisten“ aufforderte, alles doch mal positiver zu betrachten.

Diesem Ansatz folgte schon einmal sein Trainer nach dem Remis gegen Hoffenheim: Das 1:1 wertete Luhukay als einen ersten Schritt heraus aus der jüngsten Tristesse. Ein bisschen fühle sich das Unentschieden auch wie ein Sieg an, sagte der 50-Jährige. „Das war eines unserer besten Spiele der letzten Zeit. Wir haben annähernd wieder das abgerufen, was wir in der Hinrunde gezeigt haben.“

Die beste Leistung seit Wochen

Die Mannschaft hatte sogar den Sieg verdient, fand Luhukay, habe allerdings wieder nicht die sich bietenden Torgelegenheiten genutzt: „Meine Spieler haben viel investiert, aber sie belohnen sich derzeit einfach nicht“, sagte Luhukay.

Für ihn allerdings war wichtig, dass seine Elf nach den letzten Rückschlägen damit begonnen hat, wieder zu sich selbst zu finden: „Die Leistung war viel besser als die in den letzten Wochen“, sagte Luhukay.

Dass der Klassenerhalt geschafft ist, ohne je in dieser ersten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg in Gefahr zu geraten, ist beachtlich. Dem gegenüber steht aber die verhaltene Stimmung rund um den Verein. Irgendwo auf dem Weg Richtung Saisonende war den Blau-Weißen seit Beginn der Rückrunde das Gefühl der eigenen Stärke verloren gegangen.

In der Ruhezone der Liga

Die erfolgreiche Hinserie mit 28 Punkten und Tabellenplatz sechs hatte noch dafür gesorgt, dass sich Hertha fühlen konnte wie ein Pubertierender, der sich auf der Kirmes zum ersten Mal an „Hau den Lukas“ probiert, den Klotz gleich bis zur Glocke hämmert und sich über die eigene, nie für möglich gehaltene Kraft wundert.

Zuletzt aber blieb die Glocke unerreichbar, die Verve der Hinrunde war entwichen, und Hertha ächzte unter der Last der vielen Ausfälle und dem Verschwinden der Effizienz vor dem Tor.

Die verbleibenden fünf Saisonspiele werden die Hauptstädter nun in der Ruhezone der Liga verbringen – weit genug entfernt vom hitzigen Abstiegskampf, aber auch außer Sichtweite des Gerangels um die Teilnahme am Europapokal.

Für Luhukay und seine Mannschaft sind jene Partien dennoch von Bedeutung, denn es beginnt jetzt eine Zeit, von der man sagt, sie habe weitreichende Auswirkungen. Es gilt, mit guten Auftritten zurück zur Zufriedenheit mit sich selbst zu finden. Die kommende Bundesligasaison soll mit Zuversicht erwartet werden und nicht mit der Verunsicherung einer verkorksten Rückrunde. Käme es so, bräuchte Jos Luhukay auch keinerlei tröstende Worte.